Oldenburg - Aktuelle Zahlen der Deutschen Krebsgesellschaft zeigen, dass bundesweit pro Jahr mehr als 53 000 Menschen an Lungenkrebs erkranken – mit steigender Tendenz. Bösartige Geschwulste im Lungengewebe sind bei Männern die häufigste und bei Frauen die dritthäufigste Krebserkrankung, die zum Tod führt. Das Risiko einer Neuerkrankung steigt ab dem 35. Lebensjahr kontinuierlich an. Bei Männern liegt die Altersgruppe zwischen 80 und 84 Jahren an der Spitze. Bei Frauen ist die Gruppe zwischen 65 und 74 am häufigsten betroffen. Rauchen ist nach Erkenntnissen der Wissenschaft eindeutig der Hauptgrund für das Entstehen der Erkrankung.
Weil Lungenkrebs nur selten früh erkannt und behandelt wird, ist die Prognose für eine langfristig erfolgreiche Behandlung trotz stetig weiterentwickelter Medikamente und Therapien nach wie vor vergleichsweise schlecht. Die Fünf-Jahres-Überlebensrate beträgt nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) durchschnittlich nur rund 20 Prozent. Lungenkrebs ist damit weltweit die Tumorerkrankung, die am häufigsten tödlich verläuft.
Keine reguläre Vorsorge
Das Tückische an einem Lungenkrebs ist, dass er in der Regel erst dann Beschwerden verursacht, wenn er gestreut hat – etwa in die Lymphknoten oder andere Organe wie Knochen, Leber und das Gehirn. Dessen ungeachtet, gibt es beim Lungenkrebs anders als bei anderen Krebsarten bislang keine regulären Vorsorgeuntersuchungen, die ein zuverlässiges Ergebnis bieten können. Wesentlicher Grund ist, dass sich etwa bei der Früherkennung von Brust- oder Darmkrebs gängige Verfahren bei der Suche nach Anzeichen für einen Lungenkrebs nicht bewährt haben.
Ein gezieltes Screening mittels Computertomografie könnte die Situation nach Einschätzung von Fachleuten deutlich verbessern. Hoffnung macht etwa die sogenannte Nelson-Studie mit mehr als 17 500 Teilnehmern aus Belgien und den Niederlanden, die allesamt ein erhöhtes Risiko für Lungenkrebs aufwiesen. Eine Gruppe wurde innerhalb von fünfeinhalb Jahren in regelmäßigen Abständen zu CT-Untersuchungen eingeladen. Die andere Studiengruppe erhielt kein Screening.
Ein wesentliches Ergebnis der im September 2018 in Toronto vorgestellten Studie ist, dass mit den Screening-Untersuchungen nahezu 70 Prozent der Lungenkrebsfälle in einem frühen Stadium entdeckt werden konnten, während in der Kontrollgruppe nur etwas mehr als 20 Prozent in diesem Stadium diagnostiziert wurden. Im Vergleich mit der Versuchsgruppe ohne Früherkennung lag die Todesrate bei der Screening-Studiengruppe nach zehn Jahren Beobachtung deutlich niedriger – bei Männern um rund 26 Prozent, bei Frauen sogar um etwa 50 Prozent.
Veränderungen erkennen
„Mit dem CT-Screening lassen sich schon kleinste verdächtige Veränderungen im Lungengewebe auf dem Computerbildschirm erkennen, sodass man dem Krebs in sehr frühen Stadien verlässlich auf die Spur kommen kann“, betont Prof. Dr. Frank Griesinger, Direktor der Universitätsklinik für Innere Medizin – Onkologie im Pius-Hospital Oldenburg. Für die Betroffenen sei eine damit wahrscheinlichere frühe Diagnose und Behandlung in vielen Fällen (lebens)-entscheidend. Werde die Erkrankung frühzeitig und ohne Metastasen entdeckt, bestehe eine hohe Chance auf Heilung. Bei einem Lungenkrebs mit Organmetastasen sei das hingegen in der Regel nicht erreichbar.
Von der neuen Früherkennungsuntersuchung können nach Einschätzung von medizinischen Fachleuten vor allem Risikopatienten wie Raucher oder Ex-Raucher profitieren, die viele Jahre Nikotin konsumiert haben. Derzeit wird das Verfahren des Low- Dose-CT-Screenings in den Fachgesellschaften diskutiert. Für eine endgültige Bewertung sei allerdings die Vollpublikation der Studie nötig.
