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NWZonline.de Ratgeber Gesundheit

Schizophrenie: Wenn das Ich fremdgeleitet ist

26.07.2016

Neuenkirchen Die aus dem Griechischen kommende Bezeichnung Schizophrenie bedeutet ins Deutsche übersetzt so viel wie Spaltung der Seele, des Gemüts beziehungsweise des Geistes. Mit einer aus der Geschichte aus „Dr. Jekyll und Mr. Hide“ bekannten gespaltenen Persönlichkeit hat die Erkrankung allerdings nichts zu tun.

Menschen mit einer Schizophrenie haben vielmehr eine gestörte Realitätswahrnehmung, die ihnen und anderen schaden kann. Die Erkrankung beginnt häufig mit unspezifischen Symptomen wie Unruhe, erhöhter Reizbarkeit, Schlafstörungen oder Konzentrationsschwächen, die auch auf andere psychische Probleme hinweisen können. Das Wesen des Erkrankten verändert sich, was nicht selten auch am äußeren – oft vernachlässigten – Erscheinungsbild sichtbar wird.

Frühe Therapie wichtig

In akuten Krankheitsphasen fühlen sich Menschen mit einer Schizophrenie ohne Grund verfolgt und bedroht. Bis hin zu Halluzinationen hören und sehen sie Dinge, die es nicht gibt, und sind fest davon überzeugt, dass sie von außen Eingebungen bekommen oder ihnen Gedanken von einer fremden Macht aus dem Kopf gezogen werden. Diese als Störung des Ich-Erlebens bezeichnete Symptomatik korrespondiert oft mit depressiven Phasen und starken Stimmungsschwankungen, die von einer ausgeprägten Antriebshemmung bis hin zu starken Erregungszuständen reichen können.

Viele Betroffene empfinden zwar einen großen Leidensdruck, suchen sich aber ohne einen Anstoß aus dem familiären oder sonstigen sozialen Umfeld keine qualifizierte Hilfe. „Dabei ist es wichtig, dass die Erkrankung möglichst frühzeitig konsequent und mit großer Fachkompetenz behandelt wird“, betont Prof. Dr. Jörg Zimmermann, Chefarzt der Clemens-August-Klinik, Fachklinik für Psychiatrie, Psychotherapie und psychosomatische Medizin in Neuenkirchen (Kreis Vechta): „Ansonsten ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass sich die Schizophrenie verfestigt und sich die Symptome weiter verschlimmern.“

Die Chancen einer erfolgreichen Therapie seien umso besser, desto eher die Erkrankung erkannt und behandelt wird. Die Therapie ziele in erster Linie darauf ab, den Erkrankten im Akut-Fall zunächst vor sich zu schützen und mit einer dann folgenden Behandlung möglichst lange von den Beschwerden zu befreien.

Aktuelle wissenschaftliche Studien gehen davon aus, dass rund ein Prozent der Bevölkerung damit rechnen muss, im Laufe des Lebens an einer schizophrenen Psychose zu erkranken. Frauen und Männer sind in etwa gleich häufig betroffen, wobei Frauen mit einem durchschnittlichen Krankheitsbeginn zwischen dem 25. und 30. Lebensjahr meistens einige Jahre später erkranken als Männer. Krankheitssymptome können sich aber auch schon im Jugendalter oder erst im höheren Alter zeigen.

Rückkehr in Schüben

In vielen Fällen verschwinden die Symptome nach einer ersten Erkrankungsphase von selbst wieder und bleiben eine einmalige Episode. Die Beschwerden können aber auch später zurückkehren und sich dann immer wieder in Schüben wiederholen. Etwa ein Drittel der Erkrankten leidet unter einer chronischen Schizophrenie, die das Leben permanent bestimmt. Auch diesen Betroffenen kann man heute mit einer qualifizierten Behandlung in den meisten Fällen gut helfen. In der Regel ist dafür zunächst ein Aufenthalt in einer stationären psychiatrischen Einrichtung erforderlich. Wenn die Therapie dort gut wirkt, kann sie ambulant fortgesetzt und bei einer längeren Beschwerdefreiheit auch beendet werden.

In besonders schlimmen Fällen bleiben die Therapiemethoden leider weitgehend wirkungslos, so dass die Patienten für lange Zeit in einem geschützten Raum in einer psychiatrischen Klinik behandelt werden müssen. Zudem können sich bei einem schweren Verlauf auch nach einer erfolgreichen Akut-Behandlung langfristige Beeinträchtigungen einstellen, berichtet Prof. Dr. Zimmermann: „Besonders tragisch ist das etwa bei jungen Menschen, die unter Umständen nicht mehr ihr erwünschtes berufliches Ziel erreichen können.“

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Die Ursachenfür eine Schizophrenie sind wissenschaftlich nicht vollständig geklärt. Sicher ist, dass es einen Zusammenhang mit genetischen, biologischen und psychologischen Faktoren gibt, betont Prof. Dr. Jörg Zimmermann. Kinder aus Familien, in denen die Geschwister oder Eltern betroffen sind, leben mit einem erhöhten Erkrankungsrisiko. Das Gleiche gilt, wenn es im Zuge der Geburt zu Störungen der Gehirnentwicklung gekommen ist. Auch Erkrankungen des Gehirns oder schädliche Einwirkungen können das Entstehen einer Schizophrenie fördern. Vor allem bei Jugendlichen ist etwa der Konsum von Drogen wie Cannabis ein großer Risikofaktor.

Eine Schizophrenie kann in vielen unterschiedlichen Formen auftreten. Am häufigsten ist die paranoid-halluzinatorische Form, die vor allem durch Wahnvorstellungen gekennzeichnet ist. Danach folgen die hebephrene und die katatone Schizophrenie. Typisch für die hebephrene Form ist ein verändertes Empfinden und Verhalten. Die katatone Form zeichnet sich vor allem durch psychomotorische Auffälligkeiten aus.

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