Oldenburg - Eine liebevolle Behandlung durch die Eltern ist für Kinder und Jugendliche entscheidend, um glücklich und ohne bleibende seelische Verletzungen aufwachsen zu können. Die Wissenschaft geht heute davon aus, dass emotionale Vernachlässigung oder Verwahrlosung schwere psychische Schäden verursachen können, die Betroffene – ähnlich wie körperliche Misshandlungen oder Missbrauch – mitunter für immer prägen und belasten.
Die Medizin spricht dann von einer Vernachlässigung, wenn das Kind von seinen Eltern oder den verantwortlichen Betreuungspersonen nicht ausreichend ernährt, beaufsichtigt, gepflegt, gefördert und/oder vor Gefahren geschützt wird. Nicht selten führt das Desinteresse der Eltern sogar zu schweren Defiziten bei der gesundheitlichen Versorgung, berichtet Dr. Agneta Paul.
Betroffene Kinder fallen im Kindergarten oder der Schule oft auf, weil sie häufiger als andere krank sind oder insgesamt schlecht versorgt aussehen. Als Folgeprobleme können sich bei Säuglingen und Kleinkindern vor allem Probleme beim Trinken, Schlafen und Verdauen einstellen. Im Alter von zwei bis vier Jahren können Einkoten, Einnässen sowie ein aggressives, schwer steuerbares Verhalten auf eine schwerwiegende Vernachlässigung hinweisen. Zudem zeigen die Kinder oft gravierende Rückstände bei der kognitiven Entwicklung. Ein typisches Symptom bei Schulkindern ist, dass sie in vielen Fällen nicht angemessen auf neue Situationen reagieren.
