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NWZonline.de Ratgeber Gesundheit

Sie hat Patienten unter Nachttischlampen behandelt

20.03.2019

Mombasa /Friesoythe Mit zwei Koffern kam sie im Januar am Flughafen in Kenia (Afrika) an. Doch darin hatte die Medizinstudentin Lea Decker aus Friesoythe nicht nur Kleidung verstaut. In einem der beiden Koffer brachte sie Infusionssysteme, Fieberthermometer, Blutdruckmessgeräte und haufenweise Handschuhpackungen mit – Spenden für das Kingston Hospital in Likoni, in dem sie für sechs Wochen Freiwilligenarbeit leisten wird.

Likoni ist ein armer Vorort von Mombasa, der zweitgrößten Stadt in Kenia. Es gibt hier keine ausreichende medizinische Versorgung. Wenn die Menschen krank sind oder Verletzungen haben, müssen sie mit der Fähre nach Mombasa fahren. Das können sich die meisten aber nicht leisten, oder der Weg ist im Notfall zu weit. Außerdem haben viele Menschen keine Krankenversicherung, ohne die sie in den Krankenhäusern abgewiesen und nicht behandelt werden. Eine deutsche Krankenschwester, Maria Lindermair, hat deshalb 2011 den Verein „Likoni – Healthcare for all“ gegründet.

Krankenhaus im Aufbau

In Zusammenarbeit mit dem afrikanischen Arzt Dr. Cheruiyot hat der Verein in Likoni ein Krankenhaus eröffnet, das Kingston Hospital. Es befindet sich noch im Aufbau. Drei Ärzte und drei Krankenschwestern arbeiten hier. Ziel ist es, den Menschen eine medizinische Versorgung zu gewährleisten, die ansonsten keine bekommen würden. Der Verein registriert die Menschen vor Ort und übernimmt dann die Behandlungskosten. Ein bis zwei Patienten können momentan höchstens stationär aufgenommen werden, die meisten werden ambulant behandelt.

Seit 2013 studiert Lea Decker Medizin in Oldenburg und würde gerne Kinderchirurgin werden. In einem Jahr steht schon das Erste Staatsexamen an. „Ich wollte schon immer gerne mal in ein Entwicklungsland“, sagt sie. Wie sehr sie in ihrer „europäischen Seifenblase“ gelebt habe, habe sie gemerkt, als sie zum Beispiel lernen musste, einen Plastikstuhl zu reparieren oder Wäsche mit kaltem Wasser zu waschen. „Ich habe erstmal drei Wochen mit Staunen zugebracht“, sagt sie.

Übernachtet habe sie mit anderen Freiwilligen in einem Haus nebenan, berichtet Decker. Das sei von einer Security überwacht worden, von hohen Steinmauern und einem Zaun umgeben und durch Vorhängeschlösser gesichert gewesen. „Likoni ist kein Touristenort“, erklärt die Studentin, „wir durften alleine nirgends hin.“ Wegen der hohen Kriminalität. Zum Frühstück gab es Tee mit Toast, am Nachmittag Ugali, eine warme Mahlzeit aus Maisbrei, den man mit einem Löffel und den Händen isst. Das war’s meistens.

Langer Arbeitsalltag

Was Decker bei ihrem Einsatz im Kingston-Hospital als Erstes lernte: „Man kann sich auf nichts verlassen“, sagt sie und lacht, „das ist die afrikanische Mentalität.“ Sechs Stunden auf jemanden zu warten, sei nichts Außergewöhnliches. „We changed the plan“ („Wir haben den Plan geändert“) sei ein Satz gewesen, den sie häufig gehört habe. Man gewöhne sich aber daran und passe sich an.

Die Tage waren lang, und gearbeitet wurde auch am Wochenende. Erst abends ging die eigentliche Arbeit im Krankenhaus los. „Wenn es irgendwie geht, gehen die Leute zur Arbeit. Sie können sich nicht krankschreiben lassen“, erklärt Decker. Vorstellen könne man sich den Betrieb wie in einer Arztpraxis. Ein Arzt und eine Krankenschwester seien immer zusammen im Einsatz gewesen. Bis nachts um drei Uhr vergaben sie Medikamente und nahmen kleine chirurgische Eingriffe vor. Dabei halfen ihnen im Dunkeln nur Tisch- und Taschenlampen.

Auch wenn die Möglichkeiten der ärztlichen Behandlung oftmals begrenzt seien und das Equipment fehle, machten die Ärzte im Kingston Hospital in Likoni doch etwas besser als in Deutschland, findet Decker: „Sie sehen den Patienten. In Deutschland werden immer so viele Tests gemacht, dass die Ärzte häufig nur noch aufs Blatt schauen und die Person dahinter nicht mehr sehen. Doch man kann ganz viel mit anfassen, riechen und fragen erreichen.“ Das ist etwas, was sich die angehende Ärztin beibehalten will: „Hier habe ich gelernt, ein bisschen kreativer zu sein, wenn etwas nicht so funktioniert, wie es sollte, einfach weiterzudenken.“

Am Tag seien die Freiwilligen nach Timbwani gefahren, um dort den Menschen im Slum zu helfen. Sie kümmerten sich um Registrierungen der Bewohner fürs Krankenhaus, brachten Matratzen und Betten, bezahlten Familien das Schulgeld und verteilten Essen. In der Warteschlange hielten Frauen einmal ein Schild mit der Aufschrift „Asante“, als „Danke“ hoch, erinnert sich Decker daran, dass die Menschen viel zurückgeben. 1300 Euro hat die Studentin aus eigener Kraft gesammelt, um es dort zu spenden.

Ein Huhn zum Dank

Auch wenn sie sich zurück in Deutschland über ihren Kühlschrank freut, aus dem sie sich jederzeit zu Essen nehmen kann, hat Decker etwas mitgenommen aus der Zeit in Kenia: „Ich habe gemerkt, wie viele unnötige Sachen ich besitze.“ Und wenn sie hier durch die Straßen schaut, wundert sie sich, wie wenig Menschen man sieht. „Ich wäre gerne länge in Likoni geblieben“, sagt die Friesoytherin. „Die Leute waren alle sehr herzlich und so lebensfroh“, schwärmt sie. Auch die Gastfreundschaft sei überwältigend gewesen. „Egal wie klein es war, jeder hat uns in sein Haus eingeladen.“

Als Dankeschön habe sie von ein paar Leuten aus dem Slum ein Huhn geschenkt bekommen. „Das Huhn lebte noch und gackerte in einem Netz sitzend vor sich hin“, erzählt Decker und lacht. Einige Frauen bereiteten ihr das Huhn sogar als Suppe zu, wobei nichts vom Huhn verschwendet wurde, die Füße, die Innereien – alles kam in den Topf mit hinein. Und auch wenn die Medizinstudentin von der Mahlzeit nur schwer ein paar Löffel hinunter bekommen habe, wusste sie das Geschenk zu schätzen: „Ein Huhn ist dort viel wert.“

Sie habe viel Dankbarkeit von den Menschen erfahren: „Ich hatte das Gefühl: Da kannst du etwas bewirken.“ Jetzt wird sie sich erstmal wieder auf ihr Studium konzentrieren, aber eines ist sicher: Das wird nicht ihre letzte Afrika-Reise gewesen sein.


Infos zum Krankenhaus unter   www.spenden-bewegen.de 
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Nina Janssen Volontärin, 3. Ausbildungsjahr / NWZ-Redaktion
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