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Trauma-Folgestörungen Wenn die Angst betäubt wird

Klaus Hilkmann

Visbek - „Ich wache nachts regelmäßig mit Albträumen auf. Die Gewalterlebnisse sind dann wieder so präsent, als wenn sie gerade erst passiert wären.“Noch vor wenigen Jahren hätte Maike C. mit der Einnahme einer betäubenden Substanz reagiert. Inzwischen ist die Mittvierzigerin clean und in der Lage über ihre in der Kindheit erlittenen Traumaerlebnisse zu sprechen. Lange Zeit war das anders. Maike C. hatte mit Alkohol und Cannabis sowie später auch mit Heroin und Medikamenten versucht, das Ganze zu verdrängen. Das Ergebnis war eine mehr als 20 Jahre dauernde Suchtkarriere.

Kurz vor ihrem 40sten Geburtstag hatte sie sich völlig am Ende gefühlt. Alles habe sich nur darum gedreht, genug Geld für Drogen zusammenzubekommen. Auch gesundheitlich sei es ihr immer schlechter gegangen. Die schwer abhängige Frau entschied sich für einen ärztlich begleiteten Entzug und eine anschließende Reha in einer stationären Einrichtung.

Knapp fünf Jahre später ist sich Maike C. sicher. „Ich habe es geschafft und fühle mich ohne Drogen viel besser.“ Sie verzichtet sogar auf Zigaretten. „Ich habe gelernt, dass man konsequent sein muss, um die Sucht dauerhaft überwinden zu können.“Geblieben sind ihr die schlimmen Erinnerungen an Schläge, Erniedrigungen und sexuellen Missbrauch, die sie als Kind erlebt hat. „Das sind Traumata, die mich bis heute verfolgen.“

Drogen helfen nicht

Inzwischen geht Maike C. aber anders damit um. Seit fünf Jahren besucht sie eine Selbsthilfegruppe. Halt und Kraft gibt ihr auch ihr Partner, der ebenfalls abstinent lebt und mit schwierigen Situationen umgehen kann – etwa, „wenn ich scheinbar ohne Grund plötzlich zu weinen anfange.“ Vor allem sei ihr klar, dass Drogen nicht das richtige Mittel zur Bewältigung ihrer Traumaerlebnisse sind.

Gerade bei Frauen korrespondieren unzureichend oder gar nicht bewältigte Traumaerfahrungen oft mit der Entwicklung einer Suchterkrankung, erklärt der Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie Dr. Thomas W. Heinz. Bei rund 80 Prozent der von einem oder mehreren Suchtmitteln abhängigen Frauen zähle ein Trauma zu den Begleiterscheinungen der Suchterkrankung, erklärt der Ärztliche Direktor der Fachklinik St. Vitus in Visbek.

Der Griff zu Alkohol, Medikamenten oder illegalen Drogen sei der Versuch, vermeintlich besser mit quälenden Erlebnissen aus der Vergangenheit leben zu können. Viele Betroffene hoffen sich damit von Trauma-Folgestörungen wie Panik- und Angstattacken oder Ess- und Schlafstörungen befreien zu können..

In der Seele festgesetzt

Zwar schaffen es die meisten Menschen, schlimme Erfahrungen ohne gravierende psychische Schädigungen zu verarbeiten, betont Dr. Heinz: „Dessen ungeachtet kann eine Trauma-Folgestörung jeden treffen.“ Mitunter stellen sich die Symptome erst lange nach einem belastenden Ereignis ein, das sich in der Seele festgesetzt hat. Aktuelle Studien zeigen, dass in Deutschland rund zwei von 100 Frauen und Männern betroffen sind.

Die Behandlung suchtkranker Frauen mit einer Trauma-Folgestörung basiert auf zwei Säulen. Neben der Überwindung der Abhängigkeit stehen die Traumaerlebnisse im Fokus, die oft mit Suchtmitteln betäubt wurden. In der Therapie sollen die Frauen lernen, dass ihr Leben nicht mehr von schlimmen Erlebnissen bestimmt wird, die sie mitunter seit der Kindheit belasten, erklärt Dr. Heinz: „Ziel ist es, die Macht der Täter zu brechen.“

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