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Englische Siedlungen: Bima will 270 Häuser sanieren
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Englische Siedlungen: Bima will 270 Häuser sanieren

NWZonline.de Ratgeber Gesundheit

Diese neue Technik rettete sein Leben

17.01.2019

Varel Es geschah an einem frühen Morgen Mitte Dezember. Götz-Dieter Heeren war aufgestanden und wollte gerade ins Badezimmer gehen, als ihm schwindelig wurde. Er verlor das Bewusstsein. „Als ich aufwachte, bekam ich nur noch sehr schlecht Luft. Ich dachte, ich hätte etwas mit dem Kreislauf und bin vorsichtshalber in die Notaufnahme des St.-Johannes-Hospitals nach Varel gefahren.“ Keine Sekunde zu früh. Denn wie sich herausstellte, litt er an einer Lungenembolie, die sofort behandelt werden musste. Dem 59-jährigen drohte der plötzliche Herztod.

Lungenarterie verstopft

Eine CT-Untersuchung der Lunge brachte den Ärzten Gewissheit – eine beidseitige Lungenembolie war die Ursache der akuten Luftnot. Bei einer Lungenembolie verstopft ein Blutgerinnsel die Lungenarterie. „In den meisten Fällen ist eine tiefe Bein- oder Beckenvenenthrombose für die Lungenembolie verantwortlich“, erklärt der Chefarzt für Gefäßchirurgie, Olaf Gerhard Nikolai. So auch bei Götz-Dieter Heeren.

Die tiefen Venen der Beine oder des Beckens transportieren das Blut über die untere Hohlvene und den rechten Vorhof des Herzens in die stark verästelte Lungenarterie. Bleibt ein Blutgerinnsel dort stecken und verschließt das Gefäß, kann das Blut nicht mehr mit Sauerstoff versorgt werden. Das führt zu Atemnot. Daraufhin versucht die rechte Herzkammer, gegen den Widerstand an zu pumpen, und muss dabei immer mehr Kraft aufwenden. Das Herz überanstrengt sich und es kommt zu Fehlfunktionen oder zu einem Versagen der rechten Herzhälfte. Im Fall von Götz-Dieter Heeren war schnelles Handeln gefragt.

Geringes Risiko

Seit einiger Zeit setzen die Gefäßchirurgen in Varel auf ein neuartiges Verfahren. Die „Ultraschall-Katheter-Lyse“ ist eine für den Patienten sehr schonende und darüber hinaus sehr effektive Methode, erklärt Nikolai. „Sie erlaubt uns, einen Thrombus schneller aufzulösen und zu entfernen. Dabei besteht nur ein geringes Risiko für Komplikationen wie Blutungen. Leider wird sie nur in wenigen Kliniken in Deutschland durchgeführt. Das St.-Johannes-Hospital ist das einzige Krankenhaus in der Region, das diese Behandlung anbietet.“

Minimal-invasiv wurde Götz-Dieter Heeren bei örtlicher Betäubung über einen nur drei Millimeter großen Zugang in beide Leistenvenen je ein Spezialkatheter in die Lungenarterien rechts und links bis an den Ort der Verstopfung eingeführt. Dabei handelt es sich um einen dünnen Schlauch mit einer Ultraschallvorrichtung. Mit dieser torpedierten die Gefäßchirurgen das Blutgerinnsel punktgenau mit Ultraschallwellen, bis es zertrümmert war. So konnte die „Angriffsfläche“ für das Medikament erhöht und dieses tröpfchenweise direkt in das Gerinnsel gespritzt werden, damit es sich auflöst. Das dauerte in diesem Fall rund sechs Stunden.

Starb mit 56 Jahren: Stefanie Tücking. BILD: Jens Kalaene

Prominente Moderatorin starb an Lungenembolie

In den Medien sehr präsent in den vergangenen Wochen war die Lungenembolie als Todesursache der bekannten Radio- und Fernsehmoderatorin Stefanie Tücking (56). Auch der bekannte CDU-Politiker Philipp Mißfelder starb mit nur 35 Jahren daran.

Die Lungenembolie ist damit nach Herzinfarkt und Schlaganfall die dritthäufigste zum Tode führende Herz-Kreislauf-Erkrankung. Ungefähr einer von 1000 Menschen erleidet pro Jahr eine tiefe Venenthrombose, was bei ca. jedem Dritten eine Lungenembolie auslöst. Der Deutschen Lungenstiftung zufolge versterben jährlich etwa 20.000 bis 30.000 Menschen an einer Lungenembolie.

Mit zunehmendem Alter steigt auch das Risiko für eine Venenthrombose weiter an. Bei Patienten mit Krebserkrankungen steigt das Risiko noch wesentlich höher (bis zu 12 von 1000).

