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NWZonline.de Ratgeber Gesundheit

Pflegebedürftigkeit kommt schleichend

08.08.2015

Berlin Im Alter werden oft Augen und Ohren schlechter, die Glieder steif und die Muskulatur schwächer. Und manch einer leidet unter Vergesslichkeit. Bis zu einem gewissen Punkt kommen die Betroffenen alleine klar. Irgendwann brauchen sie aber Unterstützung. Die kommt meist von Angehörigen. Auch, wenn die Grenze von der Hilfs- zur Pflegebedürftigkeit überschritten ist.

Das zeigt eine Erhebung des statistischen Bundesamtes von 2013, laut der knapp zwei Drittel der deutschen Pflegefälle zu Hause betreut werden. Für die Angehörigen kann das zur Belastungsprobe werden. „Damit das nicht passiert, sollten frühzeitig Infos zum Thema Pflege eingeholt und ein Pflegekurs absolviert werden“, rät Gundula Kozariszczuk vom DRK-Pflege-Service Müggelspree in Berlin.

Hilfs- und Pflegebedürftigkeit entwickeln sich schleichend, wenn sie nicht gerade etwa aus einem Unfall resultieren. „Es fängt oft damit an, dass die Betroffenen Unterstützung bei Aufgaben wie Einkaufen, Kochen oder Putzen oder bei organisatorischen Dingen wie Behördengängen benötigen“, sagt Kozariszczuk. Dann beginnen ihnen grundlegendere Dinge wie Körperpflege oder An- und Ausziehen schwerzufallen, und schließlich sind manche komplett auf die Hilfe anderer angewiesen, weil sie etwa bettlägerig werden. „Am besten wäre es, gleich aktiv zu werden, wenn sich die ersten Anzeichen dafür zeigen, dass jemand ein Pflegefall werden könnte“, sagt sie.

Tatsächlich kommt den meisten pflegenden Angehörigen die Idee, einen Pflegekurs zu besuchen, laut einer Untersuchung des Deutschen Instituts für angewandte Pflegeforschung jedoch erst, wenn die Situation schon akut ist. Und ein Großteil pflegt, ohne sich jemals dahingehend fortzubilden. „Das liegt nicht zuletzt daran, dass es gar nicht allen bekannt ist, dass es Pflegekurse für Angehörige gibt und bestehende Angebote häufig nicht ausreichend beworben werden“, sagt Ralf Suhr, Vorstandsvorsitzender des Zen­trums für Qualität in der Pflege. Manche glauben auch, genug Know-how zu haben. Andere fürchten, dass die Lehrgänge aufwendig oder teuer sind.

„Wer pflegt, ohne jegliches pflegerisches Fachwissen zu haben, läuft Gefahr, Fehler zu machen und damit der Gesundheit des Pflegebedürftigen oder auch seiner eigenen zu schaden“, warnt Thomas Meißner, Präsidiumsmitglied des Deutschen Pflegerates. Zu den möglichen Folgen gehören Wundliegen, Thrombosen oder Mangelernährung beim Gepflegten und Rückenprobleme beim Pflegenden.

In einem Basiskurs für pflegende Angehörige lernen sie Pflegetechniken, wie Waschen, Essen reichen, Lagerung, Stützen und Heben sowie Hilfe beim Toilettengang. „Darüber hinaus lernen die Teilnehmer unter anderem, Krankheitszeichen zu erkennen und Verletzungen vorzubeugen und erfahren Grundsätzliches zum Umgang mit psychischen Alterserscheinungen (Demenz) und zur sachgerechten Medikamentenvergabe“, schildert Kozariszczuk. Außerdem kommen sie mit anderen Pflegenden in Kontakt und können Erfahrungen austauschen. Sie bekommen Unterstützung bei psychischer oder physischer Überlastung. Und sie werden über Wohnraumgestaltung, Pflege- und Hilfsmittel oder Reha-Maßnahmen, sowie zu deren Finanzierung beraten.

Es ist nicht so, dass die Kurse viel Zeit oder Geld kosten, sagt Suhr: „Die meisten Kurse umfassen circa acht bis zwölf Unterrichtseinheiten zum Beispiel à 90 Minuten, die über mehrere Wochen hinweg besucht werden können.“

Pflegende Angehörigemüssen die Kurse nicht selbst finanzieren. „Da laut Sozialgesetzbuch der Anspruch auf unentgeltliche Schulungskurse besteht, werden die Teilnahmegebühren von den Pflegekassen, beziehungsweise den privaten Pflegeversicherungen übernommen“, erklärt Ralf Suhr vom Zentrum für Qualität in der Pflege.

Die Pflegekursewerden von den Pflegeträgern selbst oder von Wohlfahrtsverbänden, ambulanten Pflegediensten, Krankenhäusern oder kirchlichen Hilfswerken durchgeführt. Wer nach Angeboten in seiner Nähe sucht, kann seinen Pflegeträger um Daten bitten. Zusätzlich lohnt es sich, den Hausarzt oder Mitarbeiter lokaler Pflegestützpunkte anzusprechen.

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