Dr. Michael Lichtenberg (Bild) ist Chefarzt der Klinik für Angiologie am Klinikum Arnsberg und Beiratsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Angiologie.

Welche medizinischen Fachgebiete sind bei einer Hypercholesterinämie gefordert?

LichtenbergBei einer Hypercholesterinämie ist zunächst der Sachverstand der Gefäßmediziner gefragt. Dazu gehören neben Angiologen insbesondere die Kardiologen, weil zu viel produziertes Cholesterin alle Gefäße angreift – vom Herzen bis hin zu den Gefäßen in den Beinen sowie auch die Bauch- und die Halsschlagader.

Was ist nach einer überraschenden Diagnose durch den Hausarzt zu tun?

LichtenbergEs kommt gar nicht selten vor, dass ein erhöhter Cholesterinspiegel durch einen Zufallsbefund ermittelt wird. In diesem Fall sind umfangreiche weitergehende Untersuchungen nötig, bei denen neben dem schlechten LDL- sowie dem guten HDL-Cholesterinwert weitere Fraktionen wie das Lipoprotein (a) und die Tryglyzeride bestimmt werden. Zudem sollte festgestellt werden, ob der Betroffene unter Diabetes leidet. Wenn die Werte auffällig sind, muss von einem spezialisierten Facharzt überprüft werden, ob eine Gefäßerkrankung vorliegt.

Kann auch ein schlanker Mensch ohne erkennbare Risikofaktoren betroffen sein?

LichtenbergJa. Genau das trifft bei einer angeborenen Hypercholesterinämie zu. Betroffene können schon in sehr jungen Jahren sehr stark erhöhte Cholesterinwerte haben. Wenn das Problem vorher nicht erkannt wurde, kann es schon ab 30 oder 40 Jahren zu einem völlig überraschenden Herzinfarkt oder Schlaganfall kommen.