Die Psychologin Maria Kaspar (Bild) ist Mitarbeiterin der Kinderschutzgruppe des Kinderkrankenhauses im Klinikum Oldenburg.
Was ist als Soforthilfe nach einer Misshandlung besonders wichtig?
KasparIch denke, dass die Kinder vor allem Schutz und Klarheit brauchen. Sie müssen das Gefühl bekommen, dass wir ihnen glauben, und versuchen, ihnen Sicherheit zu geben. Manchmal sind dabei zu viele Emotionen eher kontraproduktiv. Entscheidend ist vielmehr, dass sich die Betroffenen bei uns gut aufgehoben fühlen und klar erkennen: Da kümmert sich jemand um mich und mein Problem.
Was erwartet Schutz suchende Betroffene in der Kinder- und Jugendklinik?
KasparEs erfolgt in der Regel eine körperliche Untersuchung, um dem nachgehen zu können, was von dem Kind oder Jugendlichen berichtet wurde. So können wir mögliche körperliche Verletzungen erkennen und gleich fachgerecht versorgen. Parallel dazu sprechen wir mit dem Kind darüber, wie es am besten geschützt werden kann, und leiten dann entsprechende Schritte ein.
Fühlen sich Kinder, die Opfer häuslicher Gewalt wurden, mitunter sogar selbst verantwortlich?
KasparIch glaube, dass viele Kinder so denken, weil sie nach einem Grund suchen, warum gerade ihnen Gewalt angetan wird. Zum Teil ist es auch so, dass Mutter oder Vater ihnen vorwerfen, dass ihr Dasein oder Handeln für den Gewaltausbruch verantwortlich ist. Über daraus folgende Schuldgefühle sprechen die Kinder aber in der Regel nicht bei uns im Krankenhaus, sondern erst im Rahmen einer weiteren Betreuung, wo die Gewalttaten verarbeitet werden können.
