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NWZonline.de Ratgeber Gesundheit

Pollenflug: Was hilft wirklich gegen Heuschnupfen?

22.02.2020

Mönchengladbach /Berlin Wenn die Nase schon beim Aufstehen läuft, bei der Arbeit die Augen jucken und auf dem Heimweg die Luft knapp wird – dann ist vermutlich Heuschnupfenzeit. Je nach Schwere der Allergie lassen sich
Beschwerden nicht ganz vermeiden. Doch es gibt Tipps, Tricks und zahlreiche Medikamente und Möglichkeiten, mit denen die Pollenflug-Saison zumindest erträglicher wird.

Vorbereitung

„Wichtig ist, sich schon im Vorfeld zu kümmern – und nicht erst dann, wenn es richtig warm und plötzlich akut wird“, sagt Sonja Lämmel vom Deutschen Allergie- und Asthmabund (DAAB). Wann es bei wem genau losgeht, lässt sich ohnehin nicht vorhersagen – heutzutage erst recht nicht. Zu unterschiedlich sind Allergien und regionale Pollenbelastung.

„Wir haben durch den Klimawandel immer weniger extreme Jahreszeiten und vor allem oft sehr warme Winter“, erklärt die Expertin. Und das hat auch Einfluss auf den Pollenflugkalender. Tendenz: Los geht es immer früher, gleichzeitig dauert die Pollenflugsaison länger.

Diagnose

Viele Betroffene suchen gar nicht mehr einen Arzt auf. „Uns fehlt dadurch die Gelegenheit zu einer richtigen Diagnose“, sagt Prof. Jörg Kleine-Tebbe, Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI). „Ein großes Problem ist noch immer, dass Heuschnupfen zu oft von den Betroffenen selbst bagatellisiert wird“, sagt auch Lämmel. „Die sagen dann Naja, ich hab ein wenig Schnupfen und die Augen jucken, ich komme schon irgendwie durch.“ Tatsächlich handelt es sich bei Heuschnupfen aber immer um eine chronische Entzündung. Wird diese nicht richtig therapiert, droht der Etagenwechsel: Aus dem reinen Schnupfen wird dann allergisches Asthma.

Medikamente

Je nach Schwere gibt es unterschiedliche Mittel. Los geht es mit den Antihistaminika als Tablette, Nasenspray oder Augentropfen. Diese bekämpfen vor allem den Juckreiz, Niesen und Naselaufen, erklärt Kleine-Tebbe. Spätestens wenn die Nase dauerverstopft ist, und noch andere Symptome wie Konzentrationsschwierigkeiten hinzukommen, ist es damit aber nicht mehr getan. Kleine-Tebbe empfiehlt dann Nasensprays mit Cortison „Das hat noch immer einen schlechten Ruf“, sagt er. „Lokal in die Nase gesprüht, gibt es aber die gefürchteten Nebenwirkungen gar nicht.“ Cortison-Tabletten verschreiben Ärzte dagegen nur in schweren Einzelfällen.

Therapie

Eine Hyposensibilisierung oder Allergen-Immuntherapie bekämpft nicht die Symptome, sondern die Ursache der Allergie – das Immunsystem wird an die Allergene gewöhnt. So lassen sich einerseits die Beschwerden und Medikamente reduzieren, andererseits wird das Risiko eines allergischen Asthmas geringer. Der Prozess ist aufwendig, er dauert drei Jahre. In der Zeit gibt es entweder monatlich Spritzen oder täglich Tabletten beziehungsweise Tropfen unter die Zunge.

Placeboeffekt:Von Alltagstipps gibt es viele – Haare waschen am Abend zum Beispiel, getragene Kleidung nachts nicht im Schlafzimmer lagern, Wäsche nicht auf dem Balkon trocknen und so weiter. Das einziges Problem: „Es gibt keine echte Evidenz, dass das hilft“, sagt Prof. Jörg Kleine-Tebbe. Helfen können solche Tipps im Einzelfall aber trotzdem, und sei es über den Placebo-Effekt – der Allergologe empfiehlt sie seinen Patienten daher teils auch. Beste Faustregel fürs Lüften ist: Am besten früh am Morgen und immer eher kurz als lang – idealerweise mit Pollenschutzgitter am Fenster.

NWZonline.de/gesundheit
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