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Panikattacken Wie Außenstehende am besten helfen können

Elena Hartmann
Wie kann ich dir helfen? Weil Menschen während einer Panikattacke unterschiedliche Bedürfnisse haben können, lohnt es, diese Frage zu stellen.

Wie kann ich dir helfen? Weil Menschen während einer Panikattacke unterschiedliche Bedürfnisse haben können, lohnt es, diese Frage zu stellen.

dpa-tmn

Mannheim/Berlin - Das Herz schlägt immer schneller. Der Atem bleibt weg. Der Körper schwitzt und zittert: Eine Panikattacke kommt mit Wucht. Und sie fühlt sich für Betroffene oft an wie: „Ich muss sterben – jetzt.“ Wer als Arbeitskollegin, als Freund oder als gute Bekannte eine Panikattacke mitbekommt, weiß oft nicht, was er oder sie nun am besten tun soll. Zwei Psychologinnen verraten, worauf es ankommt.

Das sind die Anzeichen

Da Panikattacken unterschiedliche Symptome haben können, ist es für Außenstehende manchmal schwierig zu erkennen, ob tatsächlich eine vorliegt. „Betroffene haben das Gefühl, ohnmächtig oder verrückt zu werden oder gar zu sterben“, beschreibt die Ärztin und Therapeutin Mirriam Prieß. Wenn jemand von einem starken Herzklopfen oder -rasen oder einem Engegefühl in der Brust mit Atemnot berichtet, kann dahinter eine Panikattacke stecken. Auftreten können auch Übelkeit, Zittern, Taubheits- oder Kribbelempfindungen sowie Schwächegefühle in den Gliedmaßen. Außerdem Schwindel und damit einhergehend das Gefühl, ohnmächtig zu werden, wie Lisa Naab von MHFA Ersthelfer sagt. Das ist eine Organisation, die über Erste Hilfe bei psychischen Problemen aufklärt. Weil die Symptome denen eines Herzinfarktes ähneln, lautet der Rat: Wenn die Person noch nie eine Panikattacke hatte und selbst nicht glaubt, dass sie eine Panikattacke hat, gilt das Vorgehen für körperliche Notfälle. Heißt: Außenstehende wählen den Notruf 112. Panikattacken können als Reaktion auf einen bestimmten Auslöser, einen sogenannten Trigger auftreten, zum Beispiel eine Prüfungssituation. Doch nicht immer gibt es so einen bewussten Trigger, sagt Lisa Naab. Deswegen kann eine Panikattacke komplett unerwartet passieren – sowohl für Außenstehende als auch für die betroffene Person.

Drei Dinge, die Außenstehende nicht tun sollten

Eine Panikattacke kann sich aus dem Nichts aufbauen – und auch Außenstehende verunsichern. Drei Fallstricke im Überblick:

Fehler 1: Die betroffene Person nicht fragen, was sie möchteVor allem bei einer fremden Person gilt: Zeigt sie Anzeichen einer Panikattacke, sollte man zunächst fragen, ob sie überhaupt Hilfe und Beistand möchte. Dazu rät Lisa Naab von der Organisation MHFA Ersthelfer. Denn manche Personen wollen in Ruhe gelassen werden. Ganz alleine sollten sie aber nicht bleiben. Tipp: Der Person sagen, dass man auf Distanz bei ihr bleibt und jederzeit ansprechbar ist, bis es ihr besser geht.

Fehler 2: Die Panik verharmlosen

Ein klares No-Go bei einer Panikattacke ist, die Angst der betroffenen Person zu verharmlosen. „Auch wenn wir selbst nicht nachvollziehen können, warum die Person in dieser oder jener Situation eine solche Angst entwickelt“, sagt Lisa Naab. Viele Betroffene schämen sich dafür. Ein „Stell dich nicht so an“ oder ein Sich-Lustig-Machen helfen da gar nicht.

Fehler 3: Belastungen mit sich selbst ausmachen

Eine Panikattacke aus nächster Nähe mitzubekommen, das kann Angehörige belasten. Wer in oder nach so einer Situation selbst Angst bekommt oder sich belastet fühlt, sollte keine Scheu haben, selbst Hilfe zu holen. Das kann das Gespräch mit vertrauten Menschen sein, in einer Selbsthilfegruppe, mit der Telefonseelsorge oder einem Psychotherapeuten.

Ruhe vermitteln

Da ist der Verdacht, dass die Angst das Gegenüber überrollt hat? Dann ist es wichtig, ruhig zu bleiben, nicht selbst in Panik zu verfallen und die Person nicht alleine zu lassen, rät Lisa Naab. Am besten fragt man erstmal, ob die Person überhaupt Hilfe und Beistand möchte. Auch wenn die Symptome bedrohlich wirken: Sie sind in aller Regel ungefährlich und die Dauer der Attacke ist begrenzt. Es kann helfen, das der betroffenen Person bewusst zu machen. Sätze wie „Eine Panikattacke geht genauso, wie sie gekommen ist – sie ist endlich“ führen bereits zu einer ersten Entspannung, sagt Ärztin und Therapeutin Mirriam Prieß. So kann man als Außenstehender klarmachen, dass es sich bei den mit der Panikattacke verbundenen Szenarien nur um Befürchtungen handelt.

Ein Gespräch aufbauen

Wichtig ist laut Mirriam Prieß, der betroffenen Person mit Offenheit und Mitgefühl entgegenzukommen. In vielen Fällen kennen die Betroffenen Panikattacken bereits. Sie wissen, was ihnen in dem Moment am besten tut. Außenstehende können also fragen, ob so etwas schon einmal passiert ist, was bisher geholfen hat und wie man selbst helfen kann. So ein Dialog kann der betroffenen Person ermöglichen, wieder das Gefühl für sich selbst zurückzubekommen. Denn Panik entsteht laut Prieß dort, wo die betroffene Person keinen Zugang mehr zu ihrem eigenen Ich hat. Das Gespräch sollte man ruhig und geduldig angehen. „Das Wiederholen von Fragen und das Sprechen in kurzen und langsamen Sätzen hilft der Person, das Gespräch aufrechtzuerhalten, was wiederum von den körperlichen Symptomen ablenkt“, sagt Lisa Naab.

Bezug zur Realität

Die Panik der betroffenen Person wächst, je mehr sie sich in die Situation hineinsteigert oder versucht, sie zu bekämpfen. Im Gespräch sollte man daher ein Bewusstsein für die Realität vermitteln, was Abstand zur Panik schafft. „Abstand heißt: Ich fühle in mir Panik, mache mir aber bewusst, dass ich nicht die Panik bin. Die Panik ist in mir, nicht ich in der Panik. Ich betrachte sie, lasse sie zu und steige jedoch nicht darauf ein“, sagt Mirriam Prieß. Um Abstand zu schaffen, kann es auch hilfreich sein, den Raum und die Situation zu verlassen und die betroffene Person an einen ruhigeren Ort zu begleiten. Und wenn die Panik vorbei ist? Dann kann man mit der Person laut Lisa Naab noch darüber sprechen, dass Panikattacken sehr verbreitet und gut behandelbar sind. Steht man der Person nahe, kann man sie auf der Suche nach professioneller ärztlicher und psychotherapeutischer Hilfe unterstützen.

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