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Rettung Notarzt kommt aus der Luft

Klaus Hilkmann

Oldenburg/Helgoland - Ein Blick auf aktuelle Seekarten vor der deutschen Nord- und Ostseeküste verdeutlicht, dass dort schon jetzt zahlreiche Windparks in Bau oder in Betrieb sind. In den nächsten Jahren sind weitere Offshore-Anlagen zur umweltfreundlichen Stromerzeugung geplant. Für die Bauarbeiten werden dann bis zu 2000 Mitarbeiter auf hoher See eingesetzt sein – zum Teil 14 Tage am Stück bis zu 150 Kilometer von der Küste entfernt. Eine mit der Rettung an Land vergleichbare medizinische Versorgungsstruktur besteht in dem von Wind und Wetter beherrschten Offshore-Arbeitsumfeld noch nicht. Mit dem neuen Konzept „Windeacare“ soll das anders werden.

Enge Zusammenarbeit

Unter der medizinischen Leitung des Klinikums Oldenburg arbeiten dabei mehrere mit den speziellen Anforderungen vertraute Akteure aus den Bereichen Medizin, Rettungsdienst, Nautik, Luftfahrt und Windenergie Hand in Hand zusammen. Ziel ist, die medizinische Versorgung gemeinsam zu optimieren, erklärt Dr. Rüdiger Franz, Ärztlicher Leiter der seit dem 20. Januar auf Helgoland installierten Offshore-Rettung und Oberarzt in der Universitätsklinik für Anästhesiologie/Intensivmedizin/Notfallmedizin/Schmerztherapie im Klinikum Oldenburg: Auch im Offshore-Windpark müssen sich die Patienten auf eine rettungsmedizinische Versorgung verlassen können, die mit etablierten Standards an Land vergleichbar ist.

„Mit dem neuen Projekt stellen wir eine optimale Verknüpfung von spezialisierter Rettungstechnik, geeigneten Rettungstransportmitteln und notfallmedizinischer Kompetenz sicher“, ergänzt Klinikdirektor Prof. Dr. Andreas Weyland, der die Kooperation gemeinsam mit Geschäftsführer Dr. Dirk Tenzer in die Wege geleitet hat. Der Einsatz beginnt unmittelbar nach einem per Funk oder Telefon eingegangenen Notruf in der zuständigen medizinischen Rettungsleitstelle, die eng mit der Betriebsleitstelle der an das System angeschlossenen Windparks zusammenarbeitet.

So verfügt die von der Johanniter-Unfallhilfe betriebene medizinische Leitstelle Ventusmedic von Anfang an über alle relevanten Infos vom Einsatzort und kann darauf gestützt umgehend die weitere Rettungskette in Gang setzen. Wenn nötig werden – etwa bei einer Großschadenslage – auch staatliche Stellen wie das Havariekommando informiert und die Hilfsdienste anderer Windparks um Unterstützung gebeten.

Der Rettungsassistent in der medizinischen Leitstelle hält bis zum Eintreffen der Rettungs-Crew den Kontakt mit den Ersthelfern, so dass diese nicht allein gelassen werden. Unter anderem können die Ersthelfer direkte Anleitungen zu erweiterter erster Hilfe bekommen.

Der auf Helgoland stationierte, von der Firma NorthernHeliCopter rund um die Uhr betriebene Rettungshubschrauber ist für den Offshore-Einsatz spezialisiert und im Notfall inklusive Notarzt und Rettungsassistent tagsüber innerhalb von maximal 15 Minuten und nachts nach maximal 30 Minuten startbereit. Während des Anflugs versorgt die Rettungsleitstelle das Rettungsteam mit wichtigen Infos über den Zustand des Patienten und die Einsatzbedingungen vor Ort.

Eingespieltes Team

Zur Crew des Offshore-Rettungshelikopters gehört neben den beiden Piloten sowie dem Notarzt und dem Rettungsassistenten auch ein erfahrener Windenführer, der auf die technischen Anforderungen der Luftrettung spezialisiert ist. „Das Team muss perfekt aufeinander eingespielt sein, weil die Rettung aus der Luft sonst zu gefährlich wäre“, so Dr. Franz.

Bei der Offshore-Rettung auf hoher See müssen auch Notfälle versorgt werden, bei denen keine Landeplattform für Hubschrauber bereitsteht. In diesen Fällen werden der Notarzt und der Rettungsassistent aus fünf bis zehn Metern Höhe mittels einer Seilwinde vom Hubschrauber zur Einsatzstelle herabgelassen. Der Patient wird dann nach einer Erstversorgung an Ort und Stelle mit einer speziellen Trage gesichert und behutsam an Bord des Hubschraubers gehievt. Anschließend entscheiden der Notarzt und die Rettungsleitstelle gemeinsam, welches Krankenhaus am besten zur weiteren Behandlung geeignet ist. Neben dem Klinikum Oldenburg können je nach Einsatzort und Befund auch andere Einrichtungen in Frage kommen.

Mit dem Team der Offshore-Rettung hat Dr. Rüdiger Franz seit Dezember 2013 vier Einsätze geflogen – einer erfolgte vom neuen Standort ab Helgoland. Zuletzt wurde ein Patient mit einer Quetschverletzung an der Hand geborgen. Davor musste ein Patient mit Herzinfarkt-Symptomen via Seilwinde von einem Versorgungsschiff geborgen worden. Für das Team ist jeder Luftrettungs-Einsatz eine große Herausforderung, die neben hoher Fachkompetenz körperliche Leistungsfähigkeit erfordert, so Dr. Franz. Das Projekt „Windeacare“ sei eine wichtige Pionierarbeit zur Verbesserung der medizinischen Versorgung. Das Team werde optimal vorbereitet, so dass stets die Sicherheit im Vordergrund stehe.

Der Offshore-Helikopter ist über den Standard eines Notarztwagens hinaus mit allen medizinischen Gerätschaften ausgerüstet, die für Notfälle vom Beinbruch bis zum Herzinfarkt erforderlich sind, betont Dr. Franz: „Wir stellen damit sicher, dass die Therapie schon während des mitunter langen Transportwegs zur Klinik beginnen kann.“

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