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NWZonline.de Ratgeber Gesundheit

Ärztliche Versorgung sichern

02.01.2018

Oldenburg Die Bundesärztekammer definiert die Telemedizin als Sammelbegriff für verschiedene ärztliche Versorgungskonzepte. Gemeinsames Ziel ist dabei, die medizinische Gesundheitsversorgung in den Bereichen Diagnostik, Therapie und Rehabilitation sowie bei der ärztlichen Entscheidungsberatung mithilfe moderner Informations- und Kommunikationstechnologien sicherzustellen.

Breites Einsatzspektrum

Das Einsatzspektrum umfasst inzwischen fast alle medizinischen Fachgebiete. Zum Beispiel werden Schlaganfall-Patienten heute in mehreren Bundesländern in Tele-Stroke-Units behandelt, wenn keine reguläre Stroke-Unit in erreichbarer Nähe des Patienten ist. Weitere telemedizinische Verfahren werden aktuell wissenschaftlich untersucht und als Pilotprojekt erprobt. „Telemedizinische Anwendungen stellen in vielen Bereichen einen Mehrwert für Patienten dar“, betont die Bundesärztekammer. Sie sei eine wichtige Zukunftsaufgabe für die Ärzteschaft und müsse aktiv gestaltet werden.

Das Klinikum Oldenburg betreibt im Rahmen des Projekts WINDEAcare seit März 2015 eine Zentrale für Telemedizin. Der Fokus liegt auf der Versorgung der Patienten, die in der Nord- und Ostsee auf Offshore-Windkraftanlagen arbeiten. Zwar ist dort stets ein Notfallsanitäter vor Ort, der Erste Hilfe und Maßnahmen zur Stabilisierung des Patienten leisten kann, aber keine ärztliche Beurteilung bei einer Erkrankung oder Unfallverletzung. Der erforderliche Arzt ist viele Seemeilen entfernt. Ein Notarzt muss per Hubschrauber zum Einsatzort gebracht werden, was bis zu einer Stunde dauern kann.

Diesen Zeitverlust gibt es dank des WINDEAcare-Projekts nicht mehr. Die Telemedizin-Zentrale im Klinikum Oldenburg ist an 365 Tagen im Jahr rund um die Uhr besetzt, um im Notfall sofort und sicher zu helfen. „Wir sind direkt mit dem Patienten verbunden, können in Echtzeit mit ihm sprechen, Messwerte übertragen und ihn per Bildschirm genau begutachten“, erklären der ärztliche Leiter Dr. Daniel Overheu und Klinikdirektor Prof. Dr. Andreas Weyland.

Die Telemedizin-Zentrale in Oldenburg sei stets von einem Anästhesisten mit weitreichender Erfahrung in der Notfallmedizin besetzt. Das Team besteht aus Ärzten der Universitätsklinik für Anästhesiologie/Intensivmedizin/Notfallmedizin/Schmerztherapie am Klinikum Oldenburg. Im Bedarfsfall können zeitnah Fachärzte aus allen anderen Bereichen der Klinik herangezogen werden.

Die Oldenburger Telemedizin-Zentrale ist für mehr als 3500 Offshore-Mitarbeiter zuständig, die auf einer Windkraftanlage oder einem Schiff in der deutschen Nord-oder Ostsee arbeiten. Seit Projektbeginn hat es rund 240 Einsätze für die Telemedizin-Zen­trale gegeben. Längst nicht immer geht es dabei um lebensbedrohliche Akut-Vorfälle wie Herzinfarkt, Schlaganfall oder eine schwere Verletzung, die einen Notfall-Einsatz erforderlich machen.

Wie beim Hausarzt

Ähnlich wie in einer normalen Hausarzt-Praxis hatte es das Telemedizin-Team in den meisten Fällen mit Pro­blemen des Atmungssystems wie einer Bronchitis oder Lungenentzündung zu tun. Auf den nächsten Plätzen folgen Verletzungen an der Hand oder am Arm, starke Rückenschmerzen bis hin zum Bandscheibenvorfall sowie Magen- und Darmprobleme. Die Versorgungskette ist im Fall einer Erkrankung oder Verletzung klar geregelt. Der Betroffene wendet sich zunächst an den vor Ort anwesenden Notfallsanitäter, der dann die von den Johannitern betriebene Offshore-Leitstelle Ventusmedic verständigt. Die leitet den Fall an die Telemedizin-Zentrale im Klinikum Oldenburg weiter, die – gestützt auf die Live-Bilder und das Gespräch mit dem Patienten und dem Notfallsanitäter – eine fachgerechte Diagnostik durchführen und den Behandlungsplan festlegen kann. Wie bei einem Hausarztbesuch werden dabei die Vitalfunktionen wie Blutdruck, Herzfrequenz oder Puls gemessen und vom per Bildschirm angeschlossenen Arzt beurteilt.

Was danach passiert, hängt von der Art und Schwere des Vorfalls ab. Bei einer Erkältung oder Magenverstimmung kann die Verordnung einer Erholungspause nebst symptomlindernden Medikamenten ausreichen. Es kann aber auch sein, dass umgehend eine notärztliche Versorgung eingeleitet werden muss.

Die Bedeutungder Telemedizin wird im Gesundheitswesen nach Einschätzung der Ärzteschaft in Zukunft weiter zunehmen. Eine aktuelle Umfrage des Allensbach-Instituts unter 598 niedergelassenen und im Krankenhaus beschäftigten Ärzten zeigt, dass rund 87 Prozent der Befragten von einem Bedeutungszuwachs ausgeht. Dabei wird die Bedeutung für den eigenen Arbeitsplatz aber unterschiedlich eingeschätzt. Während 80 Prozent der Krankenhausärzte davon meinen, dass die Telemedizin künftig eine größere Rolle im Klinikalltag spielen wird, erwarten das nur 48 Prozent der niedergelassenen Ärzte für ihre Praxis.

Einen großen Nutzen durch den Einsatz der Telemedizin sehen die befragten Ärzte vor allem in den Bereichen Teleradiologie, Telekonsultation und Telemonitoring. Etwa drei Viertel der Befragungsteilnehmer glauben, dass die Telemedizin generell Vorteile mit sich bringt. Zum Beispiel erwartet eine deutliche Mehrheit der befragten Ärzte, dass die integrierte fachübergreifende Versorgung der Patienten mittels Telemedizin wesentlich erleichtert wird.

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