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Krampfadern Wenn Schwerstarbeit nicht reicht

Klaus Hilkmann

VAREL - Die Venen zählen neben den Arterien und dem Lymphsystem zum Gefäßsystem des Körpers, das dem Organismus lebenswichtige Stoffe zuführt und verbrauchte Reste abtransportiert. Während die Arterien dafür verantwortlich sind, dass der vom Hochleistungsmotor Herz in Gang gesetzte Blutkreislauf über die großen Körperschlagadern vom Gehirn bis zu den Zehen alle Organe sowie Gewebe- und Muskelgruppen mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt, sorgen die Venen dafür, dass verbrauchtes, sauerstoffarmes Blut zur rechten Herzkammer zurücktransportiert wird. Von dort aus wird das Blut über die Lunge wieder mit Sauerstoff angereichert und zur linken Herzkammer geführt, wo der Blutkreislauf aufs Neue in Gang gesetzt wird. Bei erwachsenen Menschen werden im Ruhestand durchschnittlich fünf Liter Blut durch den Körper geführt. Bei großen körperlichen Anstrengungen kann die Pumpleistung für kurze Zeit bis auf das Sechsfache ansteigen.

Rückfluss verhindern

Für die Aufrechterhaltung des Blutkreislaufs müssen die Venen schon deshalb Schwerstarbeit leisten, weil sie entgegen der Schwerkraft arbeiten müssen. Damit das funktioniert, drückt die durch Bewegung angeregte, sogenannte Muskel-Venen-Pumpe der Beinmuskulatur das venöse Blut zum Herzen zurück. Der Blutrückfluss aus den Beinen wird dabei automatisch durch Venenklappen unterstützt, die wie fein justierte Ventile sicherstellen, dass das Blut nur in eine Richtung fließen kann. „Normalerweise sind die Venenklappen nur geöffnet, wenn das Blut herzwärts strömt. Bei einem Druck in die andere Richtung bleiben die Klappen bei Venen gesunder Menschen fest verschlossen, so dass ein Rückfluss des Blutes verhindert wird“, erklärt Dr. Christian Beck, Facharzt für Chirurgie und Gefäßchirurgie mit der Zusatzbezeichnung Phlebologie und Mitinhaber der Praxis Dr. Beck&Dr. Albrecht für Gefäßchirurgie in Varel. Dort wurden seit 1992 mehr als 15 000 Patienten mit starken Venenleiden operiert

Wenn – wie viele andere Körperfunktionen – mit zunehmendem Alter auch die Leistungsfähigkeit der Venenklappen abnimmt, kann das venöse Blut vor allem beim Gehen oder Stehen nicht mehr restlos zum Herzen zurückgeführt werden. Als Folge kommt es meistens in den äußeren Venen zu einem Blutstau in den betroffenen Bereichen der Beine, die in einem frühen Stadium meistens noch harmlos und unbemerkt bleiben, sich später aber unter anderem als höchst unangenehme Krampfadern bemerkbar machen können. Darüber hinaus kann es in fortgeschrittenen Stadien zu gefährlichen Funktionsstörungen und Komplikationen bis hin zu Thrombosen oder offenen Beinen kommen.

Frauen häufiger betroffen

Krampfader-Patienten leiden häufig insbesondere abends sowie nach längeren sitzenden oder stehenden Tätigkeiten unter Schwellungen, Schmerzen und einem Schweregefühl in den Unterschenkeln. Mit einem Anteil von 20 Prozent der 20-Jährigen, der bis zum 80. Lebensjahr auf 80 Prozent ansteigt, zählen Venenerkrankungen inklusive Krampfaderleiden zu den großen Volkskrankheiten in Deutschland, wobei Frauen rund zehnmal häufiger betroffen sind als Männer.

Warum manche Menschen eher zu Krampfadern neigen als andere, ist in der Wissenschaft noch nicht abschließend geklärt. „Sicher ist aber, dass vor allem genetische Vorprägungen eine Rolle spielen“, so Dr. Beck. Bei einer entsprechenden familiären Disposition werde das Erkrankungsrisiko durch häufiges Stehen und Sitzen erhöht. Bei ernsthaften Beschwerden sollte man nicht zu lange mit einer Abklärung und Behandlung beim Arzt warten. „In einem frühen Stadium kann man den Patienten meistens noch gut ohne eine Operation helfen“, berichtet Dr. Beck.

So könne etwa eine Kompressionsbehandlung durch angemessene Kompressionsstrümpfe sehr wirksam zu einer Entlastung der Beine beitragen und dem Entstehen von Blutstauungen entgegenwirken. Für kurzfristige Entlastung können Medikamente sowie das Hochlagern und Bewegen der Beine und Waden sorgen. Nachts kann eine rund zehn Zentimeter hohe Fußunterlage helfen. Verzichten sollten Krampfader-Patienten auf enge Kleidung und sehr hohe Schuhabsätze.

Für die Therapie

von Venenerkrankungen gibt es heute je nach Stadium sehr unterschiedliche bewährte Methoden. Zur Behandlung großer Krampfadern ist nach vor das sogenannte Stripping die sicherste und am weitesten verbreitete Methode. Hierbei wird der defekte Teil des oberflächlichen Venensystems unter Betäubung per ambulanter Operation entfernt. Wesentlicher Effekt ist, dass die Beinvenen entlastet werden und das Blut wieder ohne Funktionsstörungen aus den Beinen zum Herzen zurücktransportiert werden kann. Dr. Christian Beck führt mit seinen Kollegen der Gemeinschaftspraxis in Varel etwa 600 bis 800 entsprechende Eingriffe pro Jahr durch: „Die Rate der Patienten mit einer deutlichen Beschwerdebesserung ist mit über 90 Prozent sehr hoch.“

Eine Schwangerschaft ist eine zusätzliche Belastung für das Venensystem, da 20 Prozent mehr Blut transportiert werden muss und zudem das Hormon Progesteron produziert wird, das sich negativ auf die Spannung der Venenwände auswirkt.Die Folge ist eine erhöhte Krampfader-Gefahr.

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