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Chronische Wunden Netzwerk für mehr Lebensqualität

Klaus Hilkmann

Westerstede - Wunden gelten nach medizinischer Definition als chronisch, wenn sie trotz einer fachgerechten Therapie auch nach mehreren Wochen keine Heilungstendenz zeigen. Ein großer Teil der Betroffenen leidet jahrelang unter einem entsprechenden Wundtyp oder muss nach einer zunächst erfolgreichen Wundtherapie mit Rückschlägen rechnen. Längst nicht immer erfolgt von Anfang an eine optimale medizinische Versorgung. Eine Studie des Robert-Koch-Instituts (RKI) zeigt, dass Patienten mit chronischen Wunden oft einen langen Weg erfolgloser Therapieversuche mit vielen wechselnden Behandlungsmethoden hinter sich haben.

Rückzug und Einsamkeit

Ein Grund sei, dass die Patienten mitunter nicht den richtigen Arzt für die meistens sehr langwierige und zeitaufwendige Behandlung finden und auch die Wundversorgung in Eigenregie häufig nicht mit der nötigen Qualität und Sorgfalt durchgeführt wird, so die RKI-Studie: „Mängel in Kontinuität und Qualität der Behandlung verhindern die Wundheilung. Für Patienten und Pflegende ist die Situation sehr belastend.“ Hinzu komme, dass Menschen mit einer chronischen Wunde mit einem erhöhtem Risiko für eine Infektion mit multiresistenten Keimen leben, da eine unzureichend geschützte Wunde ein offenes Einfallstor für Keime und Bakterien jeder Art sei.

Betroffene reagieren vor allem nach einer längeren Krankheitsgeschichte häufig mit Resignation und Rückzug. Sie leiden oft nicht nur unter dauernden Schmerzen und einer verminderten Mobilität. Viele Patienten schränken die Kontakte zur Außenwelt auch deshalb ein, weil sie sich wegen des als vermeintlich abstoßenden Aussehens und Geruchs der chronischen Wunde schämen, berichtet Dr. Stefan Nordbruch, Leiter des spezialisierten Wundzentrums in der Ammerland-Klinik Westerstede: „Insbesondere ältere Menschen neigen dazu, sich immer weiter zurückzuziehen. Zu dem mit der chronischen Wunde verbundenen körperlichen Leid kommt dann eine zunehmende Vereinsamung hinzu.“ Nordbruch hat seit mehr als 20 Jahren Erfahrung mit der Versorgung chronischer Wunden und hat mit seinem Team in der Ammerland-Klinik etwa 2500 entsprechende Patientenkontakte pro Jahr.

Chronische Wunden entstehen meistens als Folge einer Primärerkrankung wie vor allem Durchblutungsstörungen, die durch Gefäßerkrankungen oder ein Diabetes mellitus verursacht werden. Als die drei häufigsten chronischen Wunden nennt die Medizin das diabetische Fußsyndrom, ein auch als Druckgeschwür bekannten Dekubitus sowie das gefäßbedingte Ulcus cruris, das auch als offenes Bein bezeichnet wird.

Hauptproblem ist häufig die mangelnde Durchblutung. Die damit verbundene Mangelversorgung der verletzten Gewebe- und/oder Hautregion hat zur Folge, dass sich die betroffenen Strukturen nicht regenerieren und somit auch nicht wie gewünscht abheilen können, sagt Nordbruch: „Im Ergebnis entsteht eine offene Wunde, die sich in der Regel erst schließen kann, wenn die Entstehungsgründe mittels einer erfolgreichen Behandlung der Primärerkrankung verschwunden sind.“

An Füßen und Beinen

Meistens entstehen chronische Wunden an den unteren Extremitäten – vor allem an den Füßen und Beinen. Im Anfangsstadium können kleine Risse oder Veränderungen der Haut ein Hinweis sein. Bei der Diagnostik ist im Rahmen eines ausführlichen Arzt-Patientengesprächs sowie der Untersuchung der Wunde entscheidend, der Ursache auf den Grund zu kommen.

Hinweise auf eine mögliche Gefäßerkrankung könne der Arzt unter anderem mit einer Ultraschalluntersuchung und einer Dopplerdruckmessung der Beine finden. Auch können eine Blutuntersuchung und eine Kernspintomographie erforderlich sein. Mittels eines Abstrichs kann zudem festgestellt werden, ob sich die Wunde infiziert hat. Im weiteren Verlauf der Wundbehandlung habe sich auch eine Fotodokumentation bewährt, so Nordbruch: „Das erleichtert eine objektive Beurteilung der Behandlungsfortschritte.“ Für eine optimale Behandlung empfiehlt das RKI eine interdisziplinäre Zusammenarbeit aller relevanten pflegerischen und medizinischen Fachgebiete.

Der Erfolg der Wundbehandlung steht und fällt mit der Erfahrung, Motivation und Geduld der Beteiligten. Ein kompletter Wundverschluss sei aber in vielen Fällen leider nicht möglich, so Dr. Stefan Nordbruch: „Man muss mitunter akzeptieren, dass schon ein scheinbar kleiner Fortschritt ein großer Erfolg sein kann. Wichtigstes Behandlungsziel sollte immer sein, dass der Patient mittels eines optimierten Wundmanagements eine möglichst hohe Lebensqualität gewinnt.“

Das Wundzentrum in der Ammerland-Klinik Westerstede bietet ein breites Spektrum für die Diagnostik und Wundbehandlung im operativen und nichtoperativen Bereich. Es steht als fester Bestandteil eines Netzwerks in engem Kontakt und Austausch mit niedergelassenen Haus- und Fachärzten sowie Therapeuten und ambulanten Pflegediensten. In der Ambulanz des Wundzentrums werden zumeist Patienten behandelt, die von Haus- oder Fachärzten überwiesen werden – etwa, um die Wunde zu untersuchen oder den Behandlungsverlauf zu kontrollieren.

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