Oldenburg - Eine Multiple Sklerose (MS) kann sich mit sehr unterschiedlichen Symptomen und Verläufen bemerkbar machen. Sicher ist, dass sie die weltweit am weitesten verbreitete Autoimmunerkrankung des zentralen Nervensystems ist- Nach Angaben der Internationalen Multiple Sklerose Vereinigung leben allein in Deutschland rund 252000 Menschen mit einer mehr oder weniger stark ausgeprägten MS-Erkrankung, wobei pro Jahr etwa 15000 Fälle neu diagnostiziert werden. Der Großteil der Betroffenen erkrankt zwischen dem 20sten und dem 50sten Lebensjahr. Es gibt aber auch Fälle im Kindes- und Jugendalter sowie die erst im höheren Alter auftreten. Zu 72 Prozent sind Frauen betroffen.
Erste Anzeichen können neben motorischen Störungen und Schmerzen vor allem in den unteren Extremitäten auch plötzlich auftretende Sehprobleme sein, bei denen die vom Auge aufgenommenen Bilder nur noch verschwommen oder wie durch eine Nebelwand gesehen werden. Möglich ist auch ein Kribbeln oder Taubheitsgefühl der Haut sowie ein schlecht kontrollierbarer Harndrang, der sich im weiteren Erkrankungsverlauf bis hin zur Inkontinenz verschlimmern kann, erklärt die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft.
Typische körperliche Symptome einer fortgeschrittenen MS sind darüber hinaus spastische Lähmungserscheinungen insbesondere an den Beinen, immer wiederkehrende Schwindelgefühle und eine auch als Fatigue-Syndrom bekannte reduzierte Belastbarkeit mit dauernder Müdigkeit und Abgeschlagenheit.
Aufwendige Diagnostik
Da viele MS-Beschwerden auch durch andere Erkrankungen ausgelöst werden können, sind mitunter aufwendige Untersuchungen nötig, bis die Diagnose sicher feststeht. Abhängig von ihrem Verlauf muss eine MS zwar nicht zwingend mit einer Verringerung der Lebenserwartung verbunden sein, berichtet Prof. Dr. Karin Loser, Leiterin der Abteilung für Immunologie im Department für Humanmedizin an der Universität Oldenburg: „Eine Multiple Sklerose bewirkt aber sehr oft eine starke Verschlechterung der Lebensqualität und kann bei einem schweren Verlauf zu einem Verlust der Eigenständigkeit im Alltag führen.“
Eine Heilung ist nicht möglich. Mit verbesserten Behandlungsmöglichkeiten, die eine individuelle, an den Verlauf, die Krankheitsaktivität und das persönliche Risikoprofil angepasste Therapie erlauben, können MS-Beschwerden aber bei immer mehr Patienten gelindert und das Fortschreiten der Erkrankung zumindest für einen gewissen Zeitraum gebremst werden.
MS-Marker finden
Für eine zuverlässige Diagnose ist zunächst eine umfassende Anamnese wichtig, bei der die Symptome und die Krankheitsgeschichte präzise geschildert werden. Darauf basierend kann der Hausarzt und vor allem ein hinzugezogener Neurologe neben einer körperlichen Untersuchung verschiedene neurologische Test durchführen. Belastbare Ergebnisse über die Entzündungsaktivität im zentralen Nervensystem kann eine MRT-Untersuchung mit standardisierten Sequenzen bringen. Sinnvoll kann auch eine Lumbalpunktion sein, die eine Untersuchung des Nervenwassers auf typische MS-Marker möglich macht..
„Meistens ist das Ganze eine Differenzialdiagnostik, mit der andere Erkrankungen nach und nach ausgeschlossen werden können“, erklärt Prof. Karin Loser. Bis zu einer zweifelsfrei gesicherten MS-Diagnose können deshalb mitunter Monate vergehen.
