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NWZonline.de Ratgeber Gesundheit

Schadstoffe: Reine Atemluft gibt es nicht

29.08.2017
NWZonline.de NWZonline 2017-08-29T08:49:59Z 280 158

Schadstoffe:
Reine Atemluft gibt es nicht

Oldenburg Wie wichtig die Atemluft fürs (Über)-Leben ist, wird an aktuellen Zahlen der Weltgesundheitsorganisation WHO deutlich. Ein Mensch mit einer durchschnittlichen Lebenserwartung nimmt von der Geburt bis zum Tod demnach rund 350 000 Kilogramm Luft zu sich, was zehnmal so viel ist wie die in dieser Zeit aufgenommene Nahrung. Bei einem Verzicht auf die Zufuhr von Flüssigkeit und fester Nahrung kann man durchaus einige Tage ohne bleibende gesundheitliche Schäden überstehen, erklärt Dr. Regina Prenzel, Direktorin der Klinik für Innere Medizin, Pneumologie und Gastroenterologie im Pius-Hospital Oldenburg: „Ohne die Versorgung mit Atemluft kann der Mensch dagegen allenfalls einige Minuten Überleben.“

Verursacher in der Natur

Die uns umgebende Luft besteht aus einem Gasgemisch mit relativ konstant verteilten Anteilen. 78 Prozent davon ist gesundheitlich unbedenklicher Sickstoff. 21 Prozent ist Sauerstoff, der vom Organismus für einen funktionierenden Stoffwechsel benötigt wird. Die Restmenge von rund einem Prozent enthält in teilweise sehr geringen Anteilen mehrere verschiedene Stoffe, die vom Kohlendioxid bis zu Edelgasen wie Argon, Helium, Neon, und Krypton reichen. Der beim Einatmen aufgenommene Sauerstoff wird in den Körperzellen umgewandelt und das entstehende Kohlendioxid mit dem Ausatmen wieder abgegeben. Die Atemluft kann zusätzlich sehr unterschiedliche Schadstoffe enthalten, die ganz natürlich von der Natur oder durch vom Menschen genutzte Technik erzeugt werden.

Eine absolut emissionsfreie und für die Gesundheit unschädliche Luft gibt es selbst in einer von Autos und anderen Schadstoffverursachern befreiten Umgebung nicht. Denn auch in der Natur gibt es eine Vielzahl von Stoffen in der Luft, die gesundheitliche Probleme bereiten können. Neben Bakterien und Viren zählen dazu unter anderem Pilzsporen und Pollen, die Allergien bis hin zu schweren Asthma-Anfällen auslösen. Abgesehen von diesen bei Allergikern häufig akut auftretenden Beschwerden muss man damit rechnen, dass stark schadstoffbelastete Luft gesundheitliche Langzeitschäden verursacht.

In der Wissenschaft ist heute unbestritten, dass eine Reihe von Schadstoffen nicht nur das Entstehen von Lungenerkrankungen, sondern auch von Herz-Kreislaufstörungen wie Schlaganfall oder Herzinfarkt begünstigen. Bei vielen Stoffen wie zum Beispiel Feinstaub führen schon sehr geringe aufgenommene Mengen auf Dauer zu einer erhöhten Erkrankungsgefahr, berichtet Dr. Prenzel: „Die Problemstoffe sammeln sich in den Zellen und Gefäßen an und können dort früher oder später Entzündungen verursachen, die im schlimmsten Fall einen bösartigen Tumor zur Folge haben.“

Medizinisches Problem

Insbesondere in Ballungsräumen mit viel Autoverkehr ist neben den von Motoren produzierten Stickstoffoxiden vor allem der durch die Verbrennung von Dieselkraftstoff entstehende Feinstaub ein ernstzunehmendes medizinisches Problem in der Außenluft. „Dessen Partikel sind so klein, dass sie nicht von dem natürlichen Reinigungssystem der Lunge abgefangen werden und somit direkt die besonders empfindlichen Lungenbläschen erreichen können“, erklärt Dr. Prenzel. Ähnlich wie beim Rauchen werden dadurch permanent Entzündungsprozesse ausgelöst, was wiederum für eine Dauer-Aktivierung des natürlichen Abwehrsystems und schädliche Zusatzbelastung des Organismus sorgt. Neben der Lunge und dem gesamten Atemsystem können andere Organe geschädigt werden, da die entzündungsauslösenden Partikel auch in die Blutbahn gelangen und von dort aus alle Gefäße des Körpers erreichen.

Besonders schädlich ist eine hohe Feinstaubbelastung für Kinder und ältere Menschen, die gesundheitlich angeschlagen sind. So zeigt eine jüngst in Schweden veröffentlichte wissenschaftliche Studie, dass die Belastung bei Kleinkindern eine verminderte Entwicklung der Lunge bewirken kann. Bei den Betroffenen wurde unter anderem ein geringeres Lungenvolumen als bei Gleichaltrigen nachgewiesen.

Zigarettenrauch ist der gefährlichste Schadstoff im Wohnungsinnenraum. „Wer zu Hause raucht, sollte sich dessen bewusst sein, dass man mit jedem Zug eine Vielzahl krebserregender Stoffe aufnimmt“, betont Dr. Regina Prenzel. Das gelte auch für Menschen, die mit einem Raucher zusammenleben. Besonders schädlich ist Passivrauchen für Kleinkinder, weil deren Organe und Immunsystem noch nicht vollständig ausgebildet sind.

Für Raucher selbst ist es eine Illusion, dass ein Umstieg auf E-Zigaretten oder Shisha-Konsum eine gesündere Alternative ist. Denn auch dabei entstehen Schadstoffe, die tief in die Lunge eindringen und unter anderem für ein erhöhtes Krebsrisiko sorgen.

Hausstaub, Tierhaare oder Pflanzenpartikel in der Wohnungsluft sind oft für allergische Reaktionen verantwortlich, die Betroffene mitunter lebenslang begleiten. Die wichtigste Schutzmaßnahme ist die Allergenvermeidung. Dies gelingt nicht immer. So fällt es vielen Betroffenen etwa bei einer Allergie auf Katzenhaare schwer, sich von dem Tier zu trennen.

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