Von Klaus Hilkmann
Frage:
Was ist an einem Hernienzentrum besonders?Muschaweck:
In einem Hernienzentrum werden ausschließlich Hernien operiert, was in Deutschland und Europa einmalig ist. Zu den Hernien zählen Leistenbrüche, Nabelbrüche und Narbenbrüche.Frage:
Inwiefern profitiert der Patient davon?Muschaweck:
In einem Zentrum kann der Hernienspezialist zwischen verschiedenen Therapiemöglichkeiten wählen, so dass jeweils die individuell am besten geeignete Operationstechnik angewendet wird. Ich operiere seit 15 Jahren pro Tag durchschnittlich fünf bis sechs Patienten. Durch diese Erfahrung sind viel bessere Ergebnisse möglich. Die Rezidivrate liegt im Hernienzentrum München unter 0,2 Prozent. Im Bundesschnitt liegt die Rate der Brüche, die wieder auftreten, zwischen zwei und acht Prozent.Frage:
Warum sind Leistungssportler besonders häufig betroffen?Muschaweck:
Weil die menschliche Anatomie einfach so ist, dass die Leistengegend eine Schwachstelle des Körpers ist. Auf Extrembelastungen, wie sie sich zum Beispiel Fußballer zumuten, ist dieser Bereich einfach nicht ausgelegt. Betroffene Sportler haben zum Teil derart große Schmerzen, dass an Training überhaupt nicht mehr zu denken ist. Dabei handelt es sich in den meisten Fällen noch gar nicht um einen Bruch, sondern erst um eine Vorstufe – die so genannte weiche Leiste oder Sportlerleiste.Frage:
Gibt es Unterschiede zwischen Frauen und Männern?Muschaweck:
Ja, da bei Männern in diesem Bereich auch der Samenstrang verläuft, sind sie etwa 14-mal häufiger von einem Leistenbruch betroffen als Frauen. Das gilt übrigens für nicht aktive Männer genau so wie für Leistungssportler.Die Allgemeinchirurgin Dr. Ulrike Muschaweck (Bild) leitet das 1993 von ihr gegründete UM Hernienzentrum in München.
