OLDENBURG - Bevor sich betroffene Paare um professionelle Hilfe bemühen, schleppen sie ihre Beziehungskrise oft schon seit langer Zeit mit sich herum. Um einen Termin beim Psychotherapeuten oder einem anderen geeigneten Fachmann bemühen sie sich in der Regel erst dann, wenn bereits etliche andere Versuche gescheitert sind.

„Viele Paare sind verzweifelt und wissen nicht mehr, wie es weiter gehen soll“, berichtet Dr. Monika Adamaszek. Die Oldenburger Paar- und Familientherapeutin arbeitet seit mehr als 25 Jahren mit Einzelpersonen und Paaren, die ihre Beziehungsprobleme ohne Hilfe von außen nicht mehr lösen können.

Ausgangspunkt für die weitere Beratung ist für Monika Adamaszek stets ein genauer Blick auf die Familienbiografie. Die Stammbaumanalyse gibt der Therapeutin schon vor dem ersten tiefer gehenden Gespräch einen Überblick über Einschnitte und Wendepunkte im Lebenszyklus mehrerer Generationen der jeweiligen Familie. Bedeutsam ist das nach diesem Therapieansatz, weil wichtige Bindungen und Trennungen wie etwa die Heirat oder eine Scheidung prägende Erlebnisse sind, die sich mitunter über mehrere Generationen auf die Nachkommen auswirken. Vieles, was schon die Eltern oder sogar die Großeltern belastet hatte, wird als unerledigte Hypothek an die Kinder weitergegeben. Adamaszek: „Damit es dabei nicht bleibt, muss dieser Zyklus unterbrochen werden.“

Entscheidend sei dabei für jeden Einzelnen, eine vernünftige Balance zwischen Freiheit und Verantwortung zu finden. Dafür müsse man unterscheiden lernen, „was uns als Kinder unserer Eltern und Enkel unserer Großeltern unbewusst aufgetragen wurde, und was unsere eigene Angelegenheit ist.“ Genau an diesem Punkt setzt Monika Adamaszek bei der Therapie an.

Ein geeignetes Hilfsmittel zur Darstellung zuvor unbewusster Bindungen ist demnach die Erstellung eines Genogramms. Die darin erkennbare Familienkonstellation zeige prägende Punkte der Sozialisation. Negative Erfahrungen, die mitunter über viele Jahre unerkannt an der Psyche genagt haben, können dann wie Ballast über Bord geworfen werden. Genau das sei die Voraussetzung für positive Veränderungen, was letztlich auch der Beziehung zugutekomme, betont Adamaszek: „Wer sich bewusst für einen Kurswechsel entscheidet, gewinnt neue Perspektiven für Partner- und Elternschaft.“

Der Weg dahin ist für die meisten Betroffenen zuweilen schwierig, aber möglich. „Wenn beide Partner aus freien Stücken zu einer Therapie kommen, sind sie sich immerhin schon einig, dass sie es weiter gemeinsam versuchen wollen.“ Die Paar- und Familientherapeutin versucht stets zunächst den „Ist-Zustand“ der Partnerschaft zu ermitteln. Dabei komme es auch darauf an, die positiven gemeinsamen Erlebnisse in Erinnerung zu rufen, betont Adamaszek: „Die Paare wissen zwar, dass sie zusammen glücklich sein können. Den Schlüssel dafür haben sie aber oft verloren.“

Der Weg zum – neuen – gemeinsamen Glück führt in der Regel nur über mitunter tiefe Einschnitte. So können scheinbar über Jahre bewährte Alltagsrituale die Ursache für langsam, aber sicher aufgetürmte Beziehungsprobleme sein. Voraussetzung für eine bessere gemeinsame Zukunft sei, dass die Beteiligten zu Veränderungen bereit sind. Dazu gehöre z.B. auch, dass man Abstand von alten familiären Bindungen gewinne und sich von belastenden Verhaltensmustern befreie. Die so gewonnene neue Freiheit könne sich für beide Partner positiv bemerkbar machen und sei dann die Basis für eine bessere Zukunft.