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NWZonline.de Ratgeber Gesundheit

Leben in Würde bis zuletzt

24.08.2018

Oldenburg Eine Krebserkrankung ist für viele Betroffene mit einem jahrelangen kräftezehrenden Kampf verbunden, der auch ihr soziales Umfeld stark belastet. Dank des medizinischen Fortschritts können zwar immer mehr Krebs-Patienten geheilt werden oder ähnlich wie bei einer nicht tödlich verlaufenden chronischen Erkrankung lange mit einer annehmbaren Lebensqualität überleben. Nach Angaben des Krebsinformationsdienstes zählt die Erkrankung in Deutschland dessen ungeachtet nach wie vor zu den häufigsten Todesursachen. Demnach ist Krebs für jeden vierten Todesfall verantwortlich. Im jüngsten Erhebungsjahr 2014 sind daran bundesweit mehr als 220 000 Menschen gestorben.

Wenn aus medizinischer Sicht klar ist, dass alle Möglichkeiten für eine erfolgversprechende Behandlung ausgeschöpft sind, fallen viele Betroffene und auch ihre Angehörigen in ein tiefes Loch. „Das ist wie ein K.o.-Schlag, von dem man nicht wieder aufstehen kann“, berichtet Reza Bayat, Palliativpsychologe und Leiter der Krebsberatungsstelle im Gesundheitsamt der Stadt Oldenburg. Er begleitet Krebs-Patienten mitunter über mehrere Jahre und erlebt dabei neben vielen positiv verlaufenden Krankheitsgeschichten auch Menschen, bei denen die ärztliche Prognose auf einen tödlichen Verlauf hinweist.

Teufelskreis überwinden

In diesem Fall kommen viele Betroffene nicht mit der Erkenntnis zurecht, dass sich ihre Erkrankung nicht mehr mit der Aussicht auf Heilung behandeln, sondern nur noch lindern lässt. Oft entsteht dann ein Teufelskreis aus Angst, Ohnmacht, Schmerzen und depressiven Stimmungen, aus dem es ohne eine qualifizierte psychologische Unterstützung keinen Ausweg gibt. Als zusätzliche Hilfestellung zu den bereits bestehenden palliativen Angeboten hat die Krebsberatungsstelle im Gesundheitsamt Oldenburg vor rund einem Jahr eine palliativ-psychologische Versorgung für unheilbar kranke Patienten in der Region Oldenburg eingerichtet. „Unsere Erfahrungen sind bislang sehr positiv. Für viele Palliativ-Patienten ist das ein großer Gewinn“, betont Reza Bayat.

Dass er viele Betroffene schon kurz nach der Erstdiagnose in der Krebsberatungsstelle kennengelernt hat, sei für alle Beteiligten ein Vorteil: „Dadurch besteht in der Regel ein Vertrauensverhältnis, das bei einer palliativ-psychologischen Begleitung besonders wichtig ist.“

So sei es für Menschen in einer existenziell bedrohlichen Lebenssituation oft sehr schwierig, ihre psychischen Probleme gegenüber einem Psychologen oder Therapeuten zu offenbaren, der damit noch nicht vertraut ist. Wenn der Kontakt bereits besteht, empfinden viele Palliativ-Patienten die psychologische Betreuung wie eine Fortsetzung der zuvor praktizierten Beratung. Positiv ist dann auch, dass der Berater den Therapieverlauf und die beteiligten Akteure kennt. So könne man besser herausfinden, was den Patienten besonders stark belastet und welche Hilfen zur Stabilisierung der Psyche sinnvoll sind.

Sorgen um die Familie

Sicher ist, dass die Gewissheit einer nur noch begrenzten Lebenserwartung eine große Last ist, die Betroffene zusätzlich zu den körperlichen Beschwerden tragen müssen. Das gilt umso mehr, wenn man sich in der Verantwortung für andere sieht oder noch eine Reihe offener Baustellen bestehen. „Palliativ-Patienten mit einer jungen Familie machen sich meistens große Sorgen um die Zukunft des Partners und der Kinder.“ Ältere Patienten möchten in der Regel ein möglichst gut geregeltes Umfeld hinterlassen. Dazu könne zum Beispiel der Wunsch gehören, einen alten Streit beizulegen oder ein weit entfernt lebendes Familienmitglied noch einmal wiederzusehen. Ein mit Palliativ-Patienten vertrauter Psychologe könne dazu beitragen, all das zu erkennen und gemeinsam mit dem Betroffenen durchführbare Lösungen zu finden.

Voraussetzung für die Umsetzung entsprechender Pläne ist, dass der Patient nicht zu stark durch Schmerzen oder körperliche Funktionsdefizite gehandicapt ist. Ein Palliativ-Psychologe könne auch hier eine wichtige Rolle spielen und dem schwer kranken Menschen helfen, bis zuletzt ein Leben in Würde führen zu können.

Die Palliativ-Versorgungkrebskranker Menschen funktioniert in der Region Oldenburg dank eines breit aufgestellten Netzwerks etwa mit Krankenhäusern, niedergelassenen Ärzten und Psychologen, Therapeuten, Pflegediensten sowie verschiedenen Palliativ-Einrichtungen sehr gut. Die neu eingerichtete palliativ-psychologische Betreuung ist ein weiterer Baustein, so Reza Bayat: „Ziel ist es, damit Angst und Depressionen entgegenzuwirken, um dem Palliativ-Patienten mehr Lebensqualität für die verbleibende Lebenszeit zu ermöglichen.“

Wie das funktionieren kann, zeigt sich häufig in Alltagssituationen, die einen krebskranken Menschen mitunter stark belasten. Ein nicht seltenes Beispiel ist der Umgang mit einer krebsbedingten Inkontinenz: „Vielen Betroffenen bereitet es großen Kummer, wenn sie auf Einlagen angewiesen sind und diese nicht eigenständig wechseln können.“ Entsprechende Probleme herauszufinden und gemeinsam zu verträglichen Lösungen zu kommen, sei eine von vielen Herausforderungen der Palliativ-Psychologie.

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