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NWZonline.de Ratgeber Gesundheit

Auf den Notfall vorbereitet sein

14.11.2017

Oldenburg Herz-Kreislauferkrankungen sind in Deutschland noch vor Krebs die Todesursache Nummer 1. Nach Angaben des Robert- Koch-Instituts (RKI) sind rund 40 Prozent aller Todesfälle die Folge einer koronaren Herzerkrankung, eines Herzinfarkts oder eines Schlaganfalls. Ältere Menschen sind überdurchschnittlich oft betroffen, weil das Risiko für einen entsprechenden Akut-Vorfall mit zunehmendem Alter deutlich ansteigt. Wissenschaftliche Studien zeigen, dass das Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko zwischen 70 und 79 Jahren durchschnittlich mindestens dreimal so hoch ist wie bei 20 Jahre jüngeren Frauen und Männern.

Akute Lebensgefahr

Noch dramatischer sind die Zahlen bei der koronaren Herzkrankheit. Hier steigt die Erkrankungswahrscheinlichkeit innerhalb des genannten Vergleichszeitraums laut RKI um mehr als das Vierfache an. Darüber hinaus kommt es im Alter vor allem bei starkem Übergewicht und Bewegungsmangel vermehrt zu diabetischen Entgleisungen, die oft ebenfalls mit einer akuten Lebensgefahr verbunden sind. Nicht zuletzt leben ältere Menschen aufgrund der im Zuge des natürlichen Alterungsprozesses nachlassenden Stärke des Muskel- und Skelettsystems mit einem erhöhten Verletzungsrisiko durch unkontrollierte Stürze.

„Für ältere Menschen gehört ein erhöhtes Notfallrisiko zum Lebensalltag. Sie sollten daher so gut wie möglich darauf vorbereitet sein“, betont Roland Mersch, Dozent in der Erwachsenenbildung im Klinikum Oldenburg. Der ausgebildete Rettungsassistent bietet seit mehreren Jahren speziell auf die Bedürfnisse von Senioren ausgerichtete Erste- Hilfe-Kurse an. Die Nachfrage nehme kontinuierlich zu, berichtet Mersch: „Viele Senioren besuchen gezielt diesen Kurs, weil sie jüngere Teilnehmer aus allgemeinen Erste- Hilfe-Kursen nicht mit speziellen Fragen belasten möchten.“ Senioren helfe es sehr, dass die Kursinhalte vor allem auf Notfallsituationen ausgerichtet sind, mit denen ihre Altersgruppe besonders oft konfrontiert wird.

Gerade im Alter sind im Notfall meist die direkten Angehörigen als Ersthelfer gefordert. Oft liegt bei mindestens einem der Partner eine chronische Erkrankung vor, die früher oder später zu einem akuten Notfall führen kann.

Der Erste-Hilfe-Kurs für Senioren soll helfen, einen gefährlichen Akut-Vorfall rechtzeitig zu erkennen und den Betroffenen bis zum Eintreffen der Profis vom Rettungsdienst möglichst sicher und angstfrei zu stabilisieren, erklärt Roland Mersch: „Bei einem Herzinfarkt, einem Schlaganfall oder einem Zuckerschock besteht sofortiger Handlungsbedarf. Ob und mit welchen Folgen der Patient den Vorfall übersteht, hängt auch davon ab, wie der Ersthelfer reagiert.“

Mehr Sicherheit

Um den Zustand des Partners richtig einschätzen zu können, hilft es, typische Symptome besonders häufiger lebensbedrohlicher Akut-Erkrankungen möglichst früh zu erkennen. Anders als ein oft durch starken Druck und große Schmerzen in der Brust gekennzeichneten Herzinfarkt korrespondiert ein Schlaganfall mit einer plötzlichen Wesensveränderung. „Betroffene nehmen oft in einem Arm ein unerklärliches Missempfinden wahr und können sich mitunter nicht mehr klar und deutlich artikulieren“, so Mersch.

Zudem stellen sich bei einem Schlaganfall häufig ein Schwindelgefühl, Koordinationsprobleme und Lähmungen ein. Bei der Beurteilung der Anzeichen kann ein einfacher Test mehr Sicherheit bringen. Wenn die Gesichtszüge beim Grinsen schief werden, ist die Koordinationsfähigkeit des Muskel- und Nervensystems gestört, was eindeutig auf einen Schlaganfall hinweist. Das Gleiche gilt, wenn der Betroffene plötzlich Probleme hat, beide Arme gleichmäßig nach vorne auszustrecken.

Zu lange sollte man sich allerdings nicht mit den Diagnose-Tests aufhalten. Ob ein Notfall vorliegt und wie gefährlich er ist, können nur die über die Notfallnummer 112 alarmierten Rettungs-Profis aufklären. Die sind in der Regel auch in ländlichen Regionen spätestens 15 Minuten nach dem Notruf vor Ort und sind dafür ausgebildet, wenn nötig schon auf dem Weg zum Krankenhaus medizinische Interventionen einzuleiten.

Im Verdachtsfallfür eine lebensbedrohliche Situation sollte man über die kostenlose, europaweit gültige Notfallnummer 112 unverzüglich den Rettungsdienst verständigen. Dadurch wird eine lückenlose Rettungskette in Gang gesetzt, die mit dem umgehenden Start des Rettungsteams – wenn nötig inklusive Notarzt – zum Notfall-Ort beginnt.

Im Gespräch mit der Rettungsleitstelle sollte der Ersthelfer das Beschwerdebild möglichst knapp und präzise schildern. Auf dieser Grundlage kann die Rettungszentrale das nächstgelegene für die Notfallbehandlung geeignete Krankenhaus verständigen, dass sofort die zur Behandlung benötigen Teams samt Logistik zusammenstellen kann. Im besten Fall liegt der Patient dann – wenn nötig – bereits wenige Minuten nach den ersten Akut-Symptomen auf dem Interventionstisch. Herzinfarkt- und Schlaganfallpatienten sollten spätestens eine Stunde nach dem Auftreten erster Anzeichen in eine geeignete Klinik eingeliefert werden, weil das Zeitfenster für erfolgversprechende Gegenmaßnahmen sehr begrenzt ist.

Alles Aktuelle für Senioren im Nordwesten lesen Sie in unserem Senioren-Spezial.

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RKI | Klinikum Oldenburg