Oldenburg - Morbus Crohn und Colitis ulcerosa sind mit bundesweit jeweils etwa 150 000 Betroffenen die mit Abstand häufigsten chronisch entzündlichen Darmerkrankungen. Zusätzlich gibt es zahlreiche weitere Erkrankungsarten, die deutlich seltener diagnostiziert werden. Fachgesellschaften gehen davon aus, dass in Deutschland insgesamt bis zu 470 000 Menschen wegen einer CED behandelt werden, wobei Frauen und Männer in etwa gleich häufig betroffen sind. Erste Symptome treten besonders oft zwischen dem 15. und 35. Lebensjahr auf. Die Erkrankung kann aber auch schon im Kindesalter oder in einem höheren Lebensalter beginnen.
„Sowohl beim Morbus Crohn als auch bei der Colitis ulcerosa handelt es sich um eine Erkrankung der Darmschleimhaut, die ohne eine qualifizierte ärztliche Behandlung zu schwerwiegenden Beschwerden und Komplikationen führen kann“, erklärt der Gastroenterologe und Facharzt für Innere Medizin Dr. Martin Schmidt-Lauber aus der Gemeinschaftspraxis Gastroenterologie Oldenburg.
Ein Morbus Crohn tritt am häufigsten in dem Bereich auf, in dem der Dünn- in den Dickdarm übergeht, kann sich von der Mundhöhle bis zum After aber im gesamten Verdauungstrakt ausbreiten. Je nach Verlauf der Erkrankung können einzelne oder mehrere Abschnitte des Verdauungstrakts betroffen sein. Bei der Colitis ulcerosa ist nur der Dickdarm betroffen.
Rauchen ist Risikofaktor
Warum die Erkrankungen entstehen, ist von der Wissenschaft noch nicht vollständig geklärt. Sicher ist, dass neben der genetischen Disposition verschiedene Umweltfaktoren wie vor allem Rauchen eine Rolle spielen. Wenn ein Familienmitglied zum Beispiel an Morbus Crohn erkrankt ist, müssen die Verwandten mit einem zehnfach erhöhten Erkrankungsrisiko rechnen.
Eine CED ist eine immunassoziierte Erkrankung, bei der Umweltfaktoren und eine genetische Veranlagung zu beachten sind. Die damit verbundenen Beschwerden entstehen als Folge einer Überreaktion des körpereigenen Immunsystems, durch die schmerzhafte Reizungen und Entzündungen entstehen können. Im Verlauf der Erkrankung kann es zu sehr unangenehmen Begleiterscheinungen wie Fissuren, Fisteln und Abszessen kommen. In besonders schlimmen Fällen entsteht eine Darmverengung oder sogar ein akut lebensbedrohlicher Darmverschluss.
Bei rund 30 bis 40 Prozent der Patienten tritt im Verlauf der Erkrankung auch eine extraintestinale Manifestation auf, die beispielsweise mit Rheuma-ähnlichen Entzündungen der Augen, der Haut und der Gelenke verbunden ist. „In diesen Fällen ist es oft sinnvoll, die Behandlung mit einem Rheumatologen abzustimmen“, so Dr. Schmidt-Lauber. Wenn der Dickdarm betroffen ist, leben Menschen mit einer CED zudem mit einem erhöhten Risiko für Darmkrebs.
Durchfall und Fieber
Zu den typischen ersten CED-Anzeichen zählen vor allem immer wiederkehrende Bauchschmerzen, schleimiger Durchfall und oft auch Fieber. Betroffene fühlen sich häufig abgeschlagen und wenig leistungsfähig. Der Erkrankungsverlauf ist sehr unterschiedlich. Auf eine Ruhephase können mitunter heftige Schübe folgen. Viele Patienten leiden permanent unter mehr oder weniger starken Beschwerden, für die sie oft keine Erklärung finden, weil die Probleme lange Zeit hingenommen werden oder die Ursachen nicht hinreichend aufgeklärt worden sind.
Eine chronisch entzündliche Darmerkrankung ist zwar nicht heilbar. Der größte Teil der Patienten kann bei einer guten ärztlichen Begleitung und einer wirksamen medikamentösen Therapie aber eine gute Lebensqualität sowie eine normale Lebenserwartung erzielen. Ein Großteil der Betroffenen lebt zeitweise weitgehend beschwerdefrei. Bei etwa 20 Prozent treten permanent Probleme auf. Bei einem schweren Verlauf kann eine Operation erforderlich sein, um einen durch Entzündungen geschädigten Darmabschnitt als Problemmacher beseitigen zu können. Leider gibt es aber auch einen kleinen Teil von Patienten, bei denen keine Therapie wirklich gut anschlägt.
Eine chronisch entzündliche Darmerkrankung verläuft oft lange Zeit unerkannt, weil die damit verbundenen Beschwerden auch viele andere Ursachen haben können und der Verdacht zunächst auf andere Erkrankungen fällt. Bei entsprechenden Symptomen führt der erste Weg in der Regel zum Hausarzt, der den Patienten bei Anzeichen für eine CED an einen mit speziellem Know-how und medizinischen Geräten ausgestatteten Gastroenterologen überweisen sollte. Dort kann zur Aufklärung neben einer sorgfältigen Anamnese und körperlichen Untersuchung eine Blut- und Stuhluntersuchung durchgeführt werden. Im Rahmen der weiteren Diagnostik sind eine Ultraschalluntersuchung und eine Darmspiegelung nötig.
Für die Darmspiegelung wird der Patient meistens mit einer Schlafspritze versorgt, so dass er von dem rund 20 Minuten dauernden Eingriff nichts mitbekommt. Nach einer kurzen Erholung kann der Patient in der Regel nach 60 bis 90 Minuten wieder nach Hause gehen. Bei rund 90 Prozent der Patienten ist nach wenigen Tagen eine sichere Diagnose möglich.
