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Diabetisches Fußsyndrom Genau auf Warnzeichen achten

Klaus Hilkmann

OLDENBURG - Vor allem langjährige Diabetes-Patienten müssen früher oder später damit rechnen, dass sich Folgeerkrankungen einstellen, die auch zu Fuß-Problemen mit chronischen Verletzungen, Wunden und eitrigen Geschwüren führen. Trotz stetig verbesserter Behandlungsmöglichkeiten droht Betroffenen auch heute noch im schlimmsten Fall die Amputation eines Teils oder des gesamten Fußes inklusive des Unterschenkels. Von den rund 60 000 Amputationen, die in Deutschland pro Jahr vorgenommen werden müssen, entfallen etwa zwei Drittel auf Diabetiker.

Oft kein Funktionsverlust

Erschreckend ist daran auch, dass die absoluten Zahlen trotz des medizinischen Fortschritts kaum zurückgehen. „Der Grund ist, dass die Zahl der Diabetes-Erkrankungen insgesamt dramatisch ansteigt“, betont Dr. Peter Troschel, Oberarzt in der Klinik für Gastroenterologie, Diabetologie und Infektionskrankheiten sowie Leiter der Diabetologischen Fußambulanz im Klinikum Oldenburg. Positiv sei immerhin, dass man das Ausmaß der notwendigen Amputation immer häufiger so gut begrenzen kann, dass damit kein Funktionsverlust verbunden ist: „Wenn man zum Beispiel nur den kleinen Zeh abnehmen muss, kann man den Fuß auch danach noch weitgehend normal nutzen.“

Damit es dazu erst gar nicht kommt, sollten Diabetiker genau auf typische Warnzeichen achten. Vor allem, wenn das Schmerzempfinden in den Füßen nachlässt und etwa in Folge zu knapp bemessener Schuhe immer wieder Druckstellen oder kleine Wunden entstehen, sollte man Hilfe beim Hausarzt oder Diabetologen suchen. Wenn sich erst einmal größere Geschwüre oder entzündete Wunden gebildet haben, besteht umgehender Handlungsbedarf. Wichtig ist dann eine regelmäßige medizinische Behandlung, die nach einer Überweisung durch einen Diabetologen etwa in der Diabetologischen Fußambulanz des Klinikums Oldenburg erfolgen kann.

Unterschätzen sollte man das Problem nicht, betont Dr. Troschel: „Umso länger man ohne eine qualifizierte Versorgung lebt, desto größer ist die Gefahr, dass die offene Wunde gar nicht mehr von selbst heilt und durch gefährliche Keime infiziert wird.“ Genau das führt in vielen Fällen zu einer lebensgefährlichen Kettenreaktion, wenn die Körper eigene Abwehr nicht mehr mit den aggressiven Eindringlingen zurecht kommt.

Darüber hinaus kann eine gar nicht oder unzureichend behandelte Wund-Entzündung dafür sorgen, dass die umliegenden Weichteile nach und nach irreparabel absterben. Wenn dann die Versorgung des entsprechenden Fußteils mit lebenswichtigem Sauerstoff und Nährstoffen nicht mehr möglich ist, kann man dem Patienten oft nur noch mit einer Amputation helfen, damit sich die Selbstzerstörung nicht noch auf andere Regionen des Körpers ausweitet.

Gefährliche Spätfolgen

Das auch als diabetisches Fußsyndrom bezeichnete Problem entsteht bei Diabetes-Patienten meistens durch das Zusammenspiel von zwei gefährlichen Spätfolgen der Erkrankung. Zum einen ist das ein auch als Polyneuropathie bekanntes Nervenleiden, das unter anderem zu einem Verlust des Wahrnehmungsgefühls und damit auch des Schmerzempfindens in den Füßen sorgt. Als weiteres Problem kommen oft Durchblutungsstörungen hinzu, die in den Füßen besonders schwer behandelbar sind, weil dort vergleichsweise kleine Gefäße verlaufen, die schneller drastisch geschädigt werden als größere Leitungssysteme.

Auch bei medizinisch gut eingestellten Diabetes-Patienten sollte ein genauer Blick auf die Füße ein fester Bestandteil der regelmäßigen Routine-Untersuchungen beim Hausarzt oder Diabetologen sein. Falls sich dabei und bei weiteren Untersuchungen der Verdacht auf ein diabetisches Fußsyndrom bestätigt, ist der Betroffene als Erstes selbst gefordert, so Dr. Troschel: „Man muss dann im Alltag für seine Füße mitdenken und möglichst alles vermeiden, was schädlich sein könnte.“ Noch wichtiger als bei anderen Diabetes-Patienten ist bei Menschen mit einem diabetischen Fußsyndrom, dass sie aufs Rauchen verzichten, hohes Übergewicht abbauen und bestimmte Vorsichtsregeln beachten..

Eine wichtige

Vorsichtsmaßnahme ist für Patienten mit einem diabetischen Fußsyndrom zum Beispiel der Verzicht aufs Spazierengehen ohne schützendes Schuhwerk. Bei der Wahl der Schuhe sollten Betroffene unter anderem auf weiches, nicht drückendes Material sowie eine großzügig bemessene Passform und polsternde Einlagen achten, die sich der Form des Fußes möglichst gut anpassen. Helfen kann hier ein orthopädischer Schuhmacher, der Maßschuhe anfertigen kann. Gut tun den Füßen zudem die Behandlung von Hornschwielen oder Nägeln bei einem Podologen, betont Dr. Peter Troschel: „All das trägt dazu bei, dass erst gar keine Wunden entstehen oder rasch zum Heilen gebracht werden.“

Durch konsequente tägliche Fußpflege sowie dem Beachten wichtiger Vorsichtsmaßnahmen haben Patienten mit einem diabetischen Fußsyndrom in der Regel gute Chancen, dass die Füße für lange Zeit – oft sogar dauerhaft – erhalten bleiben können, so Dr. Troschel: „Schon wenige Minuten Pflege pro Tag zahlen sich langfristig für die Füße aus.“

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