Oldenburg - Ein mit mehr als 250 Besuchern fast komplett gefüllter Saal, Referenten mit neuesten Informationen aus Praxis und Wissenschaft sowie zahlreiche stets sachliche Fragen aus dem Publikum: Das 57. Gesundheitsforum der Ärztekammer Niedersachsen (ÄKN) und der Nordwest Zeitung zum Thema Tinnitus brachte für viele Betroffene und ihre Angehörigen neue Erkenntnisse. „Endlich werden wir ernst genommen“, betonten einige Teilnehmer, die sich im PFL nach der gut zweistündigen Veranstaltung zu einem kurzen Erfahrungsaustausch zusammengefunden hatten.
Als Moderator hatte der neue Vorstandsvorsitzende der ÄKN-Bezirksstelle Oldenburg, Prof. Dr. Djordje Lazovic, die Referenten „als Idealbesetzung“ vorgestellt. Mit den Fachärzten Prof. Dr. Andreas Radeloff und Prof. Dr. Rene Hurlemann habe man zwei in der Region aktive Fachleute gewonnen, die in der Tinnitus-Behandlung- und Forschung weit über Oldenburg hinaus anerkannt seien. Beide Referenten berichteten, dass sie selbst seit vielen Jahren mit einem Tinnitus leben.
Prof. Radeloff erklärte, dass die Medizin unter einem objektiven und dem deutlich häufigeren subjektiven Tinnitus unterscheidet, bei dem die Ohrgeräusche nur von dem Betroffenen wahrgenommen werden. Wenn das dauernde Fiepen oder Brummen im Ohr drei Monate oder länger anhält, liege ein chronischer Verlauf vor, der dann in der Regel ein lebenslanger Begleiter des Tinnitus-Betroffenen bleibt.
Verdacht zeitnah klären
Warum ein Tinnitus entsteht, ist in der Wissenschaft noch nicht geklärt. Als mögliche Auslöser gelten vor allem eine hohe Lärmbelastung, negativer Stress und psychische Probleme. Da auch verschiedene Ohrerkrankungen und Fehlstellungen des Kiefergelenks sehr unangenehme Begleitgeräusche verursachen können, müsse im Verdachtsfall zeitnah abgeklärt werden ob es sich wirklich um einen Tinnitus handelt.
Sobald die Diagnose klar sei, gebe es für Betroffene eine gute und eine weniger gute Nachricht. Einerseits müsse man mit einem chronischen Tinnitus für immer leben, betonte Prof. Radeloff: „Andererseits gibt es sehr gute Therapiemöglichkeiten, mit denen sich die Belastung deutlich reduzieren lässt.“
Dass ein Tinnitus und eine Depression häufig miteinander korrespondieren, erklärte Prof. Hurlemann. „Bei diesen Erkrankungen ist es oft so wie bei der Henne und dem Ei. Man weiß nicht, was zuerst da war.“ Sicher ist, dass viele psychisch kranke Menschen auch einen Tinnitus entwickeln. Zugleich erkranke ein Großteil der Tinnitus-Betroffenen früher oder später auch an einer Depression. Aktuelle Studien gehen hier von einem Anteil von bis zu 30 Prozent aus.
Psychische Faktoren
Bei der Behandlung einer Depression stehe auch bei Menschen mit einem Tinnitus zunächst im Fokus, Risikofaktoren wie Ängste oder Stress zu erkennen. Darauf basierend könne man den meisten Patienten mit einer psychotherapeutischen Behandlung helfen, betont Prof. Hurlemann: „Oft gelingt es, die Depression für lange Zeit oder sogar für immer zu überwinden.“
