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NWZonline.de Ratgeber Gesundheit

Alzheimer: Wenn die Kontrolle verloren geht

16.10.2018

Oldenburg Nach aktuellen wissenschaftlichen Untersuchungen leben in Deutschland bis zu zwei Millionen Menschen mit einer mehr oder weniger stark fortgeschrittenen Demenz. Die Medizin geht davon aus, dass deutlich mehr als die Hälfte der Fälle Alzheimer bedingt sind. Da die Erkrankung größtenteils im höheren Alter auftritt, ist mit dem Anstieg des Durchschnittsalters der Gesellschaft in den nächsten Jahrzehnten auch mit einer erhöhten Alzheimer-Fallzahl zu rechnen. Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft berichtet, dass zwei Drittel der Betroffenen 80 Jahre und älter sind. Bei dem überwiegenden Teil beginnt die Erkrankung ab dem 65. Lebensjahr. Nur bei zwei Prozent entsteht sie in jüngeren Jahren.

Proteine bilden Plaques

Eine Demenz kann in zahlreichen unterschiedlichen Formen und Ausprägungen auftreten. Hauptursache für das Entstehen ist der fortschreitende unwiederbringliche Untergang von Nervenzellen und Nervenzellkontakten. Dafür verantwortlich sind unter anderem Beta-Amyloid Plaques, die ab einem bestimmten Alter vermehrt im Gehirn abgelagert sind. Warum es dazu in welcher Stärke kommt, ist wissenschaftlich noch nicht geklärt.

Sicher ist, dass die Plaques entstehen, wenn in der Zellwand eingelagerte Proteine chemisch falsch verarbeitet werden. „Dann können Teile dieser Proteine nicht mehr abgebaut werden und bilden die Plaques“, erklärt Prof. Dr. Helmut Hildebrandt, Neuropsychologe und Neurologe des Klinikums Bremen-Ost und Professor am Department für Psychologie an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg. Zudem lassen sich bei Alzheimer-Patienten vermehrt sogenannte Tau Proteine nachweisen: „Wenn dies der Fall ist, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass es zu einer klinischen Verschlechterung der Erkrankung kommt – auch wenn die Einschränkungen bis dahin noch sehr mild sind.“

Wie eine Alzheimer-Erkrankung verläuft, kann man nach dem Auftreten erster Symptome nie genau voraussagen. So gibt es Patienten, bei denen die Beschwerden innerhalb der ersten fünf bis zehn Jahre stabil bleiben. Meistens schreitet die Demenz allerdings schneller voran. Bei der etwas größeren Zahl der Betroffenen tritt innerhalb von fünf Jahren eine deutliche Verschlechterung der geistigen Leistungsfähigkeit ein, die später auch mit einem Kontrollverlust von Körperfunktionen verbunden ist. Zu welcher der beiden Gruppen der jeweilige Patient gehört, kann man wie bei vielen anderen neurologischen Erkrankungen bei der Diagnosestellung nicht sagen, berichtet Hildebrandt: „Man kann dann nur feststellen, dass es einen Verlauf geben, nicht aber wie schnell dieser sein wird.“

Erhöhte Vergesslichkeit

Je nach Art und Aggressivität der Erkrankung kann sich eine Demenz zu Beginn sehr unterschiedlich bemerkbar machen. Bei dem überwiegenden Teil der Erkrankten kommt es im Anfangsstadium vor allem zu einer Beeinträchtigung des Kurzzeitgedächtnisses. Dieser Vorbote einer Demenz macht sich insbesondere durch eine erhöhte Vergesslichkeit in Alltagssituationen bemerkbar. Betroffene finden ihren Hausschlüssel nicht wieder oder vergessen große Teile eines kurz zuvor geführten Gesprächs. Dazu kommen oft Schwierigkeiten, auf die richtigen Worte zu kommen oder sich an unbekannten Orten orientieren zu können. Wenn nicht sofort das passende Fremdwort parat ist oder Dinge kurzzeitig in Vergessenheit geraten, ist das längst nicht immer ein Anzeichen für eine Demenz. Falls die Probleme aber anhalten und immer schlimmer werden, ist eine medizinische Abklärung erforderlich.

Nicht selten wird dann eine leichte kognitive Störung festgestellt, was ein erhöhtes Risiko bedeutet, dass durch Progression eine Demenz entwickelt wird. Für das Erstellen eines Behandlungskonzepts ist dieser präklinische Zustand von erheblicher Bedeutung, betont Hildebrandt: „Zu diesem Zeitpunkt ist der Verlust von Nervenzellen noch einigermaßen gering. Jede spätere Intervention steht vor dem Problem, dass der Verlust der Nervenzellen nicht mehr rückgängig gemacht werden kann.“

Menschenmit einer leichtgradigen Demenz können ihren Alltag oft noch größtenteils selbst bewältigen. Allerdings sind sie vor allem in ungewohnten und komplexen Situationen auf Hilfe angewiesen, betont Prof. Helmut Hildebrandt: „Das kann zum Beispiel bei Banküberweisungen oder der Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln in neuen Umgebungen der Fall sein.“ Wichtig ist bei diesen Patienten, dass ihre kognitiven Fähigkeiten zwar eingeschränkt sind, aber noch für eine weitreichende Kontrolle über das eigene Leben ausreichen.

Anders ist das, wenn die Erkrankung weiter fortgeschritten ist. Wenn die Einschränkungen des Denkvermögens, des Gedächtnisses und der Orientierungsfähigkeit einen bestimmten Grad erreicht haben, ist eine selbstständige Lebensführung nicht mehr möglich. Die Grenzen zwischen den Demenzgraden verlaufen fließend. Bei einer mittelschweren Demenz ist der Betroffene zumeist bereits mit einfachen Verrichtungen überfordert. Neben dem Kurzzeit- lässt dann auch das Langzeitgedächtnis nach.

NWZonline.de/gesundheit
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