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Inkontinenz Wenn der Druck zu groß wird

Klaus Hilkmann

OLDENBURG - Betroffene Frauen und Männer leben praktisch rund um die Uhr mit einem – im wahrsten Sinne des Wortes – hohen Leidensdruck. Bei einer Fahrradtour mit der Familie oder einer Dienstreise mit dem Auto muss man mit einem Inkontinenz-Problem immer im Blick haben, wo die nächste zugängliche Toilette ist, oder man muss sich mit einer Einlage vor unangenehmen Situationen schützen. Die Folge ist oft ein erheblicher Verlust an Lebensqualität bis hin zur Aufgabe von Sozialkontakten, berichtet Priv.-Doz. Dr. Friedhelm Wawroschek: „Viele Betroffene leben stets mit dem Gefühl, das Wasser in bestimmten Situationen nicht halten zu können und trauen sich selbst ganz unspektakuläre Freizeitaktivitäten nicht mehr zu.“

Unterschiedliche Ursachen

Dabei kann man den meisten Inkontinenz-Patienten durch eine gezielte Therapie helfen. Der erste Schritt ist eine exakte Diagnose bei einem Facharzt für Urologie, betont Dr. Wawroschek: „Man muss zunächst feststellen, ob eine Belastungs- oder eine Dranginkontinenz vorliegt. Weil diese beiden am häufigsten auftretenden Erkrankungsformen sehr unterschiedliche Ursachen haben, müssen sie auch anders behandelt werden.“

In vielen Fällen leide der Patient auch an einer Mischform. Dann werde in der Regel als Erstes das Problem angegangen, das den Patienten am meisten belastet. Die Therapiemöglichkeiten reichen je nach Erkrankungsart von einer gezielten Beckenbodengymnastik bis hin zur Operation. Bei den meisten Patienten kann man damit zumindest eine deutliche Linderung der Beschwerden erreichen.

Anders ist das bei sehr alten Menschen, bei denen eine schwere Demenz-Erkrankung zur Inkontinenz führt. In diesen Fällen ist das Gehirn nicht mehr in der Lage, den Blasenmechanismus ausreichend zu steuern. Der durch zunehmenden Wasserdruck automatisch erzeugte Befehl zum Blase entleeren wird dann reflexartig und unmittelbar durchgeführt. Helfen könne man dieser vergleichsweise kleinen Patientengruppe leider nur mit einer optimierten Hilfsmittel-Versorgung, so Dr. Wawroschek: „Die Steuerungsfähigkeit der Blase lässt sich nicht wieder herstellen, wenn die dafür verantwortlichen Hirnzellen in Folge einer Demenz für immer verloren gegangen sind.“

Für Frauen mit einer Belastungsinkontinenz ist eine Stärkung der Beckenbodenmuskulatur das A und O der Therapie. Entsprechende gymnastische Übungen kann man in der Physiotherapie gut erlernen und auch zu Hause durchführen. Ziel ist, die zum Beispiel durch eine Geburt geschwächte Beckenbodenmuskulatur wieder so weit aufzubauen, dass der natürliche Schließmechanismus der Blase wieder wie gewünscht funktioniert. Mit zunehmendem Alter ist Beckenboden-Training für Frauen auch deshalb sinnvoll, weil die Zahl und die Leistungsfähigkeit der Muskelzellen im Beckenbodenbereich von Jahr zu Jahr abnimmt.

Prostata-Tumor entfernen

Bei Männern ist dagegen fast immer eine unnatürlich vergrößerte Prostata der Grund für eine Belastungsinkontinenz. Ein mitunter über Jahre gewachsener Prostata-Tumor kann am Ende so viel Platz einnehmen, dass der Blasenausgang verlegt ist und die Blase – wie eine Regentonne – dauernd unkontrolliert überläuft. Mit Beckenbodengymnastik kann man dann nichts erreichen, so Dr. Wawroschek: „Bei Prostatakrebs muss der bösartige Tumor durch eine medikamentöse Behandlung und/oder eine Operation beseitigt werden, um auch das Inkontinenz-Problem lösen zu können.“

Anders als die Belastungsinkontinenz wird eine Dranginkontinenz auch bei Frauen nicht durch eine Schwäche der Beckenboden-Muskulatur, sondern meistens durch eine neurologische Erkrankung verursacht. So kann etwa ein Diabetes mellitus auch zu einer Veränderung des Nervensystems führen, als dessen Folge die Betroffenen mitunter permanent einen stark erhöhten Blaseninnendruck empfinden, dem sie schließlich nicht mehr widerstehen können. Bei dieser Inkontinenzform ist eine Operation nötig, wenn eine medikamentöse Therapie nicht ausreicht. Bei der OP kann der Arzt unter mehreren bewährten Methoden wählen. Zum Beispiel kann es sinnvoll sein, die Harnröhre wie in einer Hängematte mit dem Einsatz eines Bandes anzuheben.

Männer

mit einer ansonsten nicht mehr kontrollierbaren Inkontinenz können sehr von einem Ersatzsystem profitieren, das mit dem Hodensack, der Harnröhre und dem Bauchraum verbunden ist. In einfachen Worten erklärt, wird dabei eine Pumpe in den Hodensack installiert, die zu einem kleinen variablen Ballon im Bauchraum führt. Zudem wird die Harnröhre durch eine weiche Manschette abgedrückt. Die für den Einbau erforderliche Operation dauert in der Regel etwa 90 Minuten und ist in rund 80 Prozent der Fälle erfolgreich, berichtet Priv.-Doz. Dr. Friedhelm Wawroschek. Bei einem kleinen Teil der Männer eigne sich das Verfahren nicht, weil ihr Körper allergisch auf das eingebaute Fremdmaterial regiere.

Die Klinik für Urologie im Klinikum Oldenburg ist als Beratungszentrum der Deutschen Kontinenzgesellschaft zertifiziert. Die Urologie-Klinik bietet jeweils donnerstags von 10 bis 14 Uhr eine Inkontinenz-Sprechstunde an. Um teilnehmen zu können, benötigen betroffene Frauen und Männer die Überweisung eines Facharztes für Urologie.

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