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NWZonline.de Ratgeber Gesundheit

Herzinfarkt: Wenn jede Sekunde zählt

23.02.2021

Vechta Atemnot, Übelkeit und Angstschweiß sowie anhaltende starke Schmerzen im Brustkorb, die unter anderem in die Arme und Schultern sowie den Bauch, Rücken und Kiefer ausstrahlen können: Die Symptome eines akuten Herzinfarkts stellen sich oft wie aus heiterem Himmel ein. Ursache ist ein an einer oder an mehreren Stellen möglicher Verschluss der zum Herzen führenden Kranzgefäße, als dessen Folge die lebensnotwendige Versorgung des Herzmuskels mit Blut und Sauerstoff unterbrochen wird. Abhängig davon, wo die Gefäßverstopfung besteht, handelt es sich um einer Vorder-, Hinter- oder Seitwandinfarkt.

Im Akut-Fall besteht unmittelbare Lebensgefahr. „Dann kommt es auf jede Sekunde an“, betont die Deutsche Herzstiftung. Ohne umgehende geeignete Gegenmaßnahmen entsteht eine kritische Reduktion der Pumpleistung des Herzens, was eine Mangelversorgung aller lebenswichtiger Organe bewirkt. Ohne ausreichende Sauerstoffzufuhr kann es sehr schnell zum irreparablen Absterben von Gehirnzellen kommen. Zudem werden Teile des Herzmuskels geschädigt. Auch wenn das Leben des Patienten mittels einer rechtzeitigen Auflösung der Gefäßverstopfung gerettet wird, kann es zu bleibenden Folgeschäden wie eine verringerte Pumpleistung des Herzens – die Insuffizienz – sowie Herzrhythmusstörungen kommen.

Sofort die 112 alarmieren

Der medizinisch als Myokardinfarkt bezeichnete akute Herzinfarkt zählt in Deutschland noch vor Krebs zu den häufigsten Todesursachen. Das statistische Bundesamt verzeichnet für das Jahr 2015 fast 28000 Männer und mehr als 21000 Frauen mit einem tödlichen Infarkt-Verlauf.

Die Überlebenschancen hängen in erster Linie davon ab, wie schnell die Betroffenen versorgt werden und ein geeignetes Krankenhaus erreichen. „Im Verdachtsfall muss unverzüglich die Notfallnummer 112 alarmiert werden“, betont Dr. Achim Gutersohn, Chefarzt der Klinik für Kardiologie im St. Marienhospital Vechta: „Wenn der Infarkt-Patient auf dem Kathetertisch liegt, können wir die gefährliche Gefäßverstopfung mitunter schon nach wenigen Minuten auflösen.“ Mit dem dann wieder fließenden Blutstrom ist auch die Sauerstoffversorgung wiederhergestellt. „Die Lebensgefahr ist damit abgewendet. Vielen Patienten geht es danach bereits nach kurzer Zeit wieder viel besser.“

Aktuelle Zahlen verschiedener Fachgesellschaften zeigen, dass bundesweit rund 90 Prozent der im Krankenhaus versorgten Herzinfarkt-Patienten gerettet werden. Im St. Marienhospital Vechta liegt die Überlebensrate sogar bei über 95 Prozent, berichtet Dr. Gutersohn: „Zur Wahrheit gehört aber leider auch, dass fast 50 Prozent der Infarkt-Betroffenen sterben, bevor sie das Krankenhaus erreicht haben.“

Atmung kann aussetzen

Das Zeitfenster für lebensrettende Maßnahmen ist insbesondere bei einem stark ausgeprägten Akut-Vorfall sehr begrenzt. Lebenswichtige Funktionen wie die Atmung oder der Herzschlag setzen bei vielen Betroffenen schon kurz nach dem Auftreten erster Beschwerden aus. Einige können mit einer gezielten Herzmassage reanimiert werden – die meisten aber nicht.

Die Lebensgefahr ist erst gebannt, wenn die Gefäßverstopfung sicher und dauerhaft beseitigt wurde. Ein akuter Herzinfarkt wird in der Regel medikamentös und mit einer kathetergestützten Eingriff behandelt. Diese Verfahren sind seit etlichen Jahren bewährt und verlaufen meistens erfolgreich und ohne gefährliche Komplikationen.

NWZonline.de/gesundheit
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