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NWZonline.de Ratgeber Gesundheit

Häusliche Gewalt: Für alle eine schwere Zeit

22.09.2020

Oldenburg Von häuslicher Gewalt betroffene Kinder und Jugendliche leiden oft lebenslang unter den Folgen. Aktuelle Studien zeigen, dass die Corona-Krise das Risiko für Gewaltausbrüche in der Familie erhöht. Beengte Lebensumstände, finanzielle Sorgen und eine fehlende Kinderbetreuung führen zu Ängsten, Stress und Aggressionen. „Manchmal mündet dieser Unmut in Gewalt“, berichtet die Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes.

Leidtragende häuslicher Gewalt sind neben Frauen vor allem Kinder und Jugendliche. Allein für das Jahr 2019 hat die Kriminalstatistik bundesweit 3430 Fälle von Kindesmisshandlung registriert. Die Polizei geht von einer erheblich höheren Dunkelziffer aus, weil viele Gewalttaten nicht gemeldet und unerkannt bleiben.

Psychologische und psychiatrische Fachgesellschaften erwarten schwere langfristige Folgen durch die Corona-Pandemie. Da Kinder und Jugendliche in der Lockdown-Phase weniger Kontakt zu Erziehern, Lehrern und sozialen Einrichtungen hatten, gebe es vermutlich mehr Kinder mit Gewalterfahrungen als in den Statistiken registriert wurde.

Gewalt gegen Kinder und Jugendliche hat unterschiedliche Gesichter. Sie kann körperlich, seelisch oder sexuell sein und findet in allen sozialen Schichten unserer Gesellschaft statt. Die Folgen sind aber im wesentlichen für alle Betroffenen gleich, betont Dr. Agneta Paul: „Direktorin der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie im Klinikum Oldenburg: „Gewalterfahrungen führen bei vielen Betroffenen zu Traumafolgestörungen, die sich mit körperlichen und seelischen Schäden manifestieren.“

Angst und Verzweiflung

Ein erlittener Schlag oder Stoß erzeugt nicht nur akute Schmerzen. Er bewirkt auch seelisches Leid wie Angst und Verzweiflung. Das gilt auch dann, wenn die Gewalt zwischen den Eltern stattfindet und das Kind scheinbar unbehelligt bleibt.

Während körperliche Gewalt meistens sichtbare Spuren wie blaue Flecken oder Wunden erzeugt, hinterlässt psychische Gewalt keine äußerlich erkennbaren Anzeichen. Auch eine psychische Misshandlung kann dessen ungeachtet einen hohen Leidensdruck erzeugen. „Betroffene Kinder und Jugendliche fühlen sich wertlos, fehlerhaft und nicht liebenswert“, berichtet Dr. Agneta Paul. Nicht selten komme es zu einer Störung der Persönlichkeitsentwicklung. Gewalterfahrungen in der Familie machen sich bei Kindern und Jugendlichen häufig durch psychische Auffälligkeiten und Verhaltensänderungen bemerkbar.

Keine Entschuldigung

Dass es in Zeiten von Corona in vielen Familien zu Spannungen kommt, verwundert Dr. Agneta Paul nicht: Die mit der Bekämpfung der Pandemie verbundenen sozialen Einschränkungen sind für die meisten Menschen nur schwer zu ertragen.“ Dabei immer ruhig und besonnen zu bleiben, sei eine Herausforderung für die Eltern – vor allem dann, wenn sie sich selbst gestresst und seelisch angegriffen fühlen.Eine Entschuldigung für gewalttätige Übergriffe sei das aber nicht.

Helfen können schon kleinere Umstellungen des Familienlebens. Neben einem geregelten Tagesablauf sowie Freiraum für Eltern und Kinder gehöre dazu auch, dass man sich ausreichend Zeit nimmt, gemeinsam über Gefühle und Ängste zu sprechen. Eine offene und verständnisvolle Kommunikation könne dazu beitragen, die aktuell schwere Zeit besser und vor allem ohne Gewalt zu überstehen.

NWZonline.de/gesundheit
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