Oldenburg - Herzpoltern und ein Engegefühl in der Brust, das von Kurzatmigkeit, vermehrtem Schwitzen sowie einem Angst-, Schwäche- und Schwindelgefühl begleitet sein kann: Erkennbare Symptome für ein Vorhofflimmern können in unterschiedlichen Schweregraden einzeln oder gemeinsam auftreten. Die jeweiligen Episoden können nur Minuten, aber auch mehrere Stunden und Tage oder sogar dauerhaft anhalten.
Vor allem, wenn die Beschwerden kaum bemerkt werden oder immer wieder vorübergehen, bleiben sie oft für lange Zeit unbehandelt. „Ein Vorhofflimmern verursacht häufig keine oder nur mäßige Beschwerden. Mitunter wird erst nach einem Schlaganfall festgestellt, dass eine Herzrhythmusstörung vorliegt“, berichtet Priv.-Doz. Dr. Hanno Oswald, Oberarzt in der Universitätsklinik für Innere Medizin – Kardiologie im Klinikum Oldenburg.
Das Vorhofflimmern ist zwar selbst keine lebensbedrohliche Erkrankung. Ohne eine frühzeitige qualifizierte Behandlung begünstigt diese chronisch verlaufende Form einer Herzrhythmusstörung aber das Entstehen einer Herzschwäche und eines Schlaganfalls, der in Deutschland zu den häufigsten Ursachen für eine Pflegebedürftigkeit oder den Tod zählt.
Zu schnelle Frequenz
Zudem können die Beschwerden selbst sehr unangenehm sein und dem Betroffenen das Leben zur Qual machen. Die Symptome treten zu Beginn meistens nur kurz auf und werden dann oftmals Stress oder einem aufregenden Ereignis zugeschrieben. Später treten die Krankheitssymptome zumeist stärker und häufiger auf. Bei einem schweren Verlauf werden sie schließlich zu einem permanenten Begleiter. Das entscheidende Problem bei einem Vorhofflimmern ist, dass die Herzfrequenz immer wieder zu schnell oder zu langsam ist. Auslöser sind fehlerhafte elektrische Signale, die eine beschleunigte und unregelmäßige Kontraktion der auch als Vorhöfe bezeichneten Herzhöhlen bewirken. Infolge der unregelmäßigen Herzschläge staut sich das Blut in den Vorhöfen, weil nur ein Teil des ankommenden Bluts in die Herzkammern gepumpt werden kann.
„Durch die Taktstörung ist die effektive Pump-Funktion des Herzens nicht mehr sichergestellt“, erklärt Dr. Oswald. Das Erkrankungsrisiko steigt mit dem Alter deutlich an. Während die Erkrankung bei Kindern und Jugendlichen sehr selten ist, muss ab 40 jeder Vierte damit rechnen, im weiteren Verlauf seines Lebens ein mehr oder weniger stark ausgeprägtes Vorhofflimmern zu entwickeln. Fachgesellschaften wie das Kompetenznetz Vorhofflimmern gehen davon aus, dass bundesweit fast zwei Millionen Frauen und Männer unter dieser Form einer Herzrhythmusstörung leiden.
Lebensstil ist wichtig
Das Vorhofflimmern kann sich ohne Vorboten wie aus heiterem Himmel bemerkbar machen, stellt sich aber vermehrt bei verschiedenen Vorerkrankungen ein. Mit einem erhöhten Risiko müssen unter anderem Menschen mit Bluthochdruck, einem Diabetes mellitus und einer Überfunktion der Schilddrüse rechnen. Nicht zuletzt wirken sich auch ein übermäßiger Alkoholkonsum und starkes Übergewicht negativ aus. Um das Risiko für eine Herzrhythmusstörung – und damit für einen Schlaganfall – zu verringern, müssen begünstigende Erkrankungen früh behandelt werden. Auch der Lebensstil spielt eine wichtige Rolle, betont Dr. Oswald: „Mit körperlicher Bewegung, dem Abbau von Übergewicht und maßvollem Alkoholkonsum kann man seinem Herz etwas Gutes tun.“
Bei der Behandlung des Vorhofflimmerns kommt es zugleich darauf an, das Risiko für einen Schlaganfall zu senken und die Beschwerden – wenn vorhanden – zu mildern oder ganz zu beseitigen. Dafür muss der Patient in der Regel gerinnungshemmende Medikamente einnehmen. Um eine Schädigung des Herzmuskels zu verhindern, sollten zusätzlich Medikamente eingenommen werden, mit denen der Ruhepuls bei maximal 110 Schlägen pro Minute gehalten wird. Zusätzlich kann es sinnvoll sein, mittels spezieller Medikamente oder einer Katheterablation im Herzinneren auf eine Normalisierung der Herzfrequenz hinzuwirken.
Bei herzgesunden Menschen sorgt die Pumpleistung des Herzens für einen pulsierenden Blutkreislauf, über den Sauerstoff und Nährstoffe transportiert werden, die zur Versorgung aller Organe benötigt werden. Mit 60 bis 90 Herzschlägen werden vom Herzen aus in jeder Minute rund vier bis sechs Liter Blut durch den Organismus geleitet. Das bei Erwachsenen 300 bis 500 Gramm schwere Herz ist ein Hochleistungsmotor, bei dem jede Störung eine akute Lebensgefahr bedeuten kann.
Der Impuls für eine Herzkontraktion erfolgt normalerweise durch einen regelmäßigen elektrischen Reiz, der durch ein als Sinusknoten bezeichnetes Nervengeflecht im rechten Vorhof des Herzens ausgelöst wird. Beim Vorhofflimmern kommt es dagegen zu einer chaotischen Rhythmusstörung, die im Herzvorhof eine viel zu schnelle, ungeordnete Erregung erzeugt. Die beschleunigte Vorhofaktion wird zwar durch den sogenannten AV-Knoten abgebremst, bevor sie die Herzkammer erreicht, sorgt aber für eine oft krankhaft erhöhte, unregelmäßige Herzfrequenz.
