OLDENBURG - Krebs ist trotz der positiven medizinischen Entwicklungen nach wie vor eine der häufigsten und gefährlichsten Erkrankungen. Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie (DGHO) ist ein bösartiger Tumor die Ursache für rund ein Viertel aller Todesfälle in Deutschland. Auch weil sich das Erkrankungsrisiko mit zunehmendem Alter erhöht, erwartet die DGHO mit dem ansteigenden Altersdurchschnitt auch eine Zunahme der Krebs-Diagnosen.
Gleichzeitig sei aber ein Rückgang der Sterblichkeitsrate zu erwarten. „Wir sind schon heute so weit, dass Krebs in immer mehr Fällen nicht mehr zu akuter Lebensgefahr führen muss, sondern wie eine chronische Erkrankung behandelt werden kann“, betont Prof. Dr. Claus-Henning Köhne, Ärztlicher Direktor des Onkologischen Zentrums im Klinikum Oldenburg. Eine Folge dieser Entwicklung ist, dass Krebspatienten – dank der gewonnenen Lebenserwartung – länger und umfassender behandelt werden müssen, betont Prof. Dr. Frank Griesinger, Koordinator des Cancer Centers Oldenburg im Pius-Hospital: „Der Bedarf für eine qualifizierte onkologische Versorgung wird weiter zunehmen, weil wir den Patienten zum Glück immer häufiger und immer besser helfen können.“
Drei Dutzend Einrichtungen
Entscheidend für die positive Entwicklung sei neben verträglicheren und wirksameren Medikamenten in der Chemotherapie, noch exakteren Diagnoseverfahren, neuen Therapien und Operationstechniken sowie einer gezielten Strahlentherapie insbesondere eine Optimierung des Behandlungsablaufs. Das Cancer Center im Pius-Hospital und das Onkologische Zentrum im Klinikum Oldenburg zählen zu den bundesweit rund drei Dutzend Einrichtungen, denen die DGHO per Zertifikat in diesem Punkt eine besonders große Fachkompetenz bescheinigt hat.
Voraussetzung für eine DGHO-Zertifizierung als Onkologisches Zentrum ist neben der medizinischen Qualität der einzelnen Abteilungen vor allem die interdisziplinäre Zusammenarbeit der verschiedenen Fachgebiete sowie möglichst auch eine enge Kooperation der ortsansässigen Krankenhäuser. Ein wichtiges Kriterium ist auch die Beteiligung der niedergelassenen Onkologen und Hämatologen, die häufig in die Therapie eingebunden sind und zum Beispiel die Nachbehandlung der Patienten übernehmen. „Das Ganze funktioniert in Oldenburg sehr gut, da alles zur Verfügung steht und genutzt wird, was für die Diagnose und Behandlung erforderlich ist“, sind sich Prof. Dr. Köhne und Prof. Dr. Griesinger einig. Oder ganz einfach gesagt: Die enge Verzahnung aller Beteiligten stellt sicher, dass der jeweilige Fall stets von den am besten geeigneten Fachleuten beurteilt und behandelt werden kann.
Relevante Gebiete beteiligt
In der Praxis funktioniert das im Pius-Hospital und im Klinikum unter anderem mittels regelmäßiger Tumorkonferenzen, in denen das Krankheitsbild jedes einzelnen Patienten gemeinsam von den Ärzten aus den relevanten Fachgebieten besprochen wird. Etwa bei einem Lungen- oder Darmkrebs sind dann neben den Onkologen und Operateuren auch die Fachleute aus der Pneumologie beziehungsweise der Gastroenterologie an der Beurteilung des Ist-Zustandes und der daraus folgenden Empfehlung für die weitere Behandlung beteiligt. Bei Bedarf können zeitnah weitere Fachkollegen hinzugezogen werden.
Das Prinzip „lückenlose Behandlung unter einem Dach aus einer Hand“ ermöglicht nicht zuletzt einen erheblichen Zeitgewinn bei der Diagnostik und der Therapie. Wenn dank einer reibungslosen Zusammenarbeit auch mit zuweisenden Hausärzten oder Onkologen sowie der im ambulanten oder im stationären Bereich durchgeführten Diagnostik frühzeitig alle Fakten auf dem Tisch liegen, können zum Beispiel unnötige Doppeluntersuchungen vermieden werden. Der Patient hat von Anfang an einen festen ärztlichen Ansprechpartner, bei dem alle Fäden zusammenlaufen.
Zur Betreuung in einem Onkologischen Zentrum zählt zum Beispiel auch die psycho-onkologische Hilfestellung sowie die Zusammenarbeit mit der Palliativstation des Evangelischen Krankenhauses, des durch niedergelassene Ärzte organisierten ambulanten Palliativdienstes sowie der Hospizeinrichtungen.
Das Cancer Center
und das Onkologische Center können wie eine Klammer für verschiedene onkologische Fachgebiete und Organzentren wirken. Eine Besonderheit ist in Oldenburg die krankenhausübergreifende Strahlentherapie, die – je nach Krebsart und Einzelfall – ein spezialisiertes Behandlungsverfahren ermöglicht. Dass das Pius-Hospital und das Klinikum jeweils eigene Behandlungsschwerpunkte bei der Behandlung einzelner Krebsarten setzen, ändert nichts an der guten Zusammenarbeit, so Prof. Dr. Frank Griesinger und Prof. Dr. Claus-Henning Köhne: „Letztlich profitiert der Patient davon, wenn die Kliniken ihre medizinische Kompetenz weiter stärken und diese Qualität gemeinsam nutzen.“Für eine effektive Behandlung der sehr unterschiedlichen Krebsarten ist jeweils spezielles Fachwissen erforderlich. Zwar kann ein Onkologe im Prinzip jede Krebsart behandeln. Weil aber sehr unterschiedliche Organe betroffen sein können, ist es sinnvoll, dass die Behandlung möglichst unter Beteiligung der Spezialisten des jeweiligen Fachgebiets erfolgt.
