Prof. Dr. Wolfgang Fischbach (Bild) ist Chefarzt der Medizinischen Klinik II im Klinikum Aschaffenburg-Alzenau.

Muss ein Helicobacter-Verdacht immer aufgeklärt werden?

FischbachEin Helicobacter-Verdacht sollte nur dann aufgeklärt werden, wenn bei einem positiven Keimnachweis auch eine Eradikation durchgeführt werden würde. Es muss also eine entsprechende Indikation gegeben sein, bevor man nach dem Keim sucht.

Kann es besser sein, sich gegen eine Behandlung zu entscheiden?

FischbachDiese Frage kann man nicht so einfach beantworten. Wenn eine Indikation vorliegt, ist die Behandlung richtig. Bei Menschen ohne Beschwerden würde man eine Therapie nicht empfehlen, da kein erkennbarer Nutzen besteht. Auf der anderen Seite würden aber Kosten entstehen, und es könnten Resistenzen gegen Antibiotika erzeugt werden. Zudem kann der Helicobacter pylori wahrscheinlich auch günstige Effekte haben. Aus diesen Gründen ist auch ein Massenscreening obsolet.

Wann überwiegen die Risiken den Nutzen für Betroffene, und wie ist die weitere Prognose?

FischbachBei fehlenden Indikationen, wie sie in der deutschen Leitlinie klar formuliert sind, gehe ich davon aus, dass die Risiken grundsätzlich höher zu bewerten sind als der Nutzen. Die Prognose für die weitere Entwicklung der Infektionszahlen ist rückläufig. Die Durchseuchungsrate bei Schulkindern beträgt in Deutschland aktuell sechs bis sieben Prozent. Berechnungen für Schweden gehen davon aus, das der Helicobacter pylori wegen des Kohorteneffekts in den nächsten Jahrzehnten völlig verschwinden wird.