Oldenburg - Die auf lange Erfahrungswerte basierende Lehre der traditionellen chinesischen Medizin geht von der Einheit von Körper, Geist und Umwelt aus. Ein durch innere oder äußere Faktoren erzeugtes Ungleichgewicht kann demnach zu Störungen des Wohlbefindens führen und letztlich auch Erkrankungen zur Folge haben. Entscheidender Grundsatz der TCM ist, dass sie in erster Linie auf eine Aktivierung und Stärkung der Selbstheilungskräfte setzt. Wer mithilfe der TCM-Grundsätze in einem seelischen und körperlichen Gleichgewicht lebt, soll neben mehr Lebensqualität auch eine bessere Gesundheit gewinnen können.
Prägende Grundsätze sind neben den fünf Elementen Erde, Feuer, Holz, Metall und Wasser vor allem die chinesischen Begriffe Qi, Yin und Yang, die ins Deutsche übersetzt so viel wie Energiefluss sowie das zugleich Ergänzende und Gegensätzliche bedeuten. Mit Qi wird die Lebensenergie, mit Yin und Yang die allen Dingen innewohnende Polarität beschrieben.
Funktionskreis stärken
Den fünf Elementen werden in der TCM besondere Eigenschaften zugeordnet, die jeweils mit verschiedenen Beschwerden oder Krankheitsanzeichen korrespondieren können. Ein TCM-Arzt kann demnach an den vom Patient geschilderten Symptomen erkennen, in welchem der fünf Funktionskreise eine Störung vorliegt. Die traditionelle chinesische Medizin könne in entsprechenden Fällen mehrere Behandlungsmöglichkeiten nutzen, um den gestörten Funktionskreis zu stärken und ins Gleichgewicht zurückzubringen.
TCM-Methoden sind in asiatischen Ländern bei einer Vielzahl von Erkrankungen eine wichtige Therapiegrundlage. In Deutschland haben sich Behandlungsmöglichkeiten aus der traditionellen chinesischen Medizin mit vielfach gutem Erfolg als ergänzende Therapie zum Beispiel bei Funktionsstörungen und Schmerzen des Bewegungsapparats sowie bei Allergien durchgesetzt. Gute Ergebnisse gebe es oft auch bei der Behandlung von Schlafstörungen und bei Magen-/Darmproblemen. „In China und in unserer Abteilung wird die TCM als Bestandteil der sogenannten integrativen Medizin angewendet“, berichtet Dr. Thomas Rampp, Oberarzt an den Kliniken Essen-Mitte.
Zu den auch von der Schulmedizin etwa im Rahmen der Schmerztherapie anerkannten Behandlungsmethoden zählt insbesondere die Akupunktur. Eine wichtige Rolle spielen bei der TCM zudem die Kräuter- und die Ernährungstherapie sowie verschiedene Bewegungs- und Entspannungstechniken wie Tai Chi oder Qi Gong.
Die auch in westlichen Ländern anerkannte Akupunktur beruht auf dem Prinzip, dass der Organismus seine Informationen über im gesamten Körper verlaufende Nervenbahnen bezieht und in die Muskeln sowie andere Gewebe- und Organstrukturen verteilt. Der so funktionierende Energiefluss erfolgt auf unterschiedlich langen, miteinander verbundenen Längsbahnen – den sogenannten Meridianen. Wenn der natürliche Energiefluss in den Meridianen gestört oder unterbrochen ist, können sich Beschwerden oder Erkrankungen einstellen.
Energiefluss anregen
Das Prinzip der Akupunkturbehandlung geht davon aus, dass Beschwerden und Erkrankungen letztlich infolge eines gestörten Energieflusses entstehen. Durch das Setzen einer Akupunkturnadel auf einen mit dem jeweiligen Problem korrespondierenden Meridianbereich kann der stockende Energiefluss angeregt und wieder in Gang gesetzt werden. Dafür werden die wie ein elektrisches Leitungssystem funktionierenden Nervenbahnen genutzt, die den Körper vom Gehirn bis zu den Finger- und Zehenspitzen in jedem Bereich durchziehen.
Eine fachgerecht ausgewählte und gesetzte Akupunkturnadel löst einen Reflexreiz der über das Rückenmark bis ins Gehirn geleiteten Nerven aus. Dieser signalisiert dem Organismus, dass es genau in dem mit dem Akupunkturpunkt korrespondierenden Bereich ein Problem gibt. Das so alarmierte körpereigene Abwehrsystem wird sich dann automatisch mit ganzer Kraft um den Problembereich kümmern.
Die Wirkung der Akupunktur basiert auf einer Stärkung der körpereigenen Selbstheilungskräfte, die – praktisch durch gezielten Nadelstich – mit der Aktivierung des Immunsystems angeregt werden. Wo die über den gesamten Körper verteilten insgesamt 365 Akupunkturpunkte zu finden sind, ist genau in TCM-Schaubildern aus China verzeichnet. Zum Beispiel befinden sich die wichtigsten Punkte des für den Magenbereich verantwortlichen Meridians direkt unterhalb des Knies an der Außenseite des linken Unterschenkels.
Die Auswahl der Akupunkturnadeln hängt von der Art und Ausprägung des jeweiligen gesundheitlichen Problems ab. Während bei leichteren Beschwerden der Einsatz von sehr feinen, wenige Zentimeter kleinen Nadeln ausreichen kann, müssen etwa zur Auflösung tief sitzender Muskelverspannungen deutlich längere und dickere Nadeln eingesetzt werden. Viele Patienten können mithilfe der Akupunktur eine klare Symptomlinderung erreichen. Oft sei damit sogar eine Befreiung von den Beschwerden möglich.
