OLDENBURG - Mit vermutlich mehr als 25 Millionen Betroffenen zählt Bluthochdruck zu den häufigsten Erkrankungen in Deutschland. Das Erkrankungsrisiko steigt mit dem Alter deutlich an. Ab 60 sind nach Schätzungen der Deutschen Hochdruckliga mindestens 40 Prozent der Frauen und Männer betroffen. Doch auch bei Erwachsenen in jüngeren Jahren ist der medizinisch als Hypertonie bezeichnete Bluthochdruck eine weit verbreitete, besonders tückische Volkskrankheit, erklärt Dr. Hans-Robert Kertelge, Leitender Arzt für Allgemeine Innere Medizin, Nieren- und Hochdruckkrankheiten im Klinikum Oldenburg. „Weil ein Bluthochdruck keine Beschwerden verursacht, bleibt er oft lange Zeit unerkannt, richtet aber schwerwiegende Schäden am Herzen und im Gefäßsystem an.“ Die Folge kann im schlimmsten Fall ein Schlaganfall oder Herzinfarkt wie aus heiterem Himmel sein. Bluthochdruck ist nach aktuellen Schätzungen die Ursache von bundesweit etwa 400 000 Todesfällen pro Jahr.
Werte im Auge behalten
Damit es erst gar nicht zum gesundheitlichen Super-Gau kommt, empfiehlt die Deutsche Hochdruckliga auch jüngeren Menschen, ihren Blutdruck im Auge zu behalten. Einen Überblick über Präventions- und Therapiemöglichkeiten sowie Risikofaktoren bietet auch das Klinikum Oldenburg anlässlich des Welt-Hypertonie-Tages 2011, der am 17. Mai unter dem Motto „Lebenswichtig ist nur eine Zahl: 140/90. Höher darf Ihr Blutdruck nicht sein“ steht. Von 9 bis 16 Uhr werden dann im Klinikum-Foyer unter anderem Geräte zur Blutdruckkontrolle vorgestellt sowie Ernährungsberaterinnen und Selbsthilfegruppen dabei sein. Zudem wird es ab 19 Uhr einen Ärztevortrag über die Erfolgschancen blutdrucksenkender Behandlungsmöglichkeiten geben.
Seinen Blutdruck kann man mit wenigen geübten Handgriffen leicht und in kurzer Zeit zu Hause messen. Entscheidend ist dabei der obere (systolische) und der untere (diastolische) Wert. Zusammen genommen ermittelt man damit den Druck, den das vom Herz in den Organismus gepumpte Blut auf die Gefäßinnenwände ausübt. Der obere Messwert beschreibt den Druck, der unmittelbar nach dem Herzschlag entsteht. Der untere Wert entspricht dem Zeitpunkt, in dem sich das Herz wieder entspannt – der Pumpdruck auf die Gefäßinnenwände also am geringsten ist.
Anders als noch vor 20 Jahren geht man in der Medizin heute davon aus, dass ein erhöhter diastolischer Wert von mehr als 90 genau so gefährlich ist wie ein systolischer Wert über 140mmHG, was so viel bedeutet wie Millimeter auf der Quecksilbersäule: „Ein zu hoher Druck ist auf jeden Fall schädlich für das Gefäßsystem“, betont Dr. Kertelge. Eine Behandlung für eine dauerhafte Blutdrucksenkung sei erforderlich, wenn der Wert über 140/90 ansteige. Ansonsten sorgt der Dauerdruck in den Gefäßinnenwänden der Arterien dafür, dass die Gefäße immer enger und brüchiger werden. Die Folge ist eine dauerhafte Überbelastung des Herzens und eine Mangelversorgung des Gehirns sowie weiterer lebenswichtiger Organe wie etwa der Nieren. „Eine nicht oder unzureichend behandelte Hypertonie ist wie eine schleichende Gefahr im Körper“, so Dr. Kertelge. Zu den Folgen können Schlaganfall, Herzinfarkt oder auch ein Nierenversagen zählen.
Gründe oft noch unbekannt
Bei etwa 90 Prozent der Hypertonie-Patienten sind die Mechanismen der Hochdruckentstehung nicht bekannt, wobei sich die Erkrankungswahrscheinlichkeit durch Risikofaktoren wie Übergewicht und Bewegungsmangel sowie einer Diabetes- oder Herzerkrankung erhöht. Vor allem der obere Blutdruckwert steigt dessen ungeachtet mit zunehmendem Alter an. Bei etwa zehn Prozent der Betroffenen liegt eine sekundäre Hypertonie vor, die meistens durch erworbene Organerkrankungen des Herzens, der Nieren oder der Drüsen verursacht wird.
Wenn erst einmal ein chronischer Bluthochdruck vorliegt, ist in der Regel eine lebenslange Behandlung mit täglichen Eigenmessungen, einer vom Arzt verordneten Medikation sowie eine Umstellung der Lebensweise nötig. In leichteren Fällen kann man den zu hohen Blutdruck mitunter schon durch mehr Bewegung und weniger Übergewicht so weit zurückführen, dass der Patient die Dosis der Medikamente erheblich reduzieren oder sogar ganz darauf verzichten kann.
Diabetes
oder eine chronische Organerkrankung wie etwa eine Nierenschwäche führen dazu, dass der tolerierbare Wert für Bluthochdruck von 140/90 auf 130/80 zurückgeht. Eine konsequente medikamentöse Therapie mit blutdrucksenkenden Medikamenten wie sogenannten ACE-Hemmern, Beta-Blockern und Kalzium-Antagonisten ist selbst in einem fortgeschrittenen Alter sinnvoll, betont Dr. Hans-Robert Kertelge: „Aktuelle Studien in den USA haben gezeigt, dass die Schlaganfallhäufigkeit dadurch auch bei über 80-Jährigen deutlich zurückgeht.“Neben Stress, Übergewicht, Bewegungsmangel und Rauchen zählt auch übermäßiger Alkoholgenuss zu den Risikofaktoren für Bluthochdruck. Eine Liste mit geeigneten Messgeräten und Ansprechpartnern in der Region hat die Deutsche Hochdruckliga (DHL) – Deutsche Gesellschaft für Hypertonie und Prävention zusammengestellt. Für den Welt-Hypertonie-Tag am 17. Mai unterstützt die DHL mit Sitz in Heidelberg bundesweit zahlreiche Aktionen
