Oldenburg - Aktuelle Studien verschiedener Fachgesellschaften gehen davon aus, dass es mehr als 20 000 verschiedene Auslöser für eine Allergie gibt. Mit der Atemwegs-, der Nahrungsmittel-, der Arzneimittel-, der Kontakt- sowie der Insektengiftallergie unterscheidet die Medizin im Wesentlichen fünf große Gruppen. Nach Angaben des Deutschen Allergiker- und Asthmabundes leidet in Deutschland allein 16 Prozent der Bevölkerung unter einem mehr oder weniger stark ausgeprägten Heuschnupfen, womit diese Allergieform mit Abstand am weitesten verbreitet ist.
Warum einige Menschen von einer Allergie betroffen sind, andere aber nicht, ist wissenschaftlich noch nicht abschließend geklärt. Sicher ist, dass neben der genetischen Disposition auch Umwelteinflüsse eine Rolle spielen. Wenn ein Elternteil betroffen ist, müssen die Kinder mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit damit rechnen, ebenfalls eine Allergie entwickeln zu können. Erste Symptome können in jedem Lebensalter auftreten. Ohne eine medizinische Behandlung treten die Beschwerden immer wieder auf, Sie können im Laufe des Lebens ab und an nachlassen, sich aber auch deutlich verschlimmern.
Sofort- oder Spättyp
Bei der allergischen Reaktion unterscheidet man sogenannte Soforttypallergien, die über IgE-Antikörper vermittelt werden und Spättypallergien, die über Th2-Botenstoffe übermittelt werden. Für die Entwicklung einer allergischen Reaktion muss zuvor ein allergologisches Gedächtnis angelegt werden. Das bedeutet, dass zunächst eine Sensibilisierungsphase die Voraussetzung für die allergische Reaktion ist. Bei dieser Sensibilisierungsphase bewertet der Körper ein eigentlich harmloses Antigen wie etwa eine Birkenpolle als Allergen. Dadurch wird eine immunologische Reaktion ausgelöst, bei der bei einer Soforttypallergie Antikörper vom Typ IgE gebildet werden. Die IgE-Antikörper setzen sich wiederum auf Rezeptoren an Mastzellen, die sich beim Menschen in den Atemwegen, der Haut und im Darm befinden.
Wenn es zu einem erneuten Antigenkontakt etwa mit Birkenpollen kommt, vernetzen sich die IgE-Antikörper auf den Mastzellen, die dann unter anderem den Botenstoff Histamin freisetzen. Als Folge der so ausgelösten Immunreaktion mit Histaminausschüttung kann es mitunter zu sehr unangenehmen Beschwerden kommen, erklärt Prof. Dr. Ulrike Raap, Direktorin der Universitätsklinik für Dermatologie und Allergologie im Klinikum Oldenburg: „Wenn der Körper harmlose Substanzen als Allergen bewertet, wird das Abwehrsystem mit voller Kraft mobilisiert.“
Atemwegsprobleme
Zu den unangenehmen Symptomen einer Allergie gehören entzündliche Reaktionen, die sich bei Allergikern beispielsweise mit geröteten Augen, Juckreiz in der Nase und den Augen, laufender Nase und tränenden Augen sowie Atemwegsproblemen bis hin zum Asthmaanfall bemerkbar machen können. Durch die lästigen Beschwerden kann es auch zu Konzentrations- und Schlafstörungen kommen. Allergie-Betroffene sind mitunter stark in ihrer Lebensqualität und Leistungsfähigkeit beeinträchtigt.
Der für den Heuschnupfen verantwortliche Pollenflug kann mit der Hasel bereits im Winter beginnen und setzt sich bis zum Ende der Vegetationsphase bis in den Herbst fort. Welche Pollen gerade unterwegs sind, hängt davon ab, welche Sträucher oder Bäume gerade blühen. Anders als bei als Allergie-Auslöser bekannten Lebensmitteln oder Medikamenten kann man sich nicht mit Vermeidungsstrategien vor der Aufnahme von Pollen schützen, betont Raap: „Die Pollen werden automatisch beim Einatmen aufgenommen.“
Wer zum Beispiel allergisch auf Birkenpollen reagiert, kann diese kaum meiden, wenn sie in der Luft umherfliegen. Da der Pollenflug in den frühen Morgenstunden am höchsten ist, sollten Betroffene nachts auf keinen Fall mit offenem Fenster schlafen.
Die mit einer Allergie verbundenen Beschwerden können meistens deutlich gelindert werden. Neben verschiedenen Antihistaminika, die als Augentropfen oder Tabletten verfügbar sind, können auch etwa als Atemspray erhältliche Glukokortikosteroide eingesetzt werden. Ziel der Behandlung ist eine Minderung der Entzündungsreaktionen, so dass die Beschwerden erträglicher werden oder im besten Fall für einige Zeit ganz verschwinden. Nach dem Absetzen der Medikamente muss man aber damit rechnen, dass sich die Beschwerden bei der nächsten Pollenflugsaison erneut einstellen.
Bislang ist die Allergen-spezifische Immuntherapie das einzige Therapieverfahren, das direkt bei der Ursache einer Allergie ansetzt. Dabei wird das Immunsystem durch die kontrollierte Gabe von Antigenen an die problematischen Allergene gewöhnt, erklärt Prof. Dr. Ulrike Raap: „Im Zuge der Behandlung wird eine Toleranz gegen die zuvor allergieauslösenden Stoffe erzeugt, so dass es nicht mehr zu den heftigen Reaktionen des Immunsystems kommt.“
