OLDENBURG - „In erster Linie geht es um eine möglichst hohe Lebensqualität in der letzten Lebensphase.“ Der Leiter des Palliativzentrums und des Palliativstützpunktes Oldenburg, Dr. Michael Schwarz-Eywill, kann den Betroffenen zwar keine Hoffnung auf Heilung machen. „Mit einer genau auf diese Patienten ausgerichteten, eng verzahnten Behandlung der Symptome können wir aber den Patienten mit schwersten Erkrankungen auch noch im Endstation ein Leben in Würde ermöglichen.“

Wenn etwa alle Möglichkeiten einer Krebstherapie ausgereizt seien, gehe es für die Patienten vor allem darum, die noch verbleibende Lebenszeit so gut wie möglich nutzen zu können. Wenn man akzeptieren müsse, dass die Krankheit nicht heilbar ist, stehe für Ärzte und Pflegekräfte die Linderung der Beschwerden wie Tumorschmerzen, Übelkeit, Depressionen, Unruhe oder Luftnot im Mittelpunkt.

Nicht zuletzt sei auch der Umgang mit der Angst vor dem Fortschreiten der Krankheit – und letztlich auch vor dem Tod – ein wichtiger Bestandteil der Palliativmedizin. Deshalb seien neben Ärzten, Therapeuten und Pflegekräften auch Seelsorger, Psychologen sowie in der Hospiz-Arbeit geschulte ehrenamtliche Mitarbeiter in das Netzwerk eingebunden. Etwa 80 Prozent der Palliativ-Patienten seien unheilbar an Krebs erkrankt. Dazu kämen Menschen mit neurologischen Erkrankungen wie ALS oder MS im Endstadium oder mit schwersten Herz/Kreislauferkrankungen.

Der Palliativstützpunkt Oldenburg möchte dazu beitragen, dass die Patienten möglichst lange zu Hause versorgt werden können. Möglich sei das nur mit besonders geschultem Personal in der ambulanten Versorgung, betont der Geschäftsführer des ambulanten Pflegedienstes Medus, Hartmut Loots, nach mehr als 20 Jahren Erfahrung in der häuslichen Pflege schwerstkranker Menschen. Die Arbeit stelle auch an das Pflegepersonal – vor allem psychisch – besonders hohe Anforderungen. Hartmut Loots: „Eine solide Ausbildung reicht bei den in der Palliativpflege eingesetzten Mitarbeitern oft nicht aus. Man muss außerdem als Mensch gefestigt sein und über eine gewisse Lebenserfahrung verfügen.“

Die beste Pflege könne häufig nicht verhindern, dass die Betreuung zu Hause nicht mehr möglich sei. Wenn die Schmerzen auch mit Medikamenten nicht mehr auszuhalten seien oder sich der Betroffene psychisch am Ende fühle, könne eine stationäre Behandlung unabwendbar sein. Im „Fall der Fälle“ geht es dem Internisten und Oberarzt der Palliativstation im Evangelischen Krankenhaus Oldenburg, Dr. Rupert Bartner, vor allem darum, „dem Patienten die Beschwerden zu nehmen und ihm wieder Sicherheit und Lebensmut zu geben“.

Für unheilbar kranke Menschen sei das besonders wichtig. Dr. Bartner: „Wer nur noch Wochen oder Monate zu leben hat, freut sich über jeden lebenswerten Tag.“ Wenn sich der Betroffene nach einem Behandlungsmix unter anderem mit schmerzlindernden Medikamenten, Atem- und Entspannungstechniken, Physiotherapie und vielen Gesprächen wieder stark genug fühle, könne er die Palliativstation verlassen und wieder ambulant betreut werden. Im Palliativzentrum Oldenburg gelinge das in vier von fünf Fällen.

In der Palliativstation des Evangelischen Krankenhauses werden pro Jahr etwa 200 Patienten aus Oldenburg und den Umlandkommunen betreut. Die Koordinatorin des Palliativ-Stützpunktes Oldenburg, Christine Scheve, schätzt den Bedarf noch höher ein.

Wichtig sei eine umfassende Information der Bevölkerung und eine gute Kommunikation zwischen den Professionen. Die kurzen Wege würden es den Betroffenen und ihren Angehörigen ermöglichen, die für sie so wichtige Behandlung und Unterstützung zu bekommen.