• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Ratgeber Gesundheit

Projekt Am Klinikum Oldenburg: Mit Videobrille erfolgreich gegen Juckreiz

08.05.2019

Oldenburg Bestimmte Videobrillen sind normalerweise vor allem bei Spielern von Videospielen im Einsatz. Doch in der Dermatologie am Klinikum Oldenburg schauen jetzt auch Patienten Filme über diese kleinen, handlichen Geräte – aus therapeutischen Gründen.

Wie ablenkend ein guter Film sein kann, das wissen die meisten Menschen aus eigener Erfahrung. Und genau dieser Effekt kommt jetzt auch Patienten zugute, die unter starkem Juckreiz leiden. „Wir hätten nicht gedacht, dass das so gut funktioniert“, sagt Prof. Dr. Ulrike Raap, Direktorin der Universitätsklinik für Dermatologie.

Zufällig entdeckt

Hinzu komme, dass Raap und ihr Team fast zufällig auf diese Art der Juckreiz-Therapie gestoßen sind. „Eigentlich suchten wir nach Alternativen in der Schmerztherapie“, erklärt Raap. „Die Brille wird bereits in den USA in der Schmerztherapie und in Verbrennungsstationen eingesetzt, um weniger morphinhaltige Medikamente, sogenannte Opioide, geben zu müssen“, so Dr. Carsten Bantel, Oberarzt der Klinik für Anästhesiologie, Intensiv, Notfallmedizin und Schmerztherapie im Klinikum.

Weniger Opiate

Weniger Opiate für Schmerzpatienten waren auch das Ziel, welches an der Dermatologie verfolgt werden sollte. Doch da haben Raap und ihr Team, vor allem der studierte Krankenpfleger und Stationsleiter Matthias Wilke, die Rechnung ohne die Bettnachbarn gemacht.

Bei den ersten Versuchen, in denen verschiedene Brillen zum Einsatz kamen, zeigten sich nämlich auch einige Juckreiz-Patienten, die mit den eigentlichen Probanten auf einem Zimmer lagen, interessiert an der Brille. Da diese mobil und handlich ist, sprach auch nichts dagegen, dass die Juckreiz-Geplagten das Gerät auch aufsetzen.

Neue Erkenntnisse

Dieser Test aus Neugierde schlug, sehr zur Überraschung von Wilke und Raap, schnell in Begeisterung um. Selbst Patienten, die unter starkem, regelmäßigem Juckreiz leiden, hätten von deutlicher Linderung gesprochen. „Damit war auch schnell die Idee geboren, dies zum einen wissenschaftlich aufzuarbeiten und zum anderen unseren Patienten diese Möglichkeit mit anzubieten“, erklärt Wilke. Und so wurde aus dieser neuen Art der Therapie ein, soweit Raap weiß, deutschlandweit einzigartiges Projekt.

Die Idee, überhaupt Videobrillen zu testen, hatte übrigens Wilke. Ein Innovationsgeist, den seine Chefin ausdrücklich begrüßt. Im Test zwischen Virtual-Reality, Augmented-Reality und Video gewann bei den Patienten dann deutlich die Videobrille. Die beiden anderen Systeme machten „eher unruhig, da sie zum Mitmachen und Umherschauen animieren“, so Wilke. Anders die Videobrille, die sich mit einem Kinobesuch als einziger Gast vergleichen lässt. „Die Patienten melden zurück, dass es entschleunigt und entspannt“, sagt der Stationsleiter. Das Besondere sei, dass die Brille für alle Altersklassen geeignet ist.

Und auch für verschiedene Geschmäcker, denn vom Hollywoodklassiker über Kinderserien bis hin zu Naturdokumentationen kann ein abwechslungsreiches Programm über die Videobrille geschaut werden.

Innovation gewünscht

Dass es in der Dermatologie solche Innovativen und neuen Behandlungsansätze gibt, führt Raap darauf zurück, dass in Oldenburg „Universitätsklinik nicht nur dran steht, sondern innen auch gelebt wird“. Eine Einstellung, die Raap seit ihrem Start in Oldenburg vor zweieinhalb Jahren auch fördere.

Einzigartiges Projekt

Derzeit wird das Projekt der Videobrille aus Drittmitteln der Dermatologie finanziert. Dass Juckreiz in der Universitätsklinik für Dermatologie ein beachtetes Symptom ist, wird spätestens durch die weitere Förderung der Arbeitsgruppe von Prof. Raap deutlich, die unter anderem über die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert wird. Raap gehört aufgrund ihrer Expertise zu einer nationalen Forschungsgruppe, die zum Thema Juckreiz forscht – und ist auch darüber hinaus eine der wenigen Expertinnen auf dem Gebiet. „Die Förderung dieser Forschungsgruppe, zu der meine Arbeitsgruppe gehört, ist in der Humanmedizin hier am Standort einzigartig“, so Raap. Darüber hinaus sei das Klinikum Oldenburg, so Wilke, in einem Umkreis von fast 200 Kilometern auch die einzige Klinik, die die Brillen überhaupt im Einsatz habe.

Studie geplant

Was genau im Gehirn der Patienten ausgelöst wird und welche Art von Juckreiz sich mit der Brille am besten behandeln lässt, das wollen Raap und ihr Team jetzt erforschen. An rund 150 Frauen und Männern, die in der Dermatologie behandelt werden, soll diese Form der Therapie getestet werden.

Stärke Nutzung

Das Team der Dermatologie erhofft sich unter anderem Hinweise darauf, bei welcher Art von Juckreiz die Videobrille besonders gut funktioniert. Zudem wird die Zusammenarbeit mit weiteren Abteilungen im Klinikum Oldenburg intensiviert, damit die Brille auch in anderen Bereichen eingesetzt werden kann.

NWZonline.de/gesundheit
Alles zum Thema Gesundheit finden Sie hier!

Claus Arne Hock Redakteur / Online-Redaktion
Rufen Sie mich an:
0441 9988 2154
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.