OLDENBURG - Der Erhalt der Selbstständigkeit und Mobilität ist nicht nur für ältere Menschen die Voraussetzung für ein aktives und zufriedenes Leben. Wer dank einer guten körperlichen und geistigen Fitness noch gut auf den Beinen ist, kann seinen Alltag auch im sehr hohen Alter weitgehend aus eigener Kraft bewältigen. Wenn man mit 90 Jahren und mehr selbst regelmäßig Einkaufen geht oder kleine Radtouren zu Familienmitgliedern oder Freunden unternimmt, können soziale Kontakte erhalten werden, die man ansonsten früher oder später verlieren würde.
Der Rückzug aufs heimische Sofa führt dagegen zu einem rapiden Verlust der körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit. Dazu kommt als weiterer Negativ-Faktor oft eine zunehmende Vereinsamung sowie damit verbundene psychische Probleme, betont Dr. Bernd Möhring, Chefarzt der Klinik für Orthopädie und Traumatologie im Reha-Zentrum Oldenburg:: „Wer sich nichts mehr zutraut, gerät schnell in einen Teufelskreis, der den Betroffenen in allen Bereichen immer schwächer macht.“
Folgen lange hinauszögern
Dazu kommt, dass es im Alter immer schwerer fällt, ein verloren gegangene Substanz wieder zurück zu gewinnen. Ein Grund ist, dass mit zunehmenden Jahren die Funktionsfähigkeit des Stoffwechsels nachlässt. Der Mensch hat seinen biologischen Höhepunkt bis Ende 20 erreicht. Anschließend nehmen die Muskel- und Knochenmasse kontinuierlich ab. Ab etwa dem 60. Lebensjahr verstärkt sich die natürliche Abwärtsentwicklung.
Allerdings kann man dem Verlust der Leistungsfähigkeit durch gezieltes Training entgegenwirken. So sind sportlich aktive 70-Jährige häufig fitter als manche Mittfünfziger, die nichts für ihren Körper tun, berichtet Dr. Möhring: „Durch gezieltes regelmäßiges Training wird zwar niemand jünger. Die körperlichen Folgen des Alterungsprozesses kann man damit aber mitunter sehr lange hinauszögern.“
Der Erhalt der Muskelkraft ist im Alter nicht nur für die Fortbewegung und die Verrichtungen des Alltags wichtig. Auch das Herz-/Kreislaufsystem braucht ein dosiertes Ausdauertraining, um möglichst lange belastbar zu bleiben. Selbst Patienten mit einer Herzschwäche oder nach einem Infarkt brauchen regelmäßiges Training. Denn ein ohnehin geschwächtes Herz wird ohne körperliche Beanspruchung noch schwächer, so Dr. Möhring: „Regelmäßige körperliche Aktivität steigert die Herzmuskelleistung und die Durchblutung, so dass sich die Belastbarkeit immer weiter verbessert.“ Die Leistungsintensität sollten Patienten aber immer mit ihrem Kardiologen absprechen.
Das Training fördert im Alter neben dem Erhalt und Aufbau von Muskelmasse insbesondere die Beweglichkeit und Koordinationsfähigkeit. Starke Muskeln und gute Reflexe sorgen für einen stabilen Halte-Apparat und bieten damit auch einen besseren Schutz vor Stürzen, die gerade bei älteren Menschen zu einem dauerhaften Verlust der Mobilität führen können.
Aqua-Training sinnvoll
Patienten mit Gelenkerkrankungen wie etwa Arthrose profitieren erheblich von gut durchtrainierten Muskeln, weil diese die Stabilität unterstützen und die degenerierten Gelenkflächen entlasten. Auch für Patienten mit einer Osteoporose ist eine Bewegungstherapie – am besten in der frischen Luft – sehr wichtig.
Als besonders gut geeignete Übungen nennt Dr. Möhring zum Beispiel Aqua-Training in einer Gruppe mit Gleichaltrigen. „Wichtig ist dabei, dass man andere Bewegungen ausführt als etwa bei der Haus- oder Gartenarbeit gewohnt. Denn dann werden auch Muskelgruppen trainiert, die ansonsten kaum beansprucht werden.“
Das Training im Bewegungsbad habe den großen Vorteil, dass alle Muskelgruppen unter erleichterten Bedingungen beansprucht werden. Im Wasser spiele das Körpergewicht bei gymnastischen Übungen zum Dehnen und Strecken oder beim Power-Walking zur Verbesserung der Ausdauer eine deutlich geringere Rolle als in der Sporthalle. Auch die von vielen älteren Menschen gefürchtete Verletzungsgefahr durch einem Sturz gebe es nicht, so Dr. Möhring: „Mit Aqua-Training unter qualifizierter Anleitung lässt sich auf schonende Weise ein guter Trainingseffekt erzielen.“
Dosierte sportliche
Aktivität ist auch nach einer schweren Erkrankung oder Verletzung erforderlich, um den Organismus wieder auf Trab zu bringen. Das Training muss dann in Absprache mit dem Arzt der Art und Ausprägung der körperlichen Einschränkung angepasst werden. Einen sanften Beginn ermöglichen zum Beispiel Übungen mit dem flexiblen Terra-Band, die auch im Sitzen durchgeführt werden können. Wer sich leistungsfähiger fühlt, sollte im Alter vor allem Ausdauersportarten wie Schwimmen oder Radfahren auswählen.Das Training an Geräten ist auch bei älteren Menschen besonders effektiv und gelenkschonend. Dabei kann Koordinationstraining leicht integriert werden, betont Dr. Bernd Möhring. Doch auch gegen Tennis oder Golf in Maßen sei nichts einzuwenden, wenn man seit vielen Jahren daran gewöhnt ist und keine Begleiterkrankungen dagegen sprechen. Zwei bis drei Mal Sport pro Woche ermögliche bereits einen guten Trainingseffekt, so Dr. Möhring: „Am besten sollte man das machen, was am meisten Spaß bringt.“
