• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Markt
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Events
  • Tickets
  • nordbuzz
  • FuPa
  • Kontakt
  • Werben
NWZonline.de Ratgeber Gesundheit

Die Umleitung fürs Überleben

28.09.2017

Oldenburg Ein Herzinfarkt entsteht in der Regel als Folge einer auch als Arteriosklerose bezeichneten Verkalkung der Herzkranzgefäße. Das Problem sind dabei fetthaltige und zum Teil verkalkte Ablagerungen an den Gefäßinnenwänden. Diese sogenannten Plaques sorgen für eine Verengung der zum Herzen führenden Gefäße und stören die Blutversorgung.

„Das Blut kann diese Engstellen nur noch schwer passieren. Das Herz wird daraufhin nicht mehr genügend mit Sauerstoff versorgt sowie in seiner Funktion und Leistung gestört“, erklärt Prof. Dr. Jürgen Ennker, kommissarischer Leiter der Universitätsklinik für Herzchirurgie im Klinikum Oldenburg. Im schlimmsten Fall führt eine koronare Herzerkrankung zu einem kompletten Gefäßverschluss, was gleichbedeutend mit einem stets akut lebensbedrohlichen Herzinfarkt ist.

Ein Herzinfarkt tritt bei den meisten Betroffenen wie aus heiterem Himmel auf. Typische Symptome sind neben einem Engegefühl und starkem Druck im Brustkorb insbesondere plötzliche länger anhaltende Schmerzen hinter dem Brustbein. Der oft unerträgliche Schmerz strahlt in vielen Fällen in die Arme, die Schultern, den Unterkiefer oder auch in den Oberbauch aus. Zusätzlich können Atemnot, Übelkeit und Erbrechen auftreten. Betroffene berichten häufig, dass die Beschwerden auch mit starker Unruhe und Todesangst korrespondieren. Je größer der Infarkt ist, desto schwerer sind meistens die damit verbundenen Symptome.

Notfallnummer 112

Bei einem Herzinfarkt-Verdacht sollte sofort der Rettungsdienst über die Notfallnummer 112 verständigt werden. Nur so kann es gelingen, die akute Lebensgefahr abzuwenden und die Folgeschäden in Grenzen zu halten, erklärt Prof. Dr. Ennker: „Mit jeder Minute, die bis zur Wiedereröffnung eines verstopften Gefäßes vergeht, stirbt Herzmuskelgewebe unwiederbringlich ab.“

Nach der Erstversorgung durch den Notarzt muss der Betroffene so schnell wie möglich in die Notaufnahme eines geeigneten Krankenhauses transportiert werden. Dort beginnt parallel zu den lebenserhaltenden Sofortmaßnahmen unter anderem mit einem Ruhe-EKG bereits die Diagnostik. Anschließend kann im Herzkatheterlabor die exakte Lage und Größe des Gefäßverschlusses lokalisiert werden. Danach können umgehend Maßnahmen eingeleitet werden, die auf eine Wiedereröffnung der verstopften Herzkranzgefäße abzielen.

Die Erfolgsaussichten dieser Notfallmaßnahmen sind heute sehr gut, berichtet Prof. Dr. Ennker: „Voraussetzung ist allerdings, dass der Patient das Krankenhaus rechtzeitig erreicht.“

Je nach Ausmaß der infarktauslösenden Gefäßverengung kann die Engstelle mittels eines Stents durch einen Kardiologen oder eines Bypasses beseitigt werden, den ein Herzchirurg einbaut.

Ein Stent ist, in einfachen Worten erklärt, ein winziges Stahlgerüst, das vom Operateur zusammengefaltet durch einen über die Leiste eingeführten Katheter zu der betroffenen Stelle geführt wird. Dort entfaltet sich der Stent so weit, bis die Engstelle so weit aufgelöst ist, dass wieder eine ausreichende Blutzirkulation sichergestellt ist.

Oft bessere Alternative

Besonders bei ausgeprägten Gefäßverengungen ist oft die Versorgung mit einem Bypass die bessere Wahl. Dabei wird mittels eines zuvor entnommenen Stücks der Brustwandarterie eine Umleitung um den verstopften Gefäßanteil gelegt. Statt durch ein bereits geschädigtes Gefäß kann das Blut dann durch eine neu gelegte Zuleitung fließen.

„Durch einen Bypass wird das verengte und verkalkte Gefäßsegment komplett überbrückt“, erklärt Prof. Dr. Ennker. Meistens werde heute ein Teil der Brustwandarterie für die Umleitung genutzt. Diese hat nach aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen eine bessere Offenheitsrate als die früher verwendeten, aus dem Bein gewonnenen Venenbypässe. Nach einer erfolgreichen Operation gewinnt der Patient dadurch neben mehr Sicherheit vor einem weiteren Herzinfarkt auch mehr Lebensqualität, weil eine Bypass-Umleitung einen nahezu ungehinderten Blutfluss zum Herzen ermöglicht.

Bypass-Operationenwerden heute zunehmend am schlagenden Herzen durchgeführt. Bei diesem sogenannten Off-Pump-Verfahren wird nur der Teil des Herzens durch spezielle Klammern stillgelegt, an dem direkt operiert wird. Das restliche Herz schlägt während des Eingriffs weiter, so dass Herz und Lungen weiter arbeiten und der Körper seine Funktionen selbstständig erfüllen kann. Der ansonsten erforderliche Anschluss an eine Herz-Lungen-Maschine ist dabei nicht nötig.

Für den Patienten habe das mehrere große Vorteile, erklärt Prof. Dr. Jürgen Ennker. So können zum einen organschädigende Entzündungsreaktionen vermieden werden, die durch den Kontakt des Körpers mit Schläuchen und anderen Materialien der Herz-Lungen-Maschine entstehen können. Zudem kann der Operateur die aufsteigende Hauptschlagader in Ruhe lassen. Da deren Gefäßinnenwände oft ebenfalls verkalkt sind, besteht ansonsten eine gewisse Gefahr, dass sich während der OP kleine Partikel ablösen und die Hirngefäße verlegen. Die Folge kann ein Schlaganfall sein.

Alles zum Thema Gesundheit finden Sie hier!

NWZonline.de/gesundheit
Alles zum Thema Gesundheit finden Sie hier!

Weitere Nachrichten:

Uniklinik | Klinikum Oldenburg