OLDENBURG - Wenn sich der Verdacht auf einen Tumor in der Lunge erhärtet hat, muss vor der Entscheidung über den Behandlungsplan zunächst geklärt werden, wie weit die Erkrankung fortgeschritten ist. Eine Operation zur Entfernung des Tumors sei in der Regel für Patienten mit einem Krebs im Frühstadium die beste Lösung, betont der Leitende Arzt der Abteilung für Thoraxchirurgie im Oldenburger Pius-Hospital, Dr. Douglas Scriba. Wenn sich aber darüber hinaus bereits Tochtergeschwülste gebildet hätten, könne dem Patienten oft durch eine Strahlen- oder Chemotherapie besser geholfen werden.

Wie weit der Lungenkrebs fortgeschritten ist, hängt nicht allein von der Größe des auf dem Röntgen- und Ultraschallbild erkennbaren Tumors ab. Entscheidende Hinweise kann der Arzt vielmehr mit einem Blick auf die Lymphstationen gewinnen. Die von der Luftröhre bis zur Lungenwurzel über das zentrale Atmungsorgan verteilten Lymphknoten haben normalerweise höchstens einen Durchmesser von einen Zentimeter, erklärt der Oberarzt der Klinik für Innere Medizin und Pneumologie des Pius-Hospitals, Dr. Hans-Georg Dercken: „Wenn die Lymphknoten deutlich größer angeschwollen sind, besteht der Verdacht, dass Tumorzellen dafür verantwortlich sind.“

Um klären zu können, ob die verdächtigen Lymphknoten gut- oder bösartig sind, müssen an der „Problemstelle“ Gewebepartikel entnommen werden. „Früher war dafür stets ein großer Eingriff unter Vollnarkose notwendig, bei dem mitunter sogar der Brustkorb geöffnet werden musste. Heute können wir in den meisten Fällen ein deutlich schonenderes Verfahren nutzen, das exaktere und schnellere Ergebnisse bringt“, so Dr. Scriba.

Möglich ist das dank des sogenannten EBUS – eines endobronchialen Ultraschallgeräts –, das den Ärzten im Pius-Hospital seit gut sechs Wochen zur Verfügung steht.

Mit Hilfe der etwa 70 000 Euro teuren Neuanschaffung könne man die Lymphknoten – fast wie bei einer normalen Bronchoskopie – mittels eines durch die Luftröhre geleiteten Spezialschlauchs ganz ohne Schnitte und Wunden von innen erreichen. Gestützt auf exakte Computerbilder könne ein mit dem Verfahren vertrauter Arzt den Schlauch direkt an den angepeilten Lymphknoten heranführen. Durch die so geschaffene Verbindung werde ein millimeterfeines Instrument geschoben, das an der Spitze mit einer Nadel versehen sei. Sobald diese ihren Zielort erreicht habe, könne der Lymphknoten punktiert werden, bis genügend Gewebefasern für eine Analyse im Labor zur Verfügung stünden.

Der je nach Zustand des Patienten ambulant oder stationär durchgeführte Eingriff ist in der Regel nach 30 Minuten beendet, berichtet Dr. Dercken: „Hauptvorteil ist, dass wir die Sicherheit für die jeweils beste Therapieempfehlung erhöhen können.“