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NWZonline.de Ratgeber Gesundheit

Schultersteife: Wenn im Oberarm Eiszeit herrscht

10.08.2019

Uetersen /Wiesbaden Der Arm schmerzt, alltägliche Bewegungen werden zur Qual. Jetzt gilt es, nicht zu lange zu warten, sondern die Symptome genau abklären zu lassen, raten Experten. Denn dahinter könnte eine Schultersteife stecken, die „Frozen Shoulder“.

Die Schultersteife läuft in drei Stadien ab: Entzündung, Einfrieren, Abtauen. Im frühen Entzündungsstadium bestehe häufig eine Verwechslungsgefahr mit anderen Erkrankungen, erklärt Achim Bitschnau, Orthopäde und Unfallchirurg aus Wiesbaden. Denn zunächst haben die Patienten keinerlei Bewegungseinschränkungen, dafür aber große Schmerzen.

Oberarm unbeweglich wegen entzündeter Schulterkapsel

Ursache ist eine Entzündung der Schulterkapsel. „Das Kapselgewebe schrumpft und verklebt“, sagt Wim Jansen, Mitinhaber des Physiotherapie-Zentrums Uetersen. Betroffene finden nachts kaum Schlaf, weil sie nicht auf der Seite liegen können. Für ähnliche Symptome können aber auch ein Sehnenriss an der Schulter, eine Kalkschulter oder ein entzündeter Schleimbeutel verantwortlich sein. Ultraschall, Röntgenbild und Magnetresonanztomografie (MRT) sind daher zur Abklärung notwendig.

Dann beginnt der Teufelskreis. Weil alles weh tut, bewegen die Patienten den Arm kaum noch. Die Schultersteife setzt ein. Vor allem eine Drehung nach außen ist dann sehr stark eingeschränkt, wie Jansen erläutert. „Trotzdem würden wir in dieser Phase nicht empfehlen, die Schulter massiv zu reizen, um beweglich zu bleiben“, sagt Prof. Markus Scheibel. Besser sei eine frühzeitige Behandlung mit Medikamenten, rät der Orthopäde und Unfallchirurg von der Berliner Charité.

Gängige Schmerzmittel helfen allerdings nur bedingt. „Es ist typisch bei der Schultersteife, dass die Klassiker wie Ibuprofen nicht gut funktionieren“, sagt Scheibel. Besser wirkt Cortison, ob als Spritze oder als Tabletten. „Meist nimmt man es in Tablettenform zwischen 20 und 35 Tage in absteigender Dosierung“, erklärt Bitschnau. In dieser Zeit macht der Patient im Alltag das, was möglich ist. Krankengymnastik sei nicht sinnvoll, warnen die Experten.

Oberarm eingefroren: Medikamente helfen hier nicht.

Das Einfrieren, also das zweite Stadium, lässt sich mit Medikamenten nicht aufhalten. „Wenn die Schmerzen weniger werden und die Steifheit mehr im Vordergrund steht, ist das der Moment, wo wir als Physiotherapeuten eingreifen können“, erklärt Jansen. Wichtig sei aber eine moderate Bewegung, kein verbissenes Üben. Ruhepausen und wenig Stress könnten den Heilungsprozess beschleunigen.

Die Übungen sind darauf ausgelegt, die verschiedenen Kapselbereiche zu mobilisieren. „Man kann sich zum Beispiel eine Schlinge basteln, mit der man den Arm bewegt“, sagt Jansen. Später kommen aktive Übungen dazu. Zum Beispiel auf den Rücken legen, einen Kleiderbügel in die Hände nehmen und mit der einen Hand den Arm auf die Gegenseite drücken. Handtücher sind ebenfalls gute Hilfsmittel. Damit tut der Übende so als würde er sich diagonal den Rücken abtrocknen. Mit Phase drei, dem Auftauen, kehrt die Beweglichkeit Stück für Stück zurück.

Eine Operation kann bei einer Frozen Shoulder helfen. Die ist allerdings erst möglich, wenn die Entzündung weg ist.

Bis heute ist nicht klar, woher das Phänomen „Frozen Shoulder“ kommt. Bei der primären Form gibt es keine Ursache. Für die sekundäre Form kann ein Unfall der Auslöser sein. Manche Patienten entwickeln durch eine lange Ruhigstellung nach einer Operation eine Schultersteife. „Generell scheinen Stoffwechsel-Patienten wie Diabetiker häufiger zu erkranken“, sagt Achim Bitschnau. Frauen im Alter von 40 bis 60 gehören ebenso zur Risikogruppe wie Menschen mit Schilddrüsenproblemen.

Vorbeugend lässt sich kaum etwas tun. Sportlich Aktive können genauso betroffen sein. Das Risiko, auf beiden Seiten eine Schultersteife zu entwickeln, ist hoch. Der Heilungsprozess kann lange dauern, den Experten zufolge sogar Jahre.

NWZonline.de/gesundheit
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