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Sepsis Blutvergiftung wird oft gar nicht erkannt

Melanie JÜlisch

Oldenburg/Berlin - Experten sind sich einig, dass etwa 15 000 bis 20 000 durch Sepsis bedingte Todesfälle pro Jahr in Deutschland vermieden werden könnten. „Sepsis ist nach Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems und Krebserkrankungen die dritthäufigste Todesursache in Deutschland“, so Dr. Ruth Hecker, Vorsitzende im Aktionsbündnis Patientensicherheit (APS). „Dennoch ist die Erkrankung nach wie vor kaum bekannt. Das Bild vom roten Strich, der Richtung Herz wandert, muss sich endlich ändern, damit weniger Patienten an Sepsis sterben oder schwere Langzeitfolgen erleiden.“ Auch Professor Dr. Dr. Rainer Petzina vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, einer der Hauptautoren einer neuen Broschüre des Aktionsbündnis Patientensicherheit mit einer Handlungsempfehlung für Ärzte und wichtigen Patienteninformationen, weiß: „Eine Sepsis ist immer ein Notfall und muss als solcher behandelt werden, wie ein akuter Herzinfarkt oder akuter Schlaganfall“, erklärt Professor Dr. Dr. Rainer Petzina vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, einer der Hauptautoren der Handlungsempfehlung und der Patienteninformation. „Die Erkrankung wird jedoch häufig nicht rechtzeitig erkannt; somit werden die notwendigen Maßnahmen oft zu spät eingeleitet.“ Das kann zu den bereits erwähnten schwerwiegenden Langzeitfolgen führen, die nicht sofort spürbar sind. Bekannt sind unter anderem Schädigungen des Gehirns oder der Nervenbahnen. Laut Aktionsbündnis Patientensicherheit können diese zu diversen Symptomen führen, unter anderem einer starken Minderung der geistigen und körperlichen Belastbarkeit, eine stark eingeschränkte Aufnahmefähigkeit und Gedächtnisleistung, Seh- und Sprachstörungen, Gleichgewichtsprobleme, Muskelschwäche oder chronische Schmerzen.

Warnhinweise ernst nehmen

Wohl kaum einer bringt die Symptome eines grippalen Infekts mit denen einer Blutvergiftung in Verbindung. Dabei stimmen diese teilweise überein. Warnhinweise sind unter anderem Fieber und Schüttelfrost, Kurzatmigkeit, Herzrasen, extremes Krankheitsgefühl und Verwirrtheit. Sind mindestens zwei dieser Symptome vorhanden, sollten Betroffene und Angehörige auch an eine Sepsis denken. Doch wie entsteht eine Sepsis eigentlich? Oft tritt sie während oder in Folge einer Infektion auf, beispielsweise einer Lungenentzündung, einem Harnwegsinfekt, nach einer Operation oder nach einer Entzündung im Bauchraum. Selbst eine Hautwunde wie eine leichte Schürfwunde oder ein aufgekratzter Mückenstich kann eine Blutvergiftung nach sich ziehen. Erkranken kann jeder, auch wenn es spezielle Risikogruppen gibt. Besonders gefährdet sind beispielsweise chronisch Erkrankte (Leber, Lunge, Herz), Menschen mit geschwächtem Immunsystem wie Diabetes-, Krebs- oder Dialysepatienten, Menschen über 60 und Kinder unter einem Jahr. Auch wer keine Milz mehr hat, wird als Risikogruppe eingestuft.

Sofortige Behandlung kann Leben retten

Bestätigt sich der Verdacht, muss mit der Behandlung sofort, möglichst innerhalb der ersten Stunde, begonnen werden. Studien zeigen, dass mit jeder Stunde, die ohne Behandlung vergeht, die Überlebenschance signifikant sinkt.

Doch auch vorbeugend kann man einiges tun: Hier sind neben allgemeinen Hygienemaßnahmen vor allem Impfungen zu nennen, die vor Infektionen schützen, wie die Pneumokokken-Impfung, die Grippe-Impfung sowie alle weiteren von der Ständigen Impfkommission am Robert Koch-Institut (RKI) empfohlenen Impfungen. Die Notwendigkeit der Aufklärung über Sepsis zeigt sich besonders dann, wenn neuartige Erreger wie SARS-CoV-2, Ebola oder MERS auftreten, die grundsätzlich auch zu einer Blutvergiftung führen können. Doch unabhängig von Pandemien durch neue Erreger ist bei allen kritischen Krankheitsverläufen immer die Frage zu stellen: „Kann es Sepsis sein?“

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