Prof. Dr. Albrecht Elsässer (Bild) ist Leiter der Universitätsklinik für Innere Medizin – Kardiologie im Klinikum Oldenburg.

Kann ein Vorhofflimmern eine unbemerkte Zeitbombe im Körper sein?

ElsässerJa, denn beim Vorhofflimmern arbeiten die Vorhöfe nicht mehr geordnet und effizient, sodass sich dort Blutgerinnsel bilden können, die als sogenannte Embolie an unterschiedlichen Stellen im Körper zu einem Verschluss der Blutgefäße führen können. Im Gehirn zeigt sich diese Situation als akuter Schlaganfall. Die Folge kann je nach Ausprägung eine lebensbedrohliche Situation oder eine dauerhafte Einschränkung des Denk- und Bewegungsvermögens sein.

Ist die Symptomstärke ein Indikator für die Schwere der Erkrankung?

ElsässerNein. Es gibt zahlreiche Patienten, die das Vorhofflimmern nicht bemerken. Diese Gruppe ist am stärksten gefährdet, schwere Folgeerkrankungen wie zum Beispiel einen Schlaganfall zu erleiden, da die notwendige Therapie nicht initiiert wird.

Sind Patienten mit einem Vorhofflimmern für immer auf Medikamente angewiesen?

ElsässerDie Notwendigkeit zur dauerhaften Einnahme blutverdünnender Substanzen lässt sich mittels eines Risiko-Scores berechnen. Bei mehr als 95 Prozent aller Patienten mit einem Vorhofflimmern besteht diese Indikation. Alternativ zur medikamentösen Behandlung kann man den Patienten eine Vorhofflimmerablation anbieten, die heute eine sehr gute und sichere Behandlungsmethode darstellt. Nach einem solchen Eingriff kann auf Grundlage einer Risikoabwägung mitunter auf Antiarrhythmika und Blutverdünner verzichtet werden.