Oldenburg - Die Deutsche Krebsgesellschaft hat bei einer Erhebung im Jahr 2014 bundesweit fast 3000 Männer und mehr als 500 Frauen mit einem neu festgestellten Kehlkopfkarzinom gezählt. Die Zahl der Neuerkrankungen ist seit Jahren nahezu konstant, wobei der Anteil der weiblichen Betroffenen in westlichen Industrieländern zunimmt. Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei etwa Mitte 60. Die Erkrankung kann aber auch schon in jüngeren Jahren auftreten. Bösartige Tumoren bilden sich meistens in den beiden Stimmlippen. In selteneren Fällen können auch andere Bereiche des Kehlkopfes betroffen sein.
Die Chancen für eine erfolgreiche Behandlung und Heilung hängen vor allem vom Zeitpunkt der Diagnose und der Einleitung einer geeigneten Therapie ab. In frühen Stadien beträgt die Fünf-Jahres-Überlebensrate nach einer Tumorentfernung über 90 Prozent. Bei einer späten Diagnose ist die Prognose ungünstiger. Vor allem Alkohol- und Nikotinkonsum erhöhen das Risiko für Kehlkopfkrebs. Ähnliches gilt für das regelmäßige Einatmen giftiger Substanzen wie Asbest oder Teer. Neben einer genetischen Disposition ist zudem die Infektion mit humanen Papillomaviren ein Risikofaktor.
Ursache abklären lassen
Mögliches Anzeichen für einen Kehlkopfkrebs ist in erster Linie eine lang anhaltende Heiserkeit. Diese kann zwar auch durch eher harmlose Erkrankungen wie etwa einen grippalen Infekt ausgelöst werden. „Wenn die Heiserkeit aber auch längere Zeit nach dem Abklingen der Grippe anhält, sollte man die Ursache von einem HNO-Arzt abklären lassen“, betont Priv.-Doz. Dr. Katrin Radeloff, Oberärztin in der Universitätsklinik für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde im Evangelischen Krankenhaus Oldenburg: „Das ist besonders dann sinnvoll, wenn man viele Jahre geraucht hat und es im Familienkreis bereits entsprechende Erkrankungen gegeben hat.“ Auch ein dauerndes Kratzen im Hals sowie die Neigung zum Räuspern und Husten können Warnzeichen sein. Das Gleiche gilt für immer wiederkehrende Schluckbeschwerden sowie für ein Fremdkörpergefühl und Probleme beim Schlucken. Bei einem fortgeschrittenen Kehlkopfkrebs leiden viele Betroffene auch unter Atembeschwerden und Luftnot.
Ein beim Hausarzt festgestellter Verdacht kann mittels spezieller Diagnoseverfahren von einem HNO-Facharzt zuverlässig binnen kurzer Zeit aufgeklärt werden. Dafür erfolgt zunächst eine klinische Untersuchung mit einer sorgfältigen Begutachtung des Kehlkopfes und des umgebenden Bereichs. Bei der weiteren Diagnostik wird unter örtlicher Narkose ein mit einer Lichtquelle verbundenes Endoskop verwendet, das über den Mund- und Rachenraum oder durch die Nase des Patienten eingeführt wird und eine genaue Untersuchung des Kehlkopfes ermöglicht.
Gewebeproben testen
Falls dabei verdächtige Veränderungen entdeckt werden, erfolgen weitergehende Untersuchungen, für die ein kurzer stationärer Aufenthalt erforderlich ist. „Nach der Durchführung einer CT- oder MRT-Untersuchung des Halses werden zur Sicherung des Befunds in Vollnarkose Gewebeproben entnommen. Diese werden dann im Rahmen einer feingeweblichen Untersuchung auf bösartige Krebszellen getestet“, erklärt Dr. Katrin Radeloff. Dadurch können bösartige Tumoren schon in einem sehr frühen Stadium identifiziert werden. Wenn sich der Krebsverdacht bestätigt, erfolgen weitere Diagnoseverfahren wie bildgebende Ultraschall-, Röntgen und CT-Untersuchungen – etwa, um Metastasen und deren Ausmaß ermitteln zu können.
Die gängigen Therapiemethoden reichen von dem vor allem in frühen Stadien eingesetzten Laserverfahren bis zu einer offenen Operation, bei der im schlimmsten Fall eine komplette Entfernung des Kehlkopfes erfolgen muss. Alternativ kann auch eine kombinierte Therapie aus Bestrahlung und Chemotherapie durchgeführt werden.
