Oldenburg - Im höheren Alter nimmt das Risiko deutlich zu, dass gleichzeitig mehrere chronische Erkrankungen auftreten. Aus einer dann vorliegenden Multimorbidität resultiert häufig eine Polypharmazie, bei der die Betroffenen für längere Zeit oder dauerhaft auf unterschiedliche Medikamente angewiesen sind. Aktuelle Studien zeigen, dass in Deutschland mehr als die Hälfte aller Frauen und Männer über 70 Jahre mindestens fünf verschiedene ärztlich verordnete Medikamente pro Tag einnehmen.
Die auch als Pharmakotherapie bezeichnete medikamentöse Behandlung mehrerer Erkrankungen wird als Teil einer zumeist ambulanten konservativen Therapie in fast allen medizinischen Fachgebieten eingesetzt – etwa in der Krebstherapie auch als Ergänzung zu invasiven und operativen Maßnahmen. Welche Wirkstoffe vom Haus- oder Facharzt verordnet werden, hängt abgesehen von der Erkrankung davon ab, wie gut das Medikament im Einzelfall wirkt und ob die Einnahme gesundheitlich relevante Nebenwirkungen verursacht.
Welches Medikament geeignet ist und wie es dosiert werden muss, entscheidet der behandelnde Arzt gestützt auf den Befund und die dazu passenden wissenschaftlichen Erfahrungswerte. Da jeder Patient anders ist und entsprechend unterschiedlich auf Wirkstoffe reagiert, reicht das allein nicht aus. Vielmehr muss die Wirksamkeit und Verträglichkeit der Medikation gerade zu Beginn der Behandlung immer wieder kontrolliert und wenn nötig verändert werden.
Schlechtere Wirkung
Das gilt auch dann, wenn die zu Haus durchgeführte Medikation scheinbar problemlos funktioniert. „Ansonsten besteht die Gefahr, dass die Wirkung nachlässt und das Risiko für gefährliche Nebenwirkungen steigt – nicht selten ohne dass der Patient etwas davon bemerkt“, betont Prof. Dr. Bernhard Rauch, Direktor der Abteilung für Pharmakologie und Toxikologie im Department für Humanmedizin der Universität Oldenburg.
Wichtig ist, dass der ärztlich verordnete Medikationsplan konsequent eingehalten wird. Eigenmächtige Veränderungen sind wie ein Spiel mit dem Feuer. So kann sich eine mit falsch ausgewählten bzw. dosierten Medikamenten behandelte Erkrankung schleichend verschlimmern und im schlimmsten Fall in einen lebensbedrohlichen Akut-Vorfall wie einen Herzinfarkt oder Schlaganfall münden.
Besondere Vorsicht gilt, wenn in Folge einer Multimorbidität mehrere Erkrankungen gleichzeitig behandelt werden müssen. So kann die Interaktion der Medikamente dazu führen, dass ihre Wirkung eingeschränkt wird und Nebenwirkungen auftreten, die es ohne die Wechselwirkung nicht geben würde.
Unwohlsein und Übelkeit
Dazu kann es kommen, wenn im Zuge der Verstoffwechselung in der Leber oder Niere körpereigene Prozesse ausgelöst werden, die die medikamentöse Wirkung zum Teil oder ganz aufheben. Anzeichen für negative Wechselwirkungen können neben einem leichten vorübergehenden Unwohlsein oder Veränderungen der Blutdruck- und Blutzuckerwerte unter anderem ein wiederkehrendes Schwindelgefühlt sowie starke Übelkeit mit Erbrechen sein.
„Wenn sich unangenehme Veränderungen einstellen, ist immer eine ärztliche Abklärung erforderlich“, betont Prof. Rauch. Angst vor einem Arztbesuch müsse man nicht haben. Oft reiche schon eine Modifikation der Medikation aus, damit die Beschwerden weitgehend verschwinden.