Häufige Symptome einer Lungenembolie sind unter anderem Luftnot, zunehmende Schmerzen in der Brust, Husten, Herzrasen oder Schwindel bis hin zur plötzlich einsetzenden Bewusstlosigkeit.

Bereits unmittelbar nach Abschluss der Behandlung verbesserten sich die Beschwerden von Götz-Dieter Heeren. Er hatte den schmerzlosen Eingriff gut überstanden. Die lebensbedrohende Luftnot und damit verbundene Überlastung des Herzens waren erfolgreich behandelt worden. Das Gerinnsel in der Lungenhauptstrombahn beidseits komplett aufgelöst. Nach gut einer Woche konnte er die Klinik beschwerdefrei verlassen und war rechtzeitig zum Weihnachtsfest wieder zu Hause.

Der Chefarzt und sein Team um den Oberarzt Hendrik Hoffstedde sehen ihren Erfolg auch in dem neuen Zentrum für „Becken-Venen-Obstruktionen“ begründet. „Wir haben unser Wissen vor einem Jahr gebündelt und das Zentrum gegründet. Hier setzen wir den Spezialkatheter häufig bei der Behandlung von Lungenembolien und auch tiefen Venenthrombosen des Becken-/Beinvenensystems ein. Durch die Zentrumsbildung können wir die Versorgung jeden Tag im Jahr, rund um die Uhr sicherstellen. Das ist leider keine Selbstverständlichkeit“, weiß Nikolai, denn dieses Therapieverfahren wird bisher in keiner der umliegenden Kliniken im Nordwesten eingesetzt. Deutschlandweit sind es nur wenige Krankenhäuser, die sich mit dieser Therapie auskennen. „Mit diesem Zentrum und unseren Behandlungsmethoden kann das St.-Johannes-Hospital ein überregionales Alleinstellungsmerkmal vorweisen.“

Bei Götz-Dieter Heeren kam der Katheter in unmittelbarem Anschluss an die Behandlung der Lungenembolie auch für die Behandlung der ursächlichen Becken-/Beinvenenthrombose des linken Beines zum Einsatz und konnte die Durchblutung wieder herstellen.

Gefahr nimmt zu

Wegen einer alternden Bevölkerung rechnet Nikolai mit einer steigenden Zahl an Thrombose-Erkrankungen. Gefahr besteht, wenn der Blutfluss verlangsamt wird. Das ist bei Bettlägerigkeit, Ruhigstellung nach Operationen und langanhaltender mangelnder Bewegung, zum Beispiel durch starkes Übergewicht, der Fall. Aus diesem Grund wird Flugreisenden immer wieder empfohlen, langes Sitzen zu vermeiden und ausreichend zu trinken.

Auch Verletzungen der Innenwand eines Blutgefäßes, Veränderungen in der Zusammensetzung des Blutes, Gerinnungsstörungen, Krebserkrankungen sowie bestimmte Medikamente, wie die Anti-Baby-Pille, oder eine genetische Veranlagung können die Entstehung von Thrombosen begünstigen. Häufige Symptome einer Lungenembolie sind unter anderem Luftnot, zunehmende Schmerzen in der Brust, Husten, Herzrasen oder Schwindel bis hin zur plötzlich einsetzenden Bewusstlosigkeit.

Keine riskante OP nötig

„Kleine“ Gerinnsel kann der menschliche Körper selbst beseitigen. Bei leichteren Fällen erhalten Patienten mit einer Lungenembolie oft nur gerinnungshemmende Medikamente über einen intravenösen Zugang, in der Hoffnung, dass sich der Pfropf so auflöst. Dieses Verfahren hat den Nachteil, dass sich die Gerinnungshemmer im ganzen Körper verteilen und innere Blutungen an anderen Stellen auslösen können. Auch diese übliche Standardbehandlung kann eine langfristige Rechtsherzbelastung und die drohende Ausbildung eines „Lungenhochdrucks“ nicht immer verhindern.

Schwere Lungenembolien können häufig nur durch eine wesentlich riskantere, stark belastende offene herzchirurgische Operation entfernt werden, bei der der Patient während des Eingriffs an eine Herz-Lungen-Maschine angeschlossen werden muss.

Um in Zukunft neue Thrombosen und Lungenembolien zu verhindern, wird Götz-Dieter Heeren dauerhaft Medikamente zur Blutverdünnung einnehmen und regelmäßige Kontrolltermine bei den Gefäßmedizinern und Kardiologen wahrnehmen müssen. In seinem Alltagsleben spürt er keine Einschränkungen. Für ihn steht fest: „Die Entscheidung für die Katheterbehandlung war die beste meines Lebens. Ich würde sie immer wieder treffen.“

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