OLDENBURG - Wenn sich Schmerzen einstellen, ist der Krebs in vielen Fällen schon weit fortgeschritten. Damit es nicht soweit kommt, empfiehlt der Direktor der Abteilung für Internistische Onkologie im Oldenburger Pius-Hospital, Prof. Dr. Frank Griesinger, neben der regelmäßigen Teilnahme an Vorsorgeuntersuchungen auch „ein Gefühl für den eigenen Körper zu entwickeln“.
Zwar sei längst nicht jedes kleine „Zwacken“ ein Grund zur Sorge. Tauchen aber plötzlich Veränderungen am Körper auf, sollte man das Ganze umgehend zunächst beim Hausarzt abklären lassen.
Kein Standard-Vorgehen
„Die Krebstherapie hat deutliche Fortschritte gemacht. Wir können immer mehr Betroffene heilen oder zumindest erreichen, dass sie sehr viel länger mit einer guten Lebensqualität mit der Erkrankung zurechtkommen können“, so Prof. Dr. Griesinger.
Um bei der Diagnostik sicher gehen zu können, greifen auf Krebsdiagnostik- und Therapie ausgerichtete Kliniken auf modernste Labortechnik sowie die neueste Gerätegeneration für bildgebende Verfahren wie Ultraschall, Computertomographien, die strahlenfreie Kernspintomographie und das sogenannte PET-CT zurück. „Die Weichen für den Behandlungserfolg werden schon bei den ersten Untersuchungen gestellt“, berichtet die Direktorin der Klinik für Innere Medizin im Pius-Hospital, Dr. Regina Prenzel. So müsse das behandelnde Ärzteteam möglichst frühzeitig und verlässlich wissen, welche Organe betroffen sind und in welchem Stadium sich der Krebs befindet.
Erst nach dieser Analyse könne entschieden werden, wie der Tumor am besten bekämpft werden könne. Ein Standard-Vorgehen aus dem Baukasten gebe es für die Krebstherapie nicht, betont Dr. Prenzel: „Krebs ist nicht gleich Krebs. Man kann vorher nicht sagen, ob eine Operation, eine Behandlung mit Medikamenten oder eine Bestrahlung erfolgversprechender ist.“ Um ein komplettes Bild zu bekommen, vergehe von der Erstuntersuchung im Krankenhaus bis zur Diagnose in der Regel gut eine Woche. Für den Patienten sei das, so Dr. Prenzel, gut angelegte Zeit: „Schon bei der Diagnostik gilt, dass Sicherheit vor Schnelligkeit geht.“
Geringere Nebenwirkungen
Sobald die Diagnose feststeht, wird das weitere Vorgehen im Pius-Hospital in der sogenannten Tumor-Konferenz besprochen, an der stets alle benötigten medizinischen Fachrichtungen vertreten sind. Der behandelnde Arzt stellt dabei das jeweilige Problem vor. Insbesondere wenn mehrere Organe betroffen sind, ist die interdisziplinäre Zusammenarbeit der Mediziner wichtig, so Netzwerkkoordinator Dr. Henning Ritter: „Wir haben dadurch bei jeder Patientenbesprechung sofort den richtigen Spezialisten vor Ort“.
Vor allem, wenn nur ein Tumor an einer Stelle vorliege, sei eine kombinierte Strahlen- und Chemotherapie oft eine sinnvolle Behandlungsalternative. „Dank neuester Technik können wir bösartige Zellen punktgenau ausmerzen, ohne dass dabei gesundes Gewebe geschädigt wird“, erklärt der geschäftsführende Direktor der Abteilung für Strahlentherapie und internistische Onkologe, Dr. Kay Willborn.
Deutliche Verbesserungen gebe es auch in der Chemotherapie. Der Einsatz neuer Medikamente ermögliche eine effektivere Behandlung mit zum Teil deutlich geringeren Nebenwirkungen, betont der Direktor des Instituts für diagnostische und interventionelle Radiologie, Priv. Doz. Dr. Alexander Kluge. Letztlich komme das der Lebensqualität der Patienten zugute.
