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NWZonline.de Ratgeber Gesundheit

Ein anderer Blick auf das Leben

12.06.2018

Oldenburg Ein Autismus kann in sehr unterschiedlichen Formen und Ausprägungen auftreten. Die Weltgesundheitsorganisation WHO zählt neben dem frühkindlichen und dem atypischen Autismus auch das Asperger-Syndrom zu den weit verbreiteten Störungen aus dem Autismus-Spektrum. Bei allen Formen handelt es sich um Besonderheiten der Informations- und Wahrnehmungsverarbeitung, „die sich auf die Entwicklung der sozialen Interaktion, der Kommunikation und des Verhaltensrepertoires auswirken“, so der Bundesverband zur Förderung von Menschen mit Autismus.

Symptome von Asperger-Syndrom

Konkret bedeutet das zum Beispiel, dass Menschen mit Autismus soziale und emotionale Signale nur schwer einschätzen und vermitteln können. Entsprechende Probleme können sich mehr oder weniger stark ausgeprägt sowohl in der Sprache wie auch im Verhalten bemerkbar machen. Menschen mit Autismus neigen zu stereotypen Wiederholungen bekannter Verhaltensmuster und entwickeln Handlungsrituale, die ihren Mitmenschen oft außerhalb verständlicher Normen erscheinen.

Änderungen abgelehnt

Vor allem mit Veränderungen in ihrem persönlichen Umfeld haben sie meistens große Probleme, berichtet Dr. Christian Figge, Direktor der Klinik für Allgemeinpsychiatrie und Psychotherapie in der Karl-Jaspers-Klinik Oldenburg: „Zum Beispiel können Autismus-betroffene Kinder schon auf die kleinste Abweichung vom gewohnten Schulweg oder Tagesrhythmus mit großer Ablehnung reagieren.“

Bei einem frühkindlichen Autismus können sich erste Anzeichen bereits vor dem dritten Lebensjahr zeigen – etwa in der Kommunikation, durch ein auffällig stereotypes Verhalten sowie beim Umgang mit Altersgenossen und anderen Kontaktpersonen.

Internationale wissenschaftliche Untersuchungen gehen davon aus, dass weltweit sechs bis sieben von 1000 Menschen mit einer Störung aus dem Autismus-Spektrum leben. Ein Drittel bis die Hälfte davon ist demnach vom Asperger-Syndrom betroffen, das sich in vielen – aber nicht in allen – Bereichen von den anderen Formen unterscheidet. Anders als bei einem frühkindlichen Autismus zeigen sich erste Symptome in der Regel erst nach dem dritten Lebensjahr. Bis dahin ist die Entwicklung insbesondere der sprachlichen und kommunikativen Fähigkeiten vergleichbar mit anderen Kindern.

Asperger-Autismus schränkt geistige Leistungen nicht ein.

Auch später weisen Asperger-Betroffene meistens keine Entwicklungsdefizite- oder Verzögerungen in der Sprache und bei den kognitiven Fähigkeiten auf, betont Dr. Figge: „Menschen mit dem Asperger-Syndrom verfügen im Gegenteil oftmals über eine überdurchschnittlich hohe Intelligenz. Mitunter sind sie in Teilbereichen besonders begabt und entwickeln dort außergewöhnliche Fähigkeiten.“ Asperger-Kinder verfügen häufig über eine ausgefeilte Sprache mit großem Wortschatz sowie einem bereits in jungen Jahren erstaunlich guten Vermögen, logische Zusammenhänge zu verstehen und auch eigene Ideen zu entwickeln.

Freundschaften möglich

Leichter wird das Leben dadurch für sie selbst – und auch für Kontaktpersonen – nicht. Erste Probleme tauchen oft während der Kindergarten- oder Vorschulzeit auf, weil Kinder mit dem Asperger-Syndrom mehr oder weniger große Schwierigkeiten mit sozialen Interaktionen haben. Weil sie Empfindungen anders wahrnehmen und zeigen, haben es Asperger-Betroffene meistens schwerer, Freundschaften zu entwickeln. Wenn dies gelungen ist, werden die Beziehungen aber oft mit großem Einsatz gepflegt und sind von langer Dauer.

Asperger? Test bringt Klarheit.

Dass sie anders sind, nehmen Menschen mit dem Asperger-Syndrom häufig schon seit der frühen Kindheit auch selbst wahr. Gleichwohl gelingt es ihnen in vielen Fällen, ein voll integriertes Leben zu führen, bei dem ihre psycho-sozialen Defizite kaum auffallen. Dafür ist allerdings ein aufwendiger Anpassungsprozess erforderlich, der Asperger-Betroffenen während ihres gesamten Lebens viel Energie kosten kann, betont Dr. Figge: „Ein Autismus bleibt für immer. Betroffene müssen lernen, damit zurechtzukommen.“

In der Schuleentwickeln Asperger-Betroffene oft Inselbegabungen für einzelne Interessengebiete, zeigen sich aber weniger interessiert für andere Themen. „Trotz ihrer normalen oder hohen Intelligenz sind Betroffene häufig schlechte Schüler“, berichtet Dr. Christian Figge. Typisch ist auch, dass sich Probleme mit der motorischen Koordination ergeben.

Regeln für das soziale Leben müssen Menschen mit dem Asperger-Syndrom mitunter ähnlich aufwendig lernen, wie andere eine Fremdsprache. Wie anstrengend das sein kann, zeige sich oft bei Schulkindern. so Dr. Figge: „Sie schaffen es, in der Schule ohne Auffälligkeiten zu funktionieren.“ Danach sind sie oft so erschöpft, dass sie mehrere Stunden Ruhezeit brauchen. Auf diese Erholungszeiten sind viele Betroffene lebenslang angewiesen.

Eltern sollten sich keine Vorwürfe machen, wenn Autismus bei ihrem Kind festgestellt wird. Denn heute ist in der Wissenschaft unbestritten, dass autistische Störungen nichts mit der Erziehung oder mangelnder Liebe der Eltern zu tun haben.

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