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NWZonline.de Ratgeber Gesundheit

Oldenburger Experten zu Polyneuropathie: Was gegen das Kribbeln, Brennen und Stechen in den Füßen hilft

13.08.2022

Oldenburg Kalte Füße oder ein leichtes Kribbeln – das sind oft die ersten Anzeichen einer beginnenden Polyneuropathie. Diese Erfahrung hat auch Hans-Heinrich Fiedler vor etwa 15 Jahren gemacht. Als die Missempfindungen zunahmen, wandte er sich an verschiedene Ärzte, woraufhin die Diagnose recht schnell gestellt werden konnte. „Das ist aber nicht immer so, bei vielen Menschen bleibt eine Polyneuropathie oft über Jahre unerkannt“, berichtet der Oldenburger. „Ich habe mit vielen Betroffenen telefoniert, die sehr verzweifelt sind und einfach nicht mehr weiterwissen“, so der 80-Jährige, der selbst ebenfalls noch immer auf der Suche ist nach Methoden, die die Beschwerden dieser bislang zumeist unheilbaren Erkrankung lindern könnten, und um die oft massive psychische Belastung in dieser Situation weiß.

Nicht den Mut verlieren

„Bewegung und Ablenkung sind das A und O, um einigermaßen damit zurechtzukommen“, empfiehlt er nach nun jahrelanger Erfahrung mit den immer stärker werdenden Symptomen allen Erkrankten, die täglich mit ihren Beschwerden konfrontiert werden und dadurch auch ein hohes Maß an Lebensqualität einbüßen. So habe er von einer betroffenen Frau erfahren, dass ihr das wöchentliche Singen im Chor eine deutliche Beschwerdeminderung verschaffe. Er selbst macht jeden Morgen eine halbe Stunde Krankengymnastik und massiert seine Beine. „Und bloß nicht den Mut verlieren und alles ausprobieren, was vielleicht helfen könnte!“ Hans-Heinrich Fiedler ist inzwischen drinnen auf Gehhilfen und draußen auf einen Rollator angewiesen, da die starken Missempfindungen mittlerweile bis zum Knie gehen und zusätzlich eine Gleichgewichtsstörung hinzugekommen ist.

Ursachen oft unklar

Doch was genau ist eine Polyneuropathie eigentlich? Die stechenden Schmerzen und Taubheitsgefühle, das Brennen oder Kribbeln in den Extremitäten wie Füßen, Beinen, Händen und Armen können die unterschiedlichsten Ursachen haben. Hervorgerufen werden kann die Schädigung der peripheren Nerven, also solcher außerhalb des Rückenmarks und des Gehirns, durch Diabetes mellitus, Alkoholmissbrauch, bestimmte Infektionskrankheiten und Autoimmunerkrankungen aber auch durch die Folgen einer Chemotherapie aufgrund einer Krebserkrankung. „Auch bei mir laufen immer noch neurologische Untersuchungen, um die eigentliche Ursache herauszufinden“, erzählt Hans-Heinrich Fiedler. Da seine Schwester ebenfalls an Polyneuropathie erkrankt ist, sind auch genetische Gründe nicht auszuschließen.

Igelball und Wechselduschen

Ganz unterschiedlich sind die Ausprägungen der Beschwerden. „Besonders häufig sind die Füße betroffen, wobei dies oftmals mit Sensibilitätsstörungen verbunden ist. Wir raten den Patienten dann, die betroffenen Stellen unterschiedlichen Reizen auszusetzen“, so Svenja Ratzke, Physiotherapeutin mit neurologischer Ausbildung vom Gesundheitszentrum Physio & Sport in Oldenburg. „Sehr gut sind beispielsweise thermische Reize zur Erhöhung der Sensibilität, am besten durch Wechselduschen oder Fußbäder mit unterschiedlichen Temperaturen.“ Ebenfalls sehr zu empfehlen: Barfußlaufen auf verschiedenen Untergründen wie Fußboden oder Teppich, sodass die Haut auf ganz unterschiedliche Bedingungen reagieren kann. „Hervorragend zur Stimulation ist außerdem ein Igelball, der sich mit der Fußsohle bewegen lässt und gleichzeitig eine entspannende Massage bietet. Leider gibt es noch nicht diesen einen Weg, mit dem sich die Beschwerden lindern lassen – auch wenn auf diesem Gebiet viel geforscht wird.“

Unterstützendes Krafttraining

„Durch die herabgesetzten motorischen Nerven kann der Körper die Position seiner Gelenke nicht mehr eindeutig zuordnen, weshalb es zu Lähmungen, Muskelschwäche und herabgesetzten Reflexen kommen kann“, so Svenja Ratzke. Eine häufige Folge: Kraftdefizite, eine eingeschränkte Ausdauer oder Stürze. „Um die Mobilität zu erhalten und dem Patienten ein möglichst uneingeschränktes Leben zu ermöglichen, wird im Rahmen der Physiotherapie viel Wert auf ein adäquates Kraft- und Koordinationstraining gelegt. Auch Kurse zur Sturzprophylaxe sind hier sehr empfehlenswert, da Stürze schwerwiegende Folgen haben können. Insgesamt ist es ratsam, als Betroffener einen bewegten Alltag zu führen, um die Muskulatur und die Körperfunktionen zu fördern und zu erhalten.“

NWZonline.de/gesundheit
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