Sande - An einem Lupus erythematodes erkrankte Menschen müssen mit schweren Schädigungen der Haut sowie oft auch der inneren Organe rechnen. Die wegen ihrer vor allem im Nasen- und Wangenbereich sichtbaren Symptome auch als Schmetterlingsflechte bezeichnete chronische Autoimmunerkrankung verläuft in Schüben und schreitet ohne medizinische Gegenmaßnahmen immer weiter voran.
Oft tritt ein Lupus in einer leichten oder mittelschweren Form auf, die zwar eine ärztliche Behandlung erforderlich macht, aber nicht zu körperlichen Funktionseinschränkungen führt. Bei rund einem Drittel der Betroffenen ist das anders. Bei ihnen liegt eine systemische Lupuserkrankung vor, in dessen Folge neben der Haut auch innere Organe wie die Nieren, das Herz und die Lunge sowie mitunter auch das Nervensystem angegriffen und geschädigt werden.
Auch schmerzhafte Gelenkentzündungen, die sich zudem in den Muskeln und Sehnen bemerkbar machen, zählen zu den verbreiteten Begleiterscheinungen. Bei bis zu zehn Prozent der Betroffenen verläuft eine systemische Lupuserkrankung innerhalb von zehn Jahren nach der Diagnose lebensbedrohlich.
Warum es zu einer rheumatisch-entzündlichen Lupuserkrankung kommt, ist in der Wissenschaft noch nicht abschließend geklärt. Als mögliche Faktoren werden neben einer genetischen Disposition äußere Einflüsse wie Rauchen und Vitamin D-Mangel sowie psychischer Stress angenommen. Neben Infektionen und UV-Licht können auch Nebenwirkungen bestimmter Medikamente und Hormonpräparate eine Rolle spielen.
Oft Frauen bis Mitte 30
Sicher ist, dass eine Lupuserkrankung in jeder Altersstufe auftreten kann. Mit einem Anteil von über 70 Prozent sind junge Frauen bis Mitte 30 besonders häufig betroffen. Als Auslöser für einen akuten Krankheitsschub nennen Fachgesellschaften unkontrollierbare Überreaktionen des körpereigenen Immunsystems, die ähnlich wie andere Rheuma-Erkrankungen fortschreitende Entzündungen bewirken.
Ein Lupus ist nach wie vor nicht heilbar, dank neu entwickelter Medikamente und Therapieverfahren aber zunehmend besser behandelbar, erklärt der Rheumatologe und Facharzt für Innere Medizin Prof. Dr. Werner-J. Mayet am NWK Sanderbusch: „Heute gelingt es immer häufiger, die Erkrankung zum Stillstand zu bringen. Bei einer frühzeitigen Behandlung können viele Patienten weitgehend oder sogar komplett symptomfrei mit einem Lupus leben.“
Müdigkeit und Fieber
Tückisch an einem Lupus ist, dass die Erkrankung oft zunächst milde unspezifische Beschwerden verursacht, die nicht selten anderen gesundheitlichen Problemen zugeordnet werden. Zu den typischen Symptomen können neben einer dauernden Müdigkeit und Abgeschlagenheit auch Fieber und ein unerklärlicher Haarverlust zählen. In einem fortgeschrittenen Stadium eines die Haut betreffenden Lupus treten Rötungen im Gesicht auf, die sich schmetterlingsförmig ausbreiten und bei einem schweren Verlauf einem Wolfsbiss ähneln – woraus sich der lateinische Name der Erkrankung ableitet.
Ohne eine qualifizierte ärztliche Behandlung sorgt der Entzündungsprozess für Abschuppungen und Vernarbungen der Haut, die oft auf Dauer verbleiben, erklärt Prof. Mayet: „Die Symptome entstehen in erster Linie an den Hautarealen, die dem UV-Licht ausgesetzt sind.“ Auch ein Haut-Lupus könne zudem auf innere Organe übergreifen.
