Prof. Dr. Nicola Borisch (Bild) ist Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Handchirurgie.

Was ist zu tun, wenn ein Finger abgetrennt wurde?

BorischDas Amputat sollte in die Notaufnahme mitgebracht werden. Die verletzte Hand sollte hochgehalten und vom Ersthelfer mit einem sterilen Verband versorgt werden. Den abgetrennten Finger sollte man in eine sterile Kompresse oder ein sauberes Tuch wickeln sowie in einen gut verschließbaren Plastikbeutel legen. Diesen Beutel kann man dann in eine mit Eiswasser gefüllte Tüte legen, wobei das Amputat keinen direkten Kontakt zum Eis und zum Wasser haben darf.

Wie wichtig ist schnelles Handeln?

BorischDas ist entscheidend. Je schneller die medizinische Versorgung erfolgt, desto größer ist die Aussicht auf eine erfolgreiche Behandlung. Ein Finger kann bis zu zwölf Stunden nach der Amputation erfolgreich replantiert werden, Bei einer weiter körperwärts gelegenen Amputation nimmt diese Zeit ab und beträgt maximal sechs Stunden.

Was ist neben dem Zeitfaktor wichtig?

BorischDa sind verschiedene Faktoren zu nennen. Wichtig ist zum Beispiel, ob es sich um eine glatte Abtrennung, eine Quetschung oder eine Mehrfachverletzung handelt. Dies entscheidet über den Zustand der Blutgefäße, die wiederhergestellt werden müssen. Denn sie versorgen den Finger mit allen zum Funktionserhalt notwendigen Nährstoffen. Bei der OP muss es gelingen, den Finger wieder mit Zu- und Abfluss an den Blutkreislauf anzuschließen. Neben den Arterien und Venen müssen auch die Nerven wiederhergestellt werden.