Oldenburg - Die in der Leber produzierte Galle trägt im Zwölffingerdarm dazu bei, dass die mit der Nahrung aufgenommenen Fette gespalten und vom Organismus aufgenommen werden. Während einer Mahlzeit fließt die Gallenflüssigkeit von der Leber aus direkt in den Dünndarm. In den Ernährungspausen wird dagegen ein großer Teil der Galle über kleine Kanäle in den Hauptgallengang und von dort aus in die Gallenblase geleitet, wo die größtenteils aus Wasser bestehende Flüssigkeit gespeichert und eingedickt wird. Der Verzehr fettreicher Speisen führt automatisch dazu, dass sich die Gallenblase zusammenzieht und die dort gespeicherte Gallenflüssigkeit über den Hauptgallengang in den benachbarten Zwölffingerdarm abgegeben wird.
Kolik oft unerträglich
Neben Wasser, Farbstoffen, Kalk sowie Abfall- und Abbauprodukten der Leber und der roten Blutkörperchen zählen Salze und Cholesterin zu den Bestandteilen der Gallenflüssigkeit. Die Gallensalze nehmen bei einer gut funktionierenden Verdauung die Aufgabe wahr, große Fettkügelchen zu verkleinern. Damit haben es die aus der Bauchspeicheldrüse zufließenden Verdauungsenzyme leichter, die mit der Nahrung aufgenommenen Fette zu spalten. Zudem trägt das Cholesterin dazu bei, dass die aufgespaltenen Fette störungsfrei von den Darmzellen aufgenommen werden können.
Der Gallenstein verlegt die Gallenblase.
Bei mehr als 90 Prozent der Betroffenen entstehen Gallensteine in der Gallenblase. Sie bestehen meistens größtenteils aus Cholesterin. Gallensteine können sehr klein und zahlreich sein, vereinzelt aber auch eine Größe von mehreren Zentimetern erreichen. Aktuelle wissenschaftliche Studien gehen davon aus, dass in Deutschland fast jeder fünfte Erwachsene mit Gallensteinen lebt. „Die meisten merken nichts davon, weil damit keine Beschwerden verbunden sind“, berichtet Prof. Dr. Norbert Senninger, Kommissarischer Direktor der Universitätsklinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie im Klinikum Oldenburg. Bei rund einem Viertel der Betroffenen verursachen die Gallensteine aber früher oder später Schmerzen, die bei einer akuten Kolik oft unerträglich sind.
Lebensstil entscheiden
Eine häufige Ursache für die Bildung von Gallensteinen ist die Übersättigung der Gallenflüssigkeit mit Cholesterin. Als Folge bilden sich zunehmend Gallensalze-Kristalle, die sich miteinander verbinden. Das Risiko für eine Gallensteinbildung erhöht sich, wenn permanent Flüssigkeitsreste in der Gallenblase verbleiben, weil sich diese nicht mehr richtig zusammenziehen und entleeren kann.
Das Risiko für die Bildung von Gallensteinen nimmt ab dem 40. Lebensjahr zu, wobei Frauen bis zu dreimal häufiger als Männer betroffen sind. Neben einer genetischen Veranlagung ist hier in erster Linie der Lebensstil entscheidend, betont Prof. Senninger: „Wesentliche erworbene Faktoren sind insbesondere Übergewicht, Bewegungsmangel und eine zu fettreiche Ernährung.“ Auch eine Diabetes-Erkrankung und die Versorgung mit einem Magen-Bypass steigern das Gallenstein-Risiko. Das bei Frauen erhöhte Risiko ist vor allem hormonell bedingt
Wenn die Gallenblase wehtut
Typische Symptome sind starke Schmerzen im mittleren oder rechten Oberbauch, die mitunter bis in den Rücken ausstrahlen. Die oft nachts auftretenden Schmerzen können unvermittelt zurückgehen, aber auch bis zu mehrere Stunden anhalten. Ursache ist der vorübergehende Verschluss des Gallenblasenausgangs oder der Gallenwege durch einen dorthin gewanderten Gallenstein.
Eine länger anhaltende Blockade kann eine Entzündung erzeugen. Im schlimmsten Fall kann es zu einem Durchbruch der Gallenblasenwand oder einer lebensgefährlichen Bauchfellentzündung kommen. Meistens beseitigt sich die Blockade von selbst. Wenn die Probleme aber einmal aufgetreten sind, muss man damit rechnen, dass sich immer wieder Schmerzattacken einstellen.
